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Andreas H. am Freitag vor dem Amtsgericht – seinen Job hat er bereits verloren.

Kein einziger Zeuge belastet ihn, aber ...

Bestechung? Müllmann (49) wegen Trinkgeld vor Gericht

München - Müllmann Andreas H. soll vor Weihnachten 2013 in sechs Fällen Trinkgeld von Bürgern angenommen haben. Seine Entlassung war rechtswidrig, jetzt steht er aber erneut vor Gericht.

Mehr als 19 Jahre lang holte er ihren Müll ab. Fleißig, pflichtbewusst, pünktlich: So haben die Bürger in Allach und Untermenzing Andreas H. (49) in Erinnerung. Ab Mitte Juli 2014 fuhr er aber plötzlich nicht mehr in seiner neonfarbenen Kluft durch die Straßen – denn die Abfallwirtschaftsbetriebe hatten den Müllmann rausgeworfen. Grund: Er soll vor Weihnachten 2013 in sechs Fällen Trinkgeld von Bürgern angenommen haben. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt er. „Ich habe meinen Job geliebt und nie Geld angenommen. Jeder wusste, dass wir das nicht dürfen.“

Am Freitag musste sich Andreas H. sogar vor dem Amtsgericht verantworten! Laut Anklage hat er von drei Anwohnern je 50 Euro angenommen und von zwei weiteren je 20 Euro – jeweils in bar. So hätten es etliche Anwohner berichtet, sagten die Kollegen des Müllmanns am Freitag aus. „Kommen Sie doch nach der Arbeit vorbei, wie ihr Kollege“: So sei ihnen auch selbst Geld angeboten worden.

Kurios nur: Die Anwohner selbst konnten sich daran nicht erinnern. Kein einziger belastete Andreas H., der die Vorwürfe durch seinen Verteidiger Michael Csüros bestreiten ließ.

Der hatte ihn vergangenen Sommer bereits erfolgreich vor dem Arbeitsgericht vertreten: Laut Urteil war die Kündigung des Müllmanns rechtswidrig. Erst danach reichten die Abfallwirtschaftsbetriebe übrigens Strafanzeige gegen Andreas H. ein. Tatvorwurf: Bestechlichkeit und Vorteilsannahme. Was sich bisher aber nicht bestätigt hat! „Tatsächlich war es so, dass ich den Bürgern oft erklärt habe, dass ich kein Bargeld annehmen darf“, sagte Andreas H.

Im Strafprozess am Amtsgericht gab es am Freitag noch kein Urteil. Weil absehbar ist, dass der Müllmann wohl nicht verurteilt werden wird, bot die Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Verfahrens an. Die lehnte Verteidiger Michael Csüros aber ab: „Wir wollen einen Freispruch“, sagte er. Bis der Prozess im Februar weitergeht, soll es nun Gespräche mit der Stadt geben – mit dem Ziel, sich auch über die Kündigung zu einigen.

Das sind die Regeln

Ein Müllmann vor Gericht – weil er an Weihnachten Geld von Bürgern angenommen haben soll. Aber darf er das grundsätzlich nicht? „2013 waren für die Mitarbeiter des AWM wie für alle Beschäftigten der Landeshauptstadt München einmalige Sachspenden im Wert von maximal 15 Euro erlaubt“, sagt Helga Seitz, Sprecherin der Abfallwirtschaftsbetriebe. Bargeld anzunehmen war den Müllmännern dagegen ausdrücklich „nicht erlaubt“. Ähnlich war die offizielle Regelung im vergangenen Jahr: „2015 durften pro Person und Jahr einmalig Gutscheine und Sachgeschenke bis zu einem Höchstwert von 25 Euro angenommen werden“, sagt Seitz. Anerkennung und Wertschätzung für die Müllmänner sei erfreulich, Trinkgelder aber verboten. Plätzchen, Lebkuchen oder auch Getränke, soweit nicht über 25 Euro im Wert, dürfen aber angenommen werden.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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