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Harald Zirngibl muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Anklage gegen Harald Zirngibl fertig

Er wollte den FCB erpressen: Besenstielräuber vor Gericht

München - Voraussichtlich im Winter beginnt vor dem Münchner Landgericht der Prozess gegen den als Besenstielräuber bekannten Harald Zirngibl. Es geht um einen Erpressungsversuch beim FC Bayern.

Die Anklage wegen versuchter räuberischer Erpressung ist fertig! Voraussichtlich im Winter beginnt vor dem Münchner Landgericht ein Prozess gegen einen Mann, der bereits in den 90er-Jahren Münchner Kriminalgeschichte schrieb: Harald Zirngibl (63) – verurteilter Serienbankräuber, Buchautor, Keramikkünstler für erotische Objekte und derzeit mal wieder U-Häftling. Im Frühjahr versuchte der Mann mit der sagenhaften Selbstüberschätzung, den FC Bayern um drei Millionen Euro zu erpressen. Auf räuberische Erpressung stehen bis zu 15 Jahre Haft. Mit seiner schillernden Lebensgeschichte muss Harald Z. vermutlich mit einer Strafe am oberen Ende der Skala rechnen. Sollte sich der 63-Jährige, der von dem Münchner Strafverteidiger Peter Pospisil vertreten wird, zu einem umfangreichen Geständnis entschließen, könnte der Prozess laut Florian Weinzierl von der Staatsanwaltschaft München I auch eher beginnen.

Die Angst vor der Armut im Alter brachte den wenig erfolgreichen Geschäftsmann, der zuletzt ein türkisches Exportgeschäft mit Würstchen in den Sand setzte, angeblich auf die Idee, den FCB zu erpressen. Mit den drei Millionen Euro wollte er sich in Spanien zur Ruhe setzen. Spanien war auch in den Jahren 1991 bis 1998 stets sein Fluchtpunkt gewesen, wenn er nach seinen Raubzügen in Münchner Banken (siehe unten) verschwinden musste.

Nach seiner Haftentlassung im Jahr 2011 kam Zirngibl nicht mehr so recht auf die Füße. Am Ende wurde ihm sogar noch die Arbeitslosenhilfe gestrichen. Da fiel der einstige Lebemann, der Millionen durchgebracht hatte, zurück in alte Muster. Am Faschingsdienstag ging beim FCB ein Erpresserschreiben mit reichlich diffusen Terrordrohungen ein. „Die Gefahr lauert immer und überall“, war dort zu lesen. Und dass vielleicht demnächst auch mal eine „ferngesteuerte Drohne“ an der Allianz Arena kreisen könnte. Dem handgeschriebenen (!) Brief lag eine Prepaid-Karte fürs Handy bei, mit der der Unbekannte seinen Anruf ankündigte. Auch Prepaid-Karten lassen sich aber orten. Es war nur der erste einer ganzen Reihe kapitaler Fehler, die zuweilen einer gewissen Komik nicht entbehrten. So forderte Zirngibl das Lösegeld in Schweizer Franken, Diamanten und 500-Euro-Scheinen. Tage später kündigte die Bundesbank an, dass 500-Euro-Scheine eingestampft werden. Da verlangte der Erpresser 200-Euro-Scheine.

Im niederbayerischen Mainburg wurde Harald Zirngibl am 22. Februar festgenommen. Die 150 Mann starke Ermittlungsgruppe „Südstern“ hatte ihn bereits vor der Festnahme ganz oben auf der Kandidaten-Liste der möglichen Verdächtigen gehabt.

Besenstielräuber: Ein Gangster mit Geschichte

Bei seinen Überfällen sagte er gern „Danke“ und „Bitte“. Schwangeren und Senioren bot er einen Stuhl an. Das alles jedoch sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass Harald Zirngibl in den Jahren von 1901 bis 1998 bei 16 vollendeten Banküberfällen in München und Umgebung 73 Geiseln nahm. Einige von ihnen leiden noch heute unter diesem Trauma. Dafür entschuldigte sich Zirngibl später bei den Geiseln. Er erbeutete 4,7 Millionen Euro, die er in Spanien bei windigen Geschäftchen und seinem luxuriösen Lebensstil verprasste. Über seine Überfälle hat er ein Buch geschrieben. Darin kam die Polizei nicht besonders gut weg. Später bereute er seine Überheblichkeit. „Heute denke ich mir oft: Mein Gott, bist Du blöd gewesen,“ sagte er damals.

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