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Angela Merkel (l.) beim einem Besuch des Jüdischen Zentrums in München 2008 mit Charlotte Knobloch (r.), Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.   

„Ankunft in der Mitte der Gesellschaft“

Zehn Jahre Synagoge: Angela Merkel feiert mit

München - Vor zehn Jahren wurde die Hauptsynagoge in München eröffnet, am Mittwoch begeht die Israelitische Kultusgemeinde den Jahrestag. Auch die Bundeskanzlerin hat sich angekündigt. 

Es war eines der größten jüdischen Bauprojekte der Nachkriegszeit in Europa: Vor zehn Jahren wurde in München eine neue Hauptsynagoge samt jüdischem Gemeindezentrum eröffnet. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern wählte dafür den 68. Jahrestag der Pogromnacht am 9. November, in der die Nationalsozialisten die Synagogen in Deutschland angezündet und jüdische Geschäfte verwüstet hatten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird mit der Ohel-Jakob-Medaille ausgezeichnet

An diesem Mittwoch begeht die Kultusgemeinde den Jahrestag der Eröffnung mit einem Festakt. Dabei wird sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Verdienste um das Judentum in Deutschland, ihren Einsatz gegen Antisemitismus und ihr entschiedenes Bekenntnis zum jüdischen Staat Israel mit der Ohel-Jakob-Medaille würdigen, der höchsten Auszeichnung der Kultusgemeinde. Schon tagsüber finden an der Hauptsynagoge verschiedene Veranstaltungen statt, zu denen alle Münchner Bürger geladen sind.  

Zum Schuljahresbeginn im September startete das erste jüdische Gymnasium in München seit der Nazi-Zeit

Das Zentrum und die Hauptsynagoge mit der ungewöhnlichen Architektur, die im Sockel an einen Tempel erinnert und ein Oberlicht aus ineinander verschachtelten Davidsternen trägt, beherbergt unter anderem Museum, Versammlungsräume, Gastronomie, Schule und Kindergarten. Es soll nach dem Willen der Gemeinde kein Mahnmal für die Vergangenheit, sondern Stätte des Austauschs für Juden und Andersgläubige sein. Zum Schuljahresbeginn im September startete das erste jüdische Gymnasium in München seit der Nazi-Zeit. Es steht auch nichtjüdischen Kindern offen.

Die rechtsextreme „Kameradschaft Süd“ hatte für die Grundsteinlegung der Synagoge einen Bombenanschlag geplant

Noch vor der Grundsteinlegung 2003 hatten Attentatspläne der Öffentlichkeit drastisch ins Bewusstsein gebracht, dass immer noch militante Neonazis in Deutschland aktiv sind. Die rechtsextreme „Kameradschaft Süd“ hatte für den Festakt mit dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau - ebenfalls am 9. November - einen Bombenanschlag geplant.

Die Polizei stellte 14 Kilogramm Sprengstoff sicher

Die Polizei bekam rechtzeitig Wind davon, nahm die Rechtsextremisten fest und stellte 14 Kilogramm Sprengstoff sicher. Der Rädelsführer Martin Wiese wurde wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu sieben Jahren Haft verurteilt; mehrere Komplizen landeten ebenfalls hinter Gittern. Antisemitismus und Rechtsextremismus sind bis heute nicht gebannt, die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) waren blutiger Höhepunkt.

„Es ist schon bedrückend, in welchem Ausmaß antijüdische Ressentiments nach wie vor in unserer Gesellschaft verbreitet sind“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zum Jubiläum der Münchner „tz“. Das Jüdische Zentrum in der früheren „Hauptstadt der Bewegung“ gilt wesentlich als ihr Erfolg. Knobloch, die den Holocaust überlebte und in München aufwuchs, ist seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und hat leidenschaftlich für die Realisierung gekämpft.

„Die Rückkehr in die Mitte der Stadt symbolisiert auch eine Ankunft in der Mitte der Gesellschaft“

„Die Rückkehr in die Mitte der Stadt symbolisiert auch eine Ankunft in der Mitte der Gesellschaft“, sagte Knobloch vor zehn Jahren zur Eröffnung. Der damalige Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der den Bau in seiner Amtszeit vorangetrieben hatte, sagte: „Für unsere als ehemalige „Hauptstadt der Bewegung“ schwer belastete Stadt ist dies ein Ereignis von stadt- und zeitgeschichtlicher Bedeutung.“

Die frühere Münchner Hauptsynagoge unweit des neuen Zentrums war Monate vor der Pogromnacht auf Befehl Hitlers abgerissen worden. Jahrzehntelang fristete die Israelitische Gemeinde nach dem Krieg ein „Hinterhofdasein“ in einem Gemeindezentrum im Gärtnerplatzviertel.

dpa

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