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6000 Scheiben lassen von oben Licht in die Gleishalle. Die Bahn traut ihrer Festigkeit nicht mehr. 

Bahn lässt Schutznetze spannen

Hauptbahnhof: Wie einsturzgefährdet ist das Dach der Gleishalle?

München - Über den Köpfen zigtausender Menschen, die täglich im Münchner Hauptbahnhof aus Zügen steigen, schwebt die Gefahr: Vom Dach der Gleishalle drohen Glasscheiben herabzustürzen. Die Bahn schätzt die Situation als so kritisch ein, dass nun Schutznetze gespannt werden.

Dass es um die Dachverglasung der denkmalgeschützten Halle nicht zum Besten steht, wurde spätestens vor einem Jahr offenbar: Als am 31. März 2015 Orkan Niklas über München fegte, klirrte es plötzlich an den Gleisen 25 und 26: Eine Glasscheibe, von den Sturmböen losgerüttelt, war wie ein Geschoss herabgestürzt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Doch wie brenzlig die Situation war, zeigte die Reaktion: Die Gleishalle wurde unverzüglich geräumt, was den Zugverkehr stillstehen ließ. „Wollen Sie erschlagen werden?“ fragte ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes einen Passanten, der die Halle nicht gleich verlassen wollte.

In der Tat: Wenn die zwei Quadratmeter großen Scheiben ganz oder in Teilen aus gut 20 Metern Höhe herabstürzen, besteht Lebensgefahr. Zerbirst die Scheibe auf einem belebten Bahnsteig, könnten die Splitter zahlreiche Menschen verletzen.

Die Zahl der Scheiben ist immens: Auf dem 200 Meter langen und 140 Meter breiten Dach, das 16 Gleise überspannt, gibt es neun Oberlicht-Reihen mit insgesamt 6000 Glasscheiben. Als „quer zu den Gleisen liegende, im Querschnitt trapezförmige Kastenträger und seitlich angelehnte Oberlichter“ wird die Konstruktion in der Denkmalliste beschrieben.

Das 30 000 Quadratmeter große Dach, 1958 bis ’60 unter der Leitung von Franz Hart nach einem Entwurf der Firmen Krupp (Rheinhausen) und Maurer & Söhne (München) gebaut, macht der Bahn schon seit längerem Sorgen. Die filigrane Konstruktion – sie ist nur auf dem Bahnsteig 18/19 abgestützt und überspannt das Dach zweimal 70 Meter – genügt heutigen Anforderungen an die statische Belastbarkeit nicht mehr. Im Winter mussten die Bahn-Mitarbeiter schon zum Schneeschaufeln anrücken, um das Dach zu entlasten. Mit Stahlseilen, die in der Konstruktion verspannt werden, wird das Dach bei der laufenden Sanierung verstärkt. Auch die Fenster sollen ausgewechselt werden. Anstelle der einst verwendeten Drahtglas-Scheiben will die Bahn moderne Verbundglasfenster einsetzen lassen. Die lassen nicht nur mehr Licht durch, sondern sie sind um ein Vielfaches stabiler und halten selbst stärksten Orkanböen und Hagel stand.

Das Problem: Dieser Teil der Sanierung soll nach den Plänen der Bahn erst im nächsten Jahr beginnen und sich bis 2020 hinziehen. Und so lang will das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), das über die Sicherheit der Bahn-Anlagen zu wachen hat, nicht warten. Man habe „die DB Station & Service AG aufgefordert, mit geeigneten Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Standsicherheit der Dachverglasung und damit die Verkehrs- und Betriebssicherheit der Gleishaupthalle München Hbf gewährleistet ist“, teilte die Bahn-Behörde mit. Hintergrund sei der Vorfall während des Orkans Niklas.

Dass die Reaktion nun erst 13 Monate später kommt, erklärt Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste so: „Die Mühlen des EBA mahlen langsam.“

Doch sie mahlen nach der Bahn-Maxime „Sicherheit geht vor“. Deswegen werden nun bis zum Abschluss der Sanierung Netze unter dem Hallendach Schlimmeres verhüten.

Wie kritisch der Zustand der Glasscheiben eingestuft wird, war gestern vom EBA nicht zu erfahren. Ob die Netze nun eine reine Vorbeugungsmaßnahme sind oder ob sie der Abwehr einer akuten Gefahr dienen, bleibt damit offen. Die Bahn will am Mittwoch Einzelheiten bekanntgeben. Das Technische Hilfswerk, das während des Sturmschadens in der Gleishalle im Einsatz war, hält sich bedeckt. Man wolle über den Zustand der Scheiben nichts sagen, „weil wir keine Gutachter sind“, verlautete aus der Geschäftsstelle.

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