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Das neue Denkmal am Marstallplatz wird von vielen für historisch bedenklich gehalten.

Umstrittene Würdigung

Kritik an Denkmal für die Trümmerfrauen

München - Ein Verein hat mit Unterstützung der CSU ein Denkmal für die Aufbaugeneration und die Trümmerfrauen von München aufgestellt. Stadtarchiv und Stadtratsmehrheit reagieren kritisch.

München hat ein neues Denkmal. Der schlichte Felsbrocken am Marstallplatz soll die Leistung der Aufbaugeneration und der Trümmerfrauen würdigen. Aufgestellt hat ihn der Verein „Dank und Gedenken der Aufbaugeneration, insbesondere der Trümmerfrauen e.V.“ – auf einem Gelände des Freistaates Bayern, nachdem sich die Stadt München jahrelang gegen ein entsprechendes Denkmal gewehrt hatte. Denn die Mehrheit im Stadtrat und das Stadtarchiv München sind der Meinung: Es gab hier kaum Trümmerfrauen.

Die Leistung der Trümmerfrauen, die Deutschland nach Kriegsende 1945 unter härtesten Bedingungen wiederaufbauten, ist in anderen deutschen Städten wie Berlin vielfach gewürdigt. In München müsse genauer differenziert werden, sagt Andreas Heusler. Historiker beim Stadtarchiv. „Die Trümmer wurden hier hauptsächlich von Nationalsozialisten, die so ihre Schuld sühnen sollten, beseitigt – und nur zu einem verschwindend geringen Anteil von den sogenannten ,Trümmerfrauen‘“, betont Heusler. Nationalsozialisten und ehemalige Funktionäre der NSDAP hätten sich durch die Aufräumarbeiten ihre tägliche Essensration verdienen müssen. Unter den insgesamt rund 1500 beteiligten Personen seien nur etwa 200 Frauen gewesen, erklärt der Historiker. Und unter diesen seien wiederum viele ehemalige NSDAP-Funktionärinnen gewesen.

Dieser zu gedenken sei in keiner Weise Absicht des Denkmals, sagt Reinhold Babor, CSU-Stadtrat und Gründer des Vereins zum Dank der Aufbaugeneration. „Wir wollen die Nationalsozialisten bei diesem Denkmal ganz deutlich ausschließen!“ Ziel sei es nur, der Generation, die München „zu dem gemacht hat, was es heute ist“, in aller Form zu danken.

Das Stadtarchiv sieht die Thematik trotzdem kritisch. Es sei höchst fraglich, ob die historischen Sachverhalte mit einem solchen Denkmal differenziert genug dargestellt werden könnten. Hier würde eine Generation geehrt, die durch ihr Verhalten vor 1945 in vielen Fällen mitverantwortlich für die Geschehnisse im Dritten Reich gewesen sei. „Dieser Gedenkstein ist ein fatales Signal“, sagt Heusler.

Die gleichen Zweifel hegt auch die Mehrheit in Stadt- und Ältestenrat, die bereits vier Mal gegen einen Antrag auf ein Denkmal gestimmt hat. Der Ältestenrat äußerte sich zuletzt 2007 zum Thema und befand, dass es den Begriff der Trümmerfrauen in München nie gegeben habe.

Auch heute noch sieht die Mehrheit im Stadtrat das Thema skeptisch. Die Haltung der SPD habe sich nicht geändert, betont der Fraktionsvorsitzende Alexander Reissl. „Wir finden ein Denkmal nach wie vor problematisch.“

Grünen-Fraktionschef Florian Roth sieht den Gedenkstein sogar als eine Art der „Geschichtsklitterung“, da er die kritische Betrachtung der historischen Umstände vernachlässige. „Die CSU mit Stadtrat Babor gräbt hier teilweise sehr am rechten Rand“, sagt Roth.

Einzig die CSU äußert sich positiv zum neuen Denkmal. Fraktionschef und Oberbürgermeisterkandidat Josef Schmid sieht die Argumente gegen ein Denkmal als nicht schwerwiegend genug an: „Natürlich wollen wir keine Nationalsozialisten ehren“, so Schmid. „Doch es gibt keine Kollektivschuld des deutschen Volkes, und die Aufbauarbeit der Zivilbevölkerung muss gewürdigt werden.“

Von Tami Holderried

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