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Spektakulärer als geplant demonstrierten MVG und Polizei, wie gefährlich eine Schnellbremsung für Fahrgäste im Bus sein kann: Selbst kräftige junge Männer können sich kaum noch halten, links durchschlägt einer die Trennscheibe. Die Glassplitter fliegen durch den Bus.

Nach tragischem Unfall von Julia (†15)

Panne bei Polizei-Prävention! Mädchen verletzt sich

München - Der Unfalltod von Julia, die von einer Trambahn überfahren wurde, veranlasste die Polizei zu einer Übung für Schüler. Dabei verletzte sich jedoch ein Mädchen.

Die zitternde Hand unter seiner Straßenbahn. Die drei Freundschaftsbänder an Julia B.s Handgelenk. Bis heute hat ein Münchner Trambahnfahrer diese schrecklichen Bilder im Kopf. Am 2. März war die 15-jährige Julia an der Trambahnhaltestelle „Am Lokschuppen“ in Laim von einer Straßenbahn erfasst, einige Meter weit mitgeschleift und unter den Zug gezogen worden. Die Ärzte konnten ihr Leben nicht mehr retten. Das Mädchen aus Untermenzing war abgelenkt, hatte Kopfhörer auf den Ohren und hielt ein Handy in der Hand. Deshalb hörte es das Klingeln der stadtauswärts fahrenden Tram-Linie 19 nicht. „Der Fahrer steigt in keine Tram mehr ein, muss in eine Spezialklinik, um den Unfall verarbeiten zu können“, sagte Bernhard Robl, Chef der Fahrschule bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), am Freitag.

Den tragischen Unfall der 15-jährigen Julia B. nahmen Jugendbeamte der Polizei in Kooperation mit den Stadtwerken zum Anlass, Jugendlichen theoretisch und praktisch vor Augen zu führen, wie gefährlich es ist, im Straßenverkehr durch Handy und Kopfhörer abgelenkt zu sein. „Das ist eine Premiere“, sagte Polizeihauptmeister Andreas Herrmann, Jugendbeamter bei der Polizeiinspektion Laim.

Das Phänomen des „Smombies“ werde im Straßenverkehr, vor allem bei Fußgängern, immer mehr zum Problem. Smombie steht für Smartphone-Zombie und will sagen, dass jemand nur noch auf sein Handy starrt und von seiner Umgebung nichts mehr mitbekommt. „Viele gehen aus der Schule raus, und der erste Blick geht aufs Handy“, berichtete Herrmann von seinen Beobachtungen. „Aber macht euch klar: Das Unscharfe um euer Handy herum ist das wahre Leben“.

Bei der geplanten Vollbremsung eines Busses ging eine Scheibe zu Bruch, eine Schülerin verletzte sich durch die Scherben.

Die Beamten hatten 40 Schüler der Mittelschule an der Fürstenrieder Straße in Laim auf den Betriebshof der Stadtwerke geladen. „Stellt euch mit dem Rücken zur Tram und hört mit Kopfhörern Musik – und wenn ihr das Gefahrenklingeln hört, hebt die Hand“, gab Herrmann den Schülern als Aufgabe. Mit 35 Kilometern pro Stunde näherte sich die Tram – in der ein Teil der Schüler saß – den Jugendlichen. Der Straßenbahnfahrer klingelte laut. Immer wieder. Machte eine Gefahrenbremsung. Doch keiner der Schüler rührte sich. Vereinzelt hoben sie die Hände. Erst, als die Tram direkt hinter ihnen zum Stehen kam, bemerkten die 15- bis 17-Jährigen das Fahrzeug. „Mit der Musik im Ohr habe ich das Klingeln gar nicht mitbekommen“, sagte der 16-jährige Fabian S. Ein Problem für Straßenbahnfahrer ist laut Robl auch, dass eine Tram einen dreimal so langen Bremsweg hat wie Busse oder Autos. Eine Trambahn, die 50 Stundenkilometer fährt, steht erst nach 43 Metern. Selbst, wenn sie einen Menschen im Gleis sehen, können die Fahrer nicht sofort anhalten. Ein Auto hat nur 14 Meter Bremsweg.

Dass nicht nur „Smombies“ gefährlich leben, sondern auch die Fahrgäste, zeigte ein ungeplanter, spektakulärer Unfall bei der Veranstaltung. Die Beamten machten das gleiche Spiel wie bei der Tram mit dem Bus. Der Fahrer bremste so stark ab, dass einer der Schüler im Bus – obwohl vorgewarnt – gegen eine Scheibe prallte. Das Glas brach, und ein Splitter verletzte eine Schülerin am Ohr. „Wir erwarten, dass ihr die Augen auf die Straße richtet“, appellierte Herrmann. Damit so ein tragischer Unfall wie im März sich nicht mehr wiederholt.

Das sagen die Schüler über den Versuch

Schlimm! 

„Einer meiner Freunde ist schon mal von einer Trambahn angefahren worden, das war schlimm. Ich werde weitererzählen, was ich heute gelernt habe.“

Niklas B. (16), Schüler aus München

Nie laut! 

„Ich höre nicht so laut Musik im Straßenverkehr. Nach der Veranstaltung heute werde ich noch aufmerksamer sein. Als das Mädchen von der Tram erfasst wurde, habe ich viel an die Familie gedacht.“

Alina K. (17), Schülerin

Musik lenkt zu sehr ab!

Spektakulärer als geplant demonstrierten MVG und Polizei, wie gefährlich eine Schnellbremsung für Fahrgäste im Bus sein kann: Selbst kräftige junge Männer können sich kaum noch halten, links durchschlägt einer die Trennscheibe. Die Glassplitter fliegen durch den Bus.

„Bei dem Versuch heute habe ich gemerkt, dass ich mich vor allem auf die Musik und auf mein Handy konzentriert habe. Die Trambahn habe ich gar nicht kommen hören, und das Klingeln habe ich viel zu spät bemerkt. Ich werde künftig noch besser aufpassen, wenn ich im Straßenverkehr unterwegs bin.“

Fabian S. (16), aus München

Extralicht für Tram

„Ich versuche immer, auf der Straße nicht auf das Handy zu schauen. Ich fände es sinnvoll, wenn man an der Tram zusätzlich Lichter anbringen könnte. Dann nimmt man sie wahr, auch wenn man das Klingeln nicht hört.“

Vivien S. (17), Schülerin aus München

Stefanie Wegele

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