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Mitten in München: Unweit des Stachus, an der Herzog-Wilhelm-Straße, könnte das Islam-Zentrum entstehen.

Neue Pläne für Islam-Zentrum

München - Die Pläne für das Islam-Zentrum „Ziem“ werden konkret. Als wahrscheinlichster Standort gilt nach Merkur-Informationen die Herzog-Wilhelm- Straße – nahe dem Stachus. Bei der Finanzierung sehe es gut aus, betont die Stadtspitze.

Die vergangenen Monate waren keine leichten für die rotgrüne Stadtregierung. Über Jahre hatte sie den Bau einer Moschee und eines Gemeindezentrums am Gotzinger Platz gegen heftigen Widerstand unterstützt, zuletzt aber scheiterte das Vorhaben. Aus einem gänzlich profanen Grund: Dem Moscheeverein Ditim fehlte das Geld.

Trotzdem: Der Plan, dem Islam in München einen Platz zu sichern, besteht weiter. Und er wird langsam konkret. Es geht um das Projekt „Zentrum für Islam in Europa – München“, kurz „Ziem“ genannt. Es handelt sich dabei um ein Vorhaben des Penzberger Imams Benjamin Idriz. Der 38-Jährige gilt als Vertreter eines gemäßigten europäischen Islams. Auch konservative Politiker gehen bei ihm ein und aus.

Dies war wohl auch der Grund, warum sich der Münchner Stadtrat mit breiter Mehrheit von SPD, CSU, Grünen, FDP und kleiner Parteien hinter Idriz’ Vorhaben gestellt hatte, in München ein Islam- Zentrum einzurichten, bestehend aus einer Moschee, einem Gemeindezentrum, einer Bibliothek, einem Museum, aber auch einer Akademie zur Ausbildung von Imamen und Religionslehrern.

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Die Stadt hatte sich bereit erklärt, Idriz bei der Suche nach einem Grundstück zu unterstützen. Im Gegenzug soll der eine gesicherte Finanzierung vorlegen. Man hat aus den Fehlern gelernt. „Einen zweiten Gotzinger Platz brauche ich nicht“, betont Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), der sich auf Seiten der Stadt federführend um das Vorhaben kümmert. Zwar „bewegt sich was“ bei der Finanzierungsfrage, und es könne in diesem Punkt zeitnah einen Durchbruch geben. „Über ein Grundstück kann man aber noch nicht reden“, sagt Monatzeder.

Nach Merkur-Informationen ist die Suche nach einem passenden Areal jedoch weit fortgeschritten. Die Stadt hat etwa fünf Standorte in die engere Wahl gefasst. Unter diesen gibt es innerhalb der Verwaltung angeblich einen Favoriten: das Karree zwischen der Herzog-Wilhelm-Straße sowie der Herzogspital- und der Josephspitalstraße, zwei Fußminuten vom Stachus entfernt. In einem Flachbau ist dort heute die Pizzeria „Bella Italia“ untergebracht, am südlichen Eck des Areals befindet sich eine Agip-Tankstelle. Dazwischen liegt eine weitflächige Abfahrt in die Stachus-Tiefgarage.

Nach Auskunft des Kommunalreferats ist die Stadt Eigentümer des Grundstücks und hat schon länger vor, die Abfahrt in die Tiefgarage zu überbauen – nun womöglich mit dem „Ziem“. Bestätigen will Monatzeder dies nicht. Welches Areal in Frage komme, hänge ja auch davon ab, wieviel Geld Idriz aufbringen könne, erklärt er.

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Idriz selbst äußerte sich diplomatisch: „Wichtig ist für uns, dass die Stadt München großes Interesse an unserem Projekt hat. Wir werden jede Grundstücks-Entscheidung begrüßen.“ Was die Finanzierung angeht, gab er sich optimistisch: „Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Unterstützern. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht.“

Keine Frage: Der mutmaßliche Favorit in der zentralen Lage wäre wohl eine teure Lösung. Doch nicht nur deshalb ist man bei der Stadt vorsichtig. Seit Jahren signalisiert die Evangelische Kirche , dass sie gerne einen Standort innerhalb des Altstadtrings beziehen würde.

Allerdings liegt die Matthäus- Kirche am Sendlinger-Tor-Platz nur ein paar Meter außerhalb des Rings. Für die Stadt böte dies die Chance, ein Zeichen für das Miteinander der Religionen zu setzen. Mit der katholischen Frauenkirche, der jüdischen Synagoge am Jakobsplatz und der Moschee nahe dem Stachus entstünde quasi ein multireligiöses Viereck in der Altstadt.

Jedoch ist neben der Finanzierung noch ein anderes Problem zu lösen. Zwar sind die Konzeptpapiere für „Ziem“ wohl kaum zu beanstanden: Idriz und seine Mitstreiter plädieren darin für einen Islam, der mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie wollen Imame in deutscher Sprache ausbilden, damit Moscheen nicht länger auf Geistliche aus der Türkei oder Arabien angewiesen sind. Doch das bayerische Innenministerium ist skeptisch – denn der Verfassungsschutz wirft Idriz dubiose Kontakte vor.

Unter anderem wird er beschuldigt, mehrfach mit Personen telefoniert zu haben, die dem islamisch-extremistischen Spektrum zugeordnet werden. Idriz bestreitet die Gespräche nicht – betont aber, er sei dabei nicht beeinflusst worden. Auch Stadtpolitiker wie Christian Ude (SPD) und CSU-Fraktionschef Josef Schmid widersprechen der Bewertung des Verfassungsschutzes – und unterstützen „Ziem“ weiter.

Am 3. März erscheint der neue Verfassungsschutzbericht. Es dürfte für das Projekt von größter Bedeutung sein, ob Idriz und seine Gemeinde erneut darin aufgeführt werden. Denn, so Monatzeder: „Das Projekt ist nur durchzusetzen, wenn es eine große politische Zustimmung gibt. Auch die des Landtags.“

Matthias Kristbauer/Johannes Patzig

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