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Retter vom Dienst: Hier stürzte Deborah Kiepe in den Pasinger Kanal. Ihr Hund Georgy bellte Hilfe herbei .

Teure Ausbildung von Assistenzhunden ist ein Problem

In Kanal gestürzt - so rettete ihr Hund Deborah das Leben

München - Assistenzhunde wie Georgy erleichtern Menschen mit Behinderung das Leben. Jetzt hat Georgy seiner Halterin Deborah Kiepe vielleicht sogar das Leben gerettet. Die Geschichte dahinter: Viele körperlich Behinderte müssen die teure Ausbildung für solche Hunde selber bezahlen.

Deborah Kiepe (23) fuhr am Montagnachmittag mit ihrem Elektro-Rollstuhl zum Arzt. Sie wählte die Abkürzung am Pasing-Nymphenburger-Kanal entlang. Wie immer mit dabei: ihr fürsorglicher Assistenzhund Georgy. „Ich bin nur ein oder zwei Zentimeter zu scharf abgebogen. Im nächsten Moment purzelte ich die Böschung hinunter und lag samt Rollstuhl im Wasser“, erzählt Kiepe. Sie war nun gefangen in ihrem elektrischen Rollstuhl, in dem sie sich stets festschnallt. Aus eigener Kraft konnte sie sich nicht befreien. Denn Kiepe muss mit „Friedreich Ataxie“ leben, einer seltenen, nicht behandelbaren Nervenkrankheit. Die zwang sie 2002 dauerhaft in den Rollstuhl.

Während die 23-Jährige erzählt, wie sie fünf bis zehn Minuten lang hilflos im eiskalten knietiefen Wasser lag, schüttelt es sie immer noch. Eine ältere Dame wurde zunächst auf sie aufmerksam, konnte ihr wegen ihrer eigenen körperlichen Probleme nicht so recht helfen. Nun wurde Georgy aktiv. Der Retriever-Mischling lief zur Straße und bellte so laut er konnte. Schnell sammelten sich etwa sieben Helfer. Einer sprang ins Wasser und zog die mittlerweile unterkühlte Rollstuhlfahrerin heraus. Ein Krankenwagen wurde herbeigerufen. „Die Sanitäter haben mir als allererstes die nasse Kleidung ausgezogen und mich in Decken eingewickelt“, erzählt Kiepe. Im Krankenhaus dann die gute Nachricht: Tatsächlich nur leicht unterkühlt, ansonsten fehlte ihr nichts – Glück gehabt, vor allem dank Georgy.

„Ohne Georgy könnte ich kaum alleine leben“

Der junge Retriever-Mischling ist einer von derzeit etwa zehn Assistenzhunden in Bayern, die Menschen mit körperlicher Behinderung einen geregelten Alltag ermöglichen. „Ohne Georgy könnte ich kaum alleine leben. Aber Selbständigkeit war schon immer mein großer Traum, trotz meiner Krankheit“, sagt Kiepe.

Es ist erstaunlich, was der schlaue Georgy alles kann: „Er holt den Aufzug, öffnet mir die Türe, schaltet das Licht ein und aus, hilft mir die Waschmaschine ein- und auszuladen und bringt mir das Telefon, wenn ich es brauche“, erzählt Kiepe begeistert. All die kleinen Alltagsaufgaben wären für sie krankheitsbedingt zeit- und kraftraubend und teils kaum zu bewältigen. Für Georgy ist die Hilfe eine Selbstverständlichkeit.

Keine Selbstverständlichkeit ist jedoch, dass Krankenkassen für die Ausbildung von Georgy bezahlen. Während etwa Sehbehinderte und Blinde grundsätzlich das Anrecht auf einen Assistenzhund haben und die Kassen häufig für die Ausbildungskosten aufkommen, haben körperlich Behinderte keinen derartigen Anspruch. „Ich musste die bisherigen Kosten von Georgy selbst bezahlen“, sagt Kiepe. Bis zu 20.000 Euro kostet es, solche Hunde fertig auszubilden. „Etwa 10.000 Euro habe ich bisher bezahlt“, sagt Kiepe, die sich das bald etwas einfacher leisten kann: Im Januar tritt sie ihren ersten Job als Fachangestellte für Bürokommunikation an. Auch dort darf ihr lebenswichtiger Hund Georgy dabei sein, offenbar selbstverständlich für ihren Arbeitgeber. Jeden Tag wird Georgy jedoch nicht mitlaufen können.

Hund Georgy bekommt regelmäßig Unterricht

Denn noch muss der flauschige Retriever viel lernen. Dafür holt ihn Hunde-Ausbilderin Andrea Stadler (47) vom Verein „Assistenz- und Servicehunde in Bayern“ etwa zwei Mal die Woche ab, bringt Georgy neue Fähigkeiten bei, die Kiepe das Leben erleichtern, und fährt ihn dann zurück zu Frauchen. „Um ein fertig ausgebildeter Assistenzhund zu sein, absolvieren die Tiere nach etwa anderthalb Jahren eine vier- bis sechsstündige Abschlussprüfung“, sagt Stadler. Sie hofft, dass Georgy am Ende sogar den Zuckerspiegel von Kiepe erschnüffeln und sie im Notfall warnen kann. Denn die junge Frau leidet seit dem Ausbruch ihrer Krankheit auch an Diabetes und hat einen schwankenden Blutzuckerwert.

Von Hüseyin Ince

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