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Zehra Spindler am Vater-Rhein-Brunnen.

KVR vergibt Zuschlag an Urban League

Stadtstrand bleibt Zankapfel: Wird er heuer ganz verhindert?

München - Der umkämpfte Stadtstrand soll kommende Woche starten. Betreiben darf ihn die "Urban League". Das hat das KVR am Montag nach neuerlicher Prüfung bestätigt. Doch die unterlegenen „Urbanauten“ drohen erneut mit rechtlichen Schritten.

Fällt der Kulturstrand 2016 am Vater-Rhein-Brunnen ins Wasser oder findet er verspätet doch noch statt? Klarheit herrscht auch nach der gestrigen Entscheidung des Kreisverwaltungsreferats (KVR) nicht. Denn ob die Urbanauten, langjähriger Ausrichter der Veranstaltung, die Vergabe an Zehra Spindler und ihre Urban League akzeptieren, ist ungewiss. „Wir beantragen erneut Akteneinsicht und prüfen danach weitere Rechtsmittel“, kündigt Benjamin David, Chef der Urbanauten an. 

Zehra Spindler steht unterdessen in den Startlöchern und möchte den „Stadtstrand“ – sie hat bewusst eine andere Bezeichnung als „Kulturstrand“ gewählt – von kommender Woche an bis Ende September durchziehen. Ihr Motto lautet: „Great Bavaria Reef“. Spindler hat in München als Kulturschaffende einen Namen, vor allem in der Subkultur-Szene. Bekannt wurde sie unter anderem als Betreiberin des „Puerto Giesing“. Ihr Partner bei der Urban League ist Clubbetreiber Dierk Beyer („Nachtgalerie“). 

Der Streit um die Vergabe des Kulturstrandes war ins Rollen gekommen, nachdem das KVR am 10. Mai der Urban League den Zuschlag erteilt hatte. David witterte eine Verschwörung, bezeichnete das Verfahren „skurril in Prozess und Ergebnis“ und zog vor Gericht. Das Verwaltungsgericht stellte per Eilentscheidung am 31. Mai tatsächlich fest, das Auswahlverfahren sei „fehlerhaft“ gewesen. Die Stadt müsse nachbessern und die Vergabekriterien überarbeiten. 

Spindler setzt weniger auf Schickimicki und mehr auf Subkultur

Dies ist nun geschehen. Das KVR habe die Konzepte von Urban League und Urbanauten einer „aufwändigen kompletten Neuprüfung“ unterzogen, heißt es von der Ordnungsbehörde. Ergebnis: „Die ursprüngliche Auswahlentscheidung des KVR hat sich klar bestätigt.“ Der Genehmigungsbescheid für die Veranstaltung werde vorbereitet, „so dass die Veranstaltung schnellst möglich beginnen kann“. Die durch das Gerichtsverfahren und die anschließende Neubewertung entstandene zeitliche Verzögerung solle durch eine Verlängerung des Genehmigungszeitraums kompensiert werden – also vermutlich dann bis Ende September. 

Kommentar Kulturstrand: Es droht die schlechteste Lösung

„Ich hoffe, dass die Entscheidung von allen Bewerbern akzeptiert wird“, sagt Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle. „Die Münchner sollen möglichst bald ,ihren‘ Kulturstrand genießen können.“ Das hofft auch Spindler. Trotz der unklaren rechtlichen Situation hat sie während der vergangenen Wochen den Stadtstrand weiter vorbereitet. In ihrem Konzept setzt sie weniger auf Schickimicki und mehr auf Subkultur mit entsprechenden Bands, DJs, Theaterdarbietungen, Lesungen oder Video-Kunst. Das Essen ist vegetarisch und vegan, man kann aber wie im Biergarten seine Verpflegung selbst mitbringen, Getränke aber nicht. Die „Halbe“ Augustiner kostet vier Euro. 

David hält auch neue Entscheidung für "komplett fragwürdig"

Das Motto „Great Bavaria Reef“ bezieht sich auf ein Start-Up-Unternehmen von zwei jungen Giesingerinnen, die auf der Museumsinsel Strandmode für die Isar präsentieren wollen. Sand soll wie bei dem Kulturstrand der Urbanauten ebenfalls aufgeschüttet werden. 

David hält unterdessen auch die neuerliche Entscheidung „in der Sache für komplett fragwürdig“. Er weist darauf hin, dass die Urbanauten als Kompromiss vorgeschlagen hätten, beide Projekte zum Zuge kommen zu lassen: Zum Beispiel am Vater-Rhein-Brunnen und an der Corneliusbrücke. Ansonsten meint David: „Wenn es in diesem Sommer keinen Kulturstrand gibt, ist es zwar schade, aber München hat ja auch andere schöne Projekte wie den Viehhof.“

Klaus Vick

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