Freie Wähler fordern Investition

S-Bahn: Ringkonzept für München vorgestellt

München - Der öffentliche Nahverkehr in München platzt aus allen Nähten. An der zweiten Stammstrecke wird bereits gebaut, nun wurde ein Ringkonzept vorgestellt.

Noch im Oktober will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verkünden, ob die 2. S-Bahnstammstrecke gebaut wird oder nicht. Doch schon jetzt warnt Michael Piazolo, Landtagsabgeordneter von den Freien Wählern: „Ob mit oder ohne zweiten Tunnel: Dem Nahverkehr in München droht der Verkehrskollaps.“ Er fordert daher einen S-Bahnring, der das Zentrum entlastet – mit Kapazität für einen Airport-Express.

Die Zeitersparnis im Überblick. Klicken Sie auf das Bild um die ganze Tabelle zu sehen.

Falls der neue Tunnel tatsächlich gebaut wird, sei in der Münchner Innenstadt von 400 000 zusätzlichen Umsteigern auszugehen. Gleichzeitig rechnet Piazolo vor, dass im Jahr 2030 bis zu 1,88 Millionen Menschen in München leben könnten. „Vor allem auf der S1 und der S8 wird mit Zuwächsen von 50 Prozent zu rechnen sein.“Um München vor dem Verkehrsinfarkt zu bewahren, schlägt Piazolo eine Ring-S-Bahn vor. Dazu hat er von Wirtschaftsingenieur Simon Herzog von der TU eine Studie erstellen lassen, dessen Ergebnisse am Dienstag vorgestellt wurden.

Landtagsabgeordneter Michael Piazolo von den Freien Wählern fordert eine Ringbahn für München.

Für den S-Bahn-Ring könnte man große Teile des bestehenden Schienennetzes in Beschlag nehmen: Den derzeit nur von Güterzügen genutzten Nordring, die S8-Trasse im Osten, den Südring der Bahn. Im Westen müssten neue Strecke gebaut werden – ein Tunnel vom Heimeranplatz bis zur Dachauer Straße und von dort oberirdisch weiter zum Nordring. Die Strecke könnte dann weiter nach Norden erst durch einen Tunnel und dann oberirdisch entlang der A 92 zum Flughafen führen. Dabei würden acht neue S-Bahnhöfe entstehen, sieben bestehende werden mitbenützt.

„Mit diesem Vorschlag bekommt München endlich die fehlenden Tangentialverbindungen“, so Piazolo. Pendler müssten nicht mehr in die City fahren, sondern könnten am Stadtrand umsteigen.“ Beispiel: Von Johanneskirchen zum BMW Forschungszentrum braucht man jetzt 38 Minuten, mit der Ringbahn wären es nur noch acht Minuten! Und vom Hauptbahnhof zum Flughafen bräuchte man nur noch 19 Minuten. Die Ringbahn würde rund zwei Milliarden Euro kosten, mit Flughafen-Express drei Milliarden. Piazolo: „Man sollte sofort mit den Planungen beginnen, denn bis zur Realisierung vergehen Jahrzehnte.“

Warten auf den Tunnel

Kommt sie nun oder kommt sie nicht? Vorige Woche wurde mit vorbereitenden Baumaßnahmen für die 2. Stammstrecke am Hauptbahnhof begonnen: Versorgungsleitungen im Boden werden neu verlegt. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte vor zwei Wochen erklärt, die Entscheidung über den Bau würde im Oktober fallen. Der Finanzierungsplan werde derzeit vorbereitet. Zuletzt hatten Staatsregierung und Bahn geplant, die endgültigen Kosten des Projekts Ende 2015 vorzulegen. Nach letzten Schätzungen der Bahn kostet der Bau der 2. Stammstrecke 3,1 Milliarden Euro – das ist eine Milliarde mehr, als man vor 5 Jahren schätzte.

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