+
Die beiden Flüchtlinge Reza (l.) und Erfan spielen Gitarre in ihrer neuen Wohnung.

Männer-Bude

Die Flüchtlings-WG im Münchner Bahnhofsviertel

München - Das Münchner Bahnhofsviertel könnte multikultureller nicht sein. Hier treffen Menschen aus aller Welt aufeinander. Vor drei Wochen gründete sich dort auch eine neue Flüchtlings-WG, die acht jungen Männern ein neues Zuhause gibt.

Das Viertel um den Münchner Hauptbahnhof ist ein Tor in eine andere Welt. Da hört man, wie sich eine Gruppe Jugendlicher auf türkisch unterhält, ein Stück weiter trällert ein asiatisches Pärchen ein Lied und auf der anderen Straßenseite debattieren zwei Männer auf Bairisch. Hier ist Multikulti Realität. Seit drei Wochen befindet sich mitten im Bahnhofsviertel eine neue Wohngemeinschaft (WG), die die Gegend noch ein bisschen vielfältiger machen wird. Acht junge männliche Flüchtlinge sollen in der Wohnung in der Landwehrstraße ein neues Zuhause finden.

Erfan Qaderi und Reza Nazair (beide 18) wohnen seit zwei Wochen in der geräumigen Wohnung. Vier Doppelschlafzimmer gibt es, außerdem ein großes Wohn- und Esszimmer, Küche und Bad wird geteilt. Den beiden Flüchtlingen aus Afghanistan gefällt es hier gut, viel besser als in der Jugendeinrichtung, in der sie vorher waren. „Hier ist alles neu und die zentrale Lage ist auch toll“, sagt Reza. Tatsächlich kann sich die WG sehen lassen. Die 135 Quadratmeter große Wohnung liegt im dritten Stock. Im Eingangsflur steht ein großes Schuhregal. Da liegen Flip-Flops, Sportschuhe und auch ein paar dreckige Socken. Es ist halt doch noch eine Männerbude. 

So läuft das WG-Casting ab

Im Wohnzimmer scheint die Sonne durch die großen Fenster. An der Wand hängt eine bunte Weltkarte und daneben: ein Putzplan. „Die jungen Männer müssen sich hier um alles selbst kümmern“, sagt Johannes Seiser, Vorstand des Vereins für Sozialarbeit (VFS). Gemeinsam mit der Theatergemeinde München, die die Räume zur Verfügung stellt, hat der VFS das Projekt ins Leben gerufen. Die Miete sowie die Lebenserhaltungskosten der Bewohner trägt das Stadtjugendamt. Um alles Organisatorische kümmert sich der VFS. So auch, wer hier wohnen darf. „Wir kriegen Empfehlungen vom Jugendamt“, sagt Seiser „Wer uns zusagt, wird dann zum Auswahlgespräch eingeladen und darf die Wohnung besichtigen.“ Drei Flüchtlinge haben sich bereits in der WG eingerichtet, bis Mitte Oktober sollen dann alle acht Plätze besetzt sein.

Darauf freuen sich Erfan und Reza. Die zwei kennen sich schon länger, sie haben in ihrer vorherigen Unterkunft schon zusammen gewohnt. Die zwei Afghanen spielen gerne zusammen Gitarre, gehen schwimmen und natürlich sind die zwei Jungs auch fußballverrückt. Erfan ist Fan des FC Bayern, sein Lieblingsspieler kickt allerdings beim FC Barcelona: Lionel Messi.

Diese Ziele haben die beiden Flüchtlinge, Reza und Erfan

Noch nicht mal ein Jahr wohnen die zwei in München und sprechen dafür schon beachtlich gut Deutsch. Sie kamen nicht gemeinsam nach Deutschland, ihre Reisen waren aber ähnlich beschwerlich. Erfan musste sechs Monate in Griechenland bleiben. „Ich hatte überhaupt kein Geld mehr und musste arbeiten“, sagt er. Die Erinnerung an die Heimat Afghanistan bleibt natürlich. Reza telefoniert regelmäßig mit seiner Familie, die mittlerweile im Iran lebt. Erfan hingegen hat seit 1,5 Jahren keinen Kontakt mehr zu den Eltern und seiner Schwester.

Seit September besuchen die beiden die Berufsschule, denn sie haben große Ziele für ihre Zukunft: Reza möchte Elektromechanik studieren, Erfan BWL. Damit alles glatt läuft, steht ihnen fast jeden Tag ein Betreuer zur Seite. Der hat ein kleines Büro in der WG und hilft bei Behördengängen, der Freizeitplanung, aber auch anderen Sorgen, die junge Männer eben haben. Mädchen, zum Beispiel. Die können Sie auf jeden Fall mal in ihre neue WG einladen. Oder gibt es vielleicht sogar bald die erste Party? „Das könnte ich mir schon vorstellen“, sagt Reza und lacht.

Sabrina Höbel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Pornos im Apotheken-Schaufenster: Das sagt die Besitzerin

München - War das Absicht? Polizeibeamte entdeckten am Mittwochabend, dass im Schaufenster einer Apotheke am Sendlinger Tor auf mehreren Monitoren Pornos liefen. Wie …
Pornos im Apotheken-Schaufenster: Das sagt die Besitzerin

Ruffinihaus wird saniert - Tod der Traditionsläden?

München - Das Ruffinihaus muss schon bald saniert werden. Das könnte für die kleinen Traditionsläden schwerwiegende Folgen haben.
Ruffinihaus wird saniert - Tod der Traditionsläden?

Monopteros hüllenlos: Wir streamen live

München - Nachdem der Monopteros saniert worden ist, sind seit Donnerstag alle Gerüste entfertn worden. Wie sieht das Münchner Wahrzeichen aus? Das erfahren Sie hier.
Monopteros hüllenlos: Wir streamen live

Trambahn entgleist am Lenbachplatz - Feuerwehrler müssen schieben

München - Am Mittwochabend ist in der Innenstadt eine Trambahn entgleist. Bis spät in die Nacht war die Feuerwehr im Einsatz, um die Tram wieder in die richtige Spur zu …
Trambahn entgleist am Lenbachplatz - Feuerwehrler müssen schieben

Kommentare