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Jeder Waschgang Handarbeit – das wird Waschsalon--Chefin Gudrun Espig (55) jetzt zu viel.

Chefin leidet an „Bügeldaumen“

Traditionswäscherei schließt - nach 32 Jahren ausgeschleudert

München - Wenn man durch diese Türe schreitet, scheint man in eine andere Welt zu treten. Nicht eine Welt der Elektronik des 21. Jahrhunderts, sondern eine Welt, die man nur noch aus den Erzählungen der Oma kennt. Willkommen im Waschsalon von Gudrun Espig (55)!

Die Wäsche bekommt man hier noch in graues Papier eingewickelt und nicht in Plastik verschweißt. Das ist aber nicht der Grund, dass der Laden irgendwie nicht aus dieser Zeit ist. Vielmehr sind es die Geräte, die einen 60 Jahre in die Vergangenheit zurückbeamen! Fünf Kolosse von Waschmaschinen empfangen den Kunden in der kleinen Wäscherei in Untergiesing. „Die funktionieren seit 60 Jahren tadellos“, strahlt die stolze Besitzerin. Hier ist noch echte Handarbeit gefragt. Jeder einzelne Waschschritt muss manuell gestartet werden. Warum tut sie sich das an? „Die modernen Maschinen brauchen länger“, sagt sie. Außerdem wurden die Maschinen hier direkt beim Bau des Hauses eingebaut.

Seit 1985 ist die Wäscherei in Familienbesitz, aber schon 30 Jahre zuvor war hier bereits eine Wäscherei. Irmingard Schmid (84) ist seit 1961 Kundin in dem Salon. „Hier ist alles so ordentlich und persönlich“, schwärmt die Dame mit einem strahlenden Lächeln.

Irmingard Schmid (84) ist seit Jahrzehnten Kundin im Untergiesinger Salon.

Jetzt ist aber Schluss mit der Traditionswäscherei. Chefin Gudrun Espig hat Daumen, besser gesagt einen Bügeldaumen. „Ich habe furchtbare Schmerzen. Bei zehn Stunden bügeln am Tag wird mir das zu viel“, sagt sie. Und da der Vermieter keinen Waschsalon mehr haben möchte, hat es sich nun für die Waschmaschinen ausgeschleudert. „Am 31. August kommt der Schrotthändler“, sagt Gudrun Espig traurig. Nach über 60 Jahren enden die Waschmaschinen, der riesige Trockner und die laute Mangel aus dem Hinterzimmer als Schrott auf dem Müll. „Mir blutet das Herz!“ Es scheint, als ob keiner die wunderschönen Maschinen haben möchte – Museen sind nicht interessiert. Für Privatpersonen sind die Kolosse nicht unbedingt zu empfehlen, schließlich werden die Waschmaschinen mit Gas betrieben. Kundin Irmingard Schmid bräuchte zwar eine Waschmaschine. „Ich habe aber leider keinen Platz für so ein Trumm.“

Wenn Sie Interesse an einem der Geräte haben, melden Sie sich bei der tz. Es wäre doch wirklich zu schade, wenn diese Sammlerstücke aus vergangener Zeit im Müll enden müssten.

F. Fussek

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