Schießerei in der Kapuzinerstraße

Scheren-Attentäter konvertierte zum Islam

München - Warum griff ein 26-Jähriger am Donnerstag nahe des Arbeitsamts mehrere Passanten und Polizisten mit einer Schere an? Fest steht: Der Mann war psychisch krank. 

Ein Polizeisprecher bestätigte bei einer Pressekonferenz am Freitagmittag, dass der Mann, der am Donnerstagnachmittag mit einer Schere auf Passanten und Polizisten losgegangen ist, zum Islam konvertiert ist. Der gebürtige Münchner mit italienischer Staatsbürgerschaft habe im April bei einer Polizeikontrolle angegeben, dass er konvertiert sei. Zudem fand die Polizei in seiner Wohnung Hinweise darauf, dass er sich mit dem Islam beschäftigte. BR-Recherchen ergaben außerdem, dass er Kontakte zur salafistischen Szene in München habe. Es gebe aber keinen Hinweis darauf, dass die Tat religiös motiviert war, machte die Staatsanwaltschaft deutlich. Der Mann sei bisher nicht staatsschutzrechtlich in Erscheinung getreten.

Scheren-Attentäter: Psychischer Zustand verschlechterte sich

Ein großes Polizeiaufgebot herrschte am Donnerstag in der Münchner Kapuzinerstraße.

Eindeutige Hinweise gibt es jedoch auf eine psychische Erkrankung des mutmaßlichen Täters. Der Mann sei wohl in psychischer Behandlung gewesen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. In letzter Zeit soll sich der psychische Zustand verschlechtert haben. 

Passanten, die Videos mit ihrem Handy von dem Geschehen in der Kapuzinerstraße gemacht haben, werden gebeten, diese der Polizei zur Verfügung zu stellen.

Beschuldigter kann nicht vernommen werden

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 26-jährigen Lackierer wegen Verdachts auf gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gemeinschädliche Sachbeschädigung, weil er einen Polizeiwagen mit der Schere durchbohrte. Der Italiener wurde notoperiert, sein Zustand sei stabil. Eine weitere OP sei geplant. Der Beschuldigte sei derzeit nicht vernehmungsfähig. Ob ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wird, will die Staatsanwaltschaft erst entscheiden, wenn ein psychiatrischer Sachverständiger hinzugezogen werden kann.

Die Polizeibeamten hatten den Mann, der als verwirrt und aggressiv beschrieben wurde, am Donnerstag angeschossen, nachdem dieser versucht hatte, mehrere Menschen mit einer Schere zu verletzen. Zuvor hatten die Beamten mehrere Warnschüsse abgegeben und Pfafferspray eingesetzt. Der Italiener habe aber auf keine der Warnungen reagiert. Er wurde daraufhin ins Krankenhaus eingeliefert. Ort des Geschehens war die Kapuzinerstraße nahe der Münchner Agentur für Arbeit.

Der Fall erinnert an die schreckliche Bluttat in Grafing Anfang Mai, als ein geistig verwirrter 27-Jähriger einen Mann am Bahnhof erstochen hat und auf weitere Menschen einstach. 

mm/tz

Rubriklistenbild: © Markus Schlaf

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