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Hubertus von Medinger und Silke von der Heyde.

Abriss-Pläne

Elisabethmarkt: Warum sich jetzt Protest regt

München - Der Abriss der alten Standl am Elisabethmarkt würde relativ protestlos verlaufen – dachte man. Bis jetzt. Eine Schwabinger Initiative hat 12 000 Unterschriften gesammelt, um die historischen Standl zu retten. Marktleute schließen sich an.

Mittagszeit ist Leberkassemmel-Zeit. So ist das in der Metzgerei von Franz Sageder. Dann drängeln sich die Schüler der benachbarten Schulen in dem Traditionsgeschäft auf dem Elisabethmarkt. Doch kurz müssen die hungrigen Kunden jetzt warten. Denn Franz Sageder macht sich draußen vor dem Standl Sorgen. Wegen des geplanten Abrisses der alten Häuser. „Ich will das nicht“, sagt er ernst. „Der Charme würde verloren gehen.“ Dann geht Sageder zurück in seinen Laden.

Eine Metzgerei betreibt Franz Sageder auf dem Elisabethmarkt. Schon sein Vater verkaufte hier Fleisch und Wurst

Draußen, zwischen den Standln, stehen Hubertus von Medinger und Silke von der Heyde. Schwabinger Bürgertum, beste Manieren. Aber wenn es um ihren Elisabethmarkt geht, werden die beiden sehr, sehr sauer. Sie sind Teil der Bürgerinitiative, die sich gegen den geplanten Abriss und die Neugestaltung des Marktes wehrt. Hubertus von Medinger, Jahrgang 1949, wohnt seit seiner Geburt um die Ecke, war schon als Kind an der Hand seiner Mutter auf dem Markt. Silke von der Heyde hat in der Nachbarschaft eine psychotherapeutische Praxis. Das Besondere sei die Durchmischung, schwärmt sie, dass so viele verschiedene Menschen auf den Platz kommen.

All das würde bei der Stadt niemand bestreiten. Ein Abriss der Häuserl und eine Neugestaltung des Platzes gilt dort aber als unausweichlich. Das Konzept – neue Pavillons mit jeweils mehreren Pächtern – sei mit den Händlern abgestimmt worden, betont das zuständige Kommunalreferat. Zwar würden unter anderem vier Marktstände durch eine neue Feuerwehr-Durchfahrt wegfallen – die Flächen könnten aber ausgeglichen werden, weil unterirdisch neuer Lagerraum entsteht. Ein Viertel der Marktfläche ginge zwar verloren, anders sei die beschlossene Bebauung des benachbarten alten Stadtwerke-Areals aber nicht durchführbar.

Ein Café leitet Benjamin Felker. Das „Brotzeiten“ ist in einem Häuschen untergebracht, das 1903 gebaut wurde

Stets hieß es, Marktleute und Nachbarn seien in der großen Mehrheit überzeugt davon, dass der Markt neu gestaltet werden muss. Aber ist das so? Es gibt zumindest Händler wie Franz Sageder, die überhaupt kein Problem damit haben, als Abriss-Gegner in der Zeitung zu stehen. Und es gibt die Initiative, die, seit der Markt am Wiener Platz in Haidhausen gerettet ist, Morgenluft schnuppert – mit erstaunlichem Erfolg. 8000 Unterschriften wurden in Haidhausen gesammelt – mit Unterstützung aus dem Bezirksausschuss und viel Aufmerksamkeit. Die Schwabinger arbeiten bisher fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und doch stapeln sich in der Altbauwohnung von Medinger schon die Ordner mit Unterschriftenlisten. 12 000 sind es nach seinen Angaben schon, dazu kommen kurz nach Start einer Online-Petition bereits 800 weitere Unterstützer. „Mit Totschlagargumenten wird die Öffentlichkeit irregeführt“, schimpft er. Die Hygiene, der Brandschutz – diese Argumente seien doch am Wiener Platz letztlich von Experten widerlegt worden. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger aus dem Münchner Osten sagt: „Die EU-Verordnung lässt Spielraum. Den muss man eben ausschöpfen.“ Von Medinger erklärt, viele Händler seien gegen den Abriss. „Sie hatten nur nicht die Möglichkeit, eine solche Variante zu fordern. Eine behutsame Sanierung, die möglich wäre, stand gar nicht zur Debatte.“

Eine solche würde sich auch Benjamin Felker wünschen. Der junge Mann, breites Grinsen, Kapuzenpullover, betreibt das Café „Brotzeiten“ am Markt in einem Häuschen, Baujahr 1903. Die Stadt sagt, sie könne allen Händlern auch nach dem Umbau eine Zukunft bieten. Aber nicht alle glauben, dass sie sich die Umbauzeit leisten können. Felker graut es vor der Zeit, in der ein provisorischer Markt zwischen Berufsschule und Elisabethpark entstehen soll. „Ich brauche eine Spülmaschine, einen Herd“, sagt er. „Das würde doch in einer kleinen Hütte alles nicht gehen.“ Dass die alten Stammkunden nach Jahren der Bauzeit zurückkommen, glaubt er nicht. Felker gehört zu denen, die jetzt selbst Unterschriften sammeln. Und der Protest könnte noch Erfolg haben. Die Neugestaltung gilt zwar im Rathaus als alternativlos. Doch der Stadtrat muss sich noch grundsätzlich dafür entscheiden – oder doch dagegen.

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