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Mustafa freut sich über die Unterstützung von Rocco Swantusch (v.l.) und Luise Aedtner sowie Sebastian Sonntag (rechts).

Fotografen engagieren sich

Das Model aus dem Flüchtlingsheim

Irgendwann als Model vor der Kamera zu stehen – davon hätte Mustafa nicht zu träumen gewagt. Nun steht der Flüchtling im Fokus der Fotografen. Luise Aedtner und Sebastian Sonntag haben Mustafa ein Fotoshooting ermöglicht.

Mustafa und Alisa posieren vor der Kamera.

Ein Fotostudio in der Innenstadt, Scheinwerfer sind auf eine Leinwand gerichtet. Davor posiert ein junger Mann. Cooler Blick, Turnschuhe, Jeans, die Hände lässig in den Hosentaschen. Das Model vor der Kamera ist Mustafa, 19 Jahre alt und Flüchtling. Der junge Mann kam im vergangenen Sommer aus dem Senegal nach München. Jetzt hofft er, im Modegeschäft Fuß zu fassen – obwohl er das ursprünglich gar nicht vorhatte. 

Doch dann geriet er an die Fotografen Luise Aedtner und Sebastian Sonntag. Sie machen die Aufnahmen kostenlos, sie wollen Mustafa auf seinem Weg zum Modelberuf unterstützen. 

Mustafa muss erst ein wenig warm werden mit der Situation, mit der Kamera. Er schlägt sich gut. „Es macht Spaß, alle sind sehr nett“, sagt er. Professionell zu modeln könne er sich mittlerweile vorstellen. Zwischendurch sieht er sich mit dem Fotografen die Bilder auf dem Laptop an. Der großgewachsene, schlanke junge Mann wirkt wie in einer echten Modekampagne. Mustafa huscht ein Lächeln übers Gesicht – schüchtern, aber auch ein wenig stolz. 

Model-Setkarte als erster Schritt ins Business

Begleitet wird der 19-Jährige von Rocco Swantusch, der als ehrenamtlicher Helfer in der Flüchtlingsunterkunft in Giesing tätig ist, wo Mustafa lebt. Seitdem der Senegalese eine Arbeitserlaubnis hat, darf er auf Jobsuche gehen und Geld verdienen. Das Angebot von Aedtner, Bewerbungsfotos zu machen, kam da wie gerufen. Seit eineinhalb Jahren hilft sie Flüchtlingen so beim Einstieg ins Berufsleben. 

Eigentlich würde Mustafa gerne auf Messen arbeiten, als männliche Hostess. Passbilder reichten da für Bewerbungen nicht aus, sagt Aedtner, da gehe es um das gesamte Erscheinungsbild. So kam die Idee zustande, eine Model-Sedcard zu erstellen. Damit kann sich Mustafa nun sowohl bei Veranstaltungs- wie auch bei Modelagenturen bewerben.

Fotograf Sonntag ist zufrieden mit dem Model-Neuling: „Er hat keine Kamerascheu, das ist wichtig. Und er kann gut umsetzen, was man ihm sagt.“ Er schießt ein Foto nach dem anderen, gibt Mustafa Anweisungen. Mal soll er frontal in die Kamera schauen, mal sich etwas seitlich drehen. „Jetzt jung und cool, die Hände in die Taschen“, fordert der Fotograf das Model auf. 

Unterstützt werden die Fotografen vom Fotostudio Kunath sowie von den Modelabels Drykorn und Distorted People, die dem Flüchtling Kleidung für das Shooting zur Verfügung gestellt haben.

Tipps vom Profi-Model

Mustafa wechselt mehrmals die Klamotten. Der dunkelblaue Anzug sitzt perfekt. Inzwischen hat er weibliche Verstärkung bekommen: Das Model Alisa Frese steht mit vor der Kamera. Die 21-Jährige findet die Aktion gut und macht ebenfalls unentgeltlich mit. „Das ist ja für einen guten Zweck. Und ich habe noch Semesterferien und Zeit.“ Sie wählt ein schlichtes, cooles Outfit aus: schwarzer Rock, weißes Shirt, Stiefeletten. Und schon geht es los. Sie posiert gekonnt, lächelt, hebt den Kopf, dreht sich. 

Alisa weiß, wie das Modeln geht – und Mustafa kann sich von ihr einiges abschauen. Der 19-Jährige legt ihr ziemlich scheu seinen Arm auf die Schulter. Mit der blonden Alisa an seiner Seite bildet er ein cooles Multikulti-Model-Duo. Und mit der Zeit fällt ihm das Posieren immer leichter. 

„Am Anfang ist das Modeln nicht einfach. Man weiß noch nicht, wie man bei den Posen auf Fotos rüberkommt“, sagt Alisa. Sie verdient seit drei Jahren als Model Geld, hauptsächlich aber studiert sie Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität. „Als Hauptberuf würde ich das Modeln niemandem empfehlen“, sagt sie. Dafür sei das Geschäft zu unstet. „Mal ist man total gefragt, dann wieder gar nicht.“

Ihr Tipp für Mustafa? Sprachkenntnisse seien enorm wichtig, sagt sie. Damit man sich beim Kundengespräch verständigen könne: „Da zählt der erste Eindruck viel.“ Mustafa versteht sehr gut Deutsch, spricht es auch schon. Ansonsten behilft er sich mit Englisch oder Französisch. Der 19-Jährige hat sich in München gut eingelebt und würde gerne hierbleiben. Regelmäßig macht er Sport und liest Modemagazine, um sich inspirieren zu lassen. Vielleicht hat er ja Glück – und wird schon bald für eine Werbekampagne gebucht.

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