Auf einer eigenen Trasse soll die Tram auf der Fürstenrieder Straße fahren.

Ärger in der Bürgerversammlung

Westtangente: Die Tram ist in Laim nicht willkommen

München - Die Tram-Westtangente ist und bleibt ein Reizthema. Die Koalitionspartner im Rathaus finden in dieser Frage nicht zusammen. Unterdessen brodelt es in Laim immer heftiger. Bei der Bürgerversammlung forderten Gegner des Vorhabens mehr Transparenz.

Bereits vor sechs Jahren gingen erzürnte Bürger in Laim auf die Straße, um gegen die Tram-Westtangente zu demonstrieren. Die Stimmung hat sich nicht gebessert. Im Gegenteil. Nahezu jede Bürgerversammlung spiegelt seitdem wider, dass das Projekt im Viertel großes Unbehagen auslöst. 2015 votierten die Stadtviertelbewohner mehrheitlich dafür, die Planung ganz einzustellen. Dieses Mal forderten sie Fakten. In trockenen Tüchern ist das Vorhaben noch nicht. CSU und SPD streiten momentan noch über Detailfragen der Trasse auf der Fürstenrieder Straße.

Immer mehr Laimer fühlen sich unterdessen übergangen. Sie haben erheblichen Klärungsbedarf. Ein Bürger stellte mehrere Anträge: Zum einen forderte er eine Kostenberechnung für die Tram-Westtangente. Daneben gelte es, die Zuschüsse, die von Bund und Ländern zur Verfügung gestellt werden, zu ermitteln. Außerdem soll für alle Kreuzungen entlang der Trasse die verkehrliche Leistungsfähigkeit genau berechnet werden. Nur so sei nachzuweisen, „dass der heutige Autoverkehr in den Spitzenstunden staufrei bewältigt werden kann“, heißt es in einem zweiten Antrag. Auch steigende Fahrzeugzahlen müssten berücksichtig werden. Außerdem beantragte der Bürger, dass „als Alternative Anhängerbusse mit Akku-Betrieb untersucht werden“.

Eine Frau verwies auf vergangene Bürgerversammlungs-Beschlüsse und sprach von einer „seit Jahren geheim gehaltenen Änderungsplanung“. Für sie unverständlich: 2015 beantragte die Laimer Bürgerinitiative „Keine Tram-Westtangente“ unter anderem mehr Transparenz. Erst vor einigen Wochen habe die Initiative eine schwammige Antwort erhalten, kritisierte die Bürgerin. Sie untermauerte die damaligen Forderungen mit einem neuen Antrag: „Vor einer Abstimmung des Stadtrats über die Tram-Westtangente sind die aktuellen MVG-Planungen, Berechnungsgrundlagen und Kosten zu veröffentlichen“, heißt es darin unter anderem. Untersucht werden müssten insbesondere die Situation für Rettungsfahrzeuge auf der Wotanstraße und die Lärmwerte für die gesamte Strecke. Zudem sei eine weitere Diskussionsveranstaltung zu dem Thema nötig. Die Bürgerin erklärte, es gebe Problemstellen entlang der Trasse. Einige davon seien besonders gravierend und nicht mit einer verantwortungsbewussten Planung vereinbar. In der jetzt schon stauträchtigen Wotanstraße im Nachbarbarviertel etwa drohten für Rettungsfahrzeuge durch die Tram-Westtangente zusätzliche Behinderungen. „Die Entscheider ducken sich weg“, monierte die Frau. „Kein Befürworter will zu diesem womöglich lebensgefährdenden Konzept Stellung beziehen“.

Alle Anträge zum Thema Tram-Westtangente wurden mit großer Mehrheit angenommen. Erbost äußerte sich auch Petra Falkner von der Initiative „Keine Tram-Westtangente“. An ihren Infoständen erlebe sie immer wieder, dass die meisten Bürger inzwischen gegen das Tram-Projekt seien. Falkner mahnte vehement mehr Transparenz an. Derzeit gebe es keine Informationen über den aktuellen Stand der Planungen. „Auch die Kosten sind unbekannt.“ Sie fordert von Stadt und MVG, eine Kosten-Nutzen-Analyse vorzulegen. Zudem solle offen gelegt werden, auf welcher Grundlage bisherige Berechnungen erfolgt sind, wie der aktuelle Planungsstand ist und wann die Abstimmung im Stadtrat erfolgt.

Helmut Barthe von der MVG hatte an dem Abend keine Karten parat, die er spontan auf den Tisch legen konnte. Er erinnerte lediglich daran, dass Informationsveranstaltungen für Bürger zur Tram-West-Tangente bereits stattgefunden hätten. „Der CSU und der SPD liegen die detaillierten Informationen zu der Planung vor“, erklärte er. Nun bleibe abzuwarten, wie im kommenden Jahr abgestimmt wird.

Brigitta Wenninger

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