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Das Ehrenamt erfindet sich neu

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Von: Andreas Höger

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Bei der Preisverteilung in Berlin. © kn

Holzkirchen - Die Flüchtlingskrise zeigt es: Viele Bürger sind grundsätzlich bereit, sich in einer Gemeinschaft einzubringen, sich zu engagieren. Doch es gibt Schwellenängste, klassische Vereinsstrukturen verlieren an Anziehungskraft. Wie eine aktive Bürgergesellschaft funktionieren kann, will Holzkirchen jetzt vormachen. 50 000 Euro des Projekts „Engagierte Stadt“ stehen zur Verfügung.

Das stolze Preisgeld honoriert eine gelungene Bewerbung, die von der Bürgerstiftung Holzkirchen im Frühjahr beim Konsortium des bundesweiten Projekts „Engagierte Stadt“ eingereicht worden war. Das Förderprogramm, aufgelegt vom Bundesfamilien-Ministerium und einigen Stiftungen, suchte nach Städten, die ihr bürgerschaftliches Engagement mit Vereinen und Organisationen des Orts zu einem stabilen Netzwerk ausbauen wollen (wir berichteten).

Die Bürgerstiftung holte frühzeitig andere Vereine und Verbände ins Boot. Eine zehnköpfige Steuerungsgruppe entwarf ein Konzept, das die Handlungsfelder Integration, Inklusion, Jugend und Senioren in den Mittelpunkt rückt. Das überzeugte die Jury: Holzkirchen bekam als einer von 50 Standorten bundesweit (darunter sieben bayerische) den Zuschlag und darf sein Konzept jetzt mit Leben füllen. Das Budget: insgesamt 50 000 Euro. Projektstart ist am 1. Oktober, die Gelder fließen bis Ende 2017.

„Es ist großartig, dass wir mit dem Geld jetzt zusätzliche Engagement-Strukturen in Holzkirchen realisieren können“, freut sich Frank Strathmann, Vorsitzender der Bürgerstiftung. Die Auszeichnung zeige, so Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch, „dass wir auf dem richtigen Weg sind zu einer Gemeinde mit strukturiertem, vielfältigem und nachhaltigem Engagement“. Wie wichtig hier vernetzte Strukturen sind, unterstreicht Johann Numberger, Behinderten-Beauftragter der Gemeinde: „Wenn alle Helfer, Beauftragten und andere Organisationen gut miteinander verbunden sind, sind wir unschlagbar.“ 

Eine Schlüsselrolle innerhalb des Projekts kommt einem geplanten „Treffpunkt BürgerMitte“ zu. Laut Klaus Offermann, Pressesprecher der Bürgerstiftung, ist vorgesehen, im Ortskern ein Büro samt professionellem Personal als zentralen Anlaufpunkt einzurichten. „Damit bauen wir eine Drehscheibe für alle Holzkirchner“, findet Sabine Lenk-Seyfried, Sprecherin des Forums Inklusion, „unser Ziel ist es, engagierten Bürgern einen zentralen Begegnungsort zu bieten.“ Ein solches Büro könnte auch gebrauchte Rollstühle oder Rollatoren vermitteln, schlägt der Seniorenbeauftragte Bernd Helwig vor. 

Senioren und Jugend – diesem Doppel kommt im Projekt große Bedeutung zu. Ein Jugend-Engagement-Forum soll dem Nachwuchs Ehrenämter schmackhaft machen. Es gibt laut Offermann die Idee, engagierten Jugendlichen ein Zertifikat auszustellen, das diese für Lebensläufe nutzen können. Ein ebenfalls angedachtes Senioren-Netzwerk soll über eine „Generationenbrücke“ an den engagierten Nachwuchs andocken. „Ich kann mir Technik-Patenschaften zwischen Jugendlichen und Senioren vorstellen“, sagt Helwig.

Um für jeden Ehrenamts-Willigen die passende Aufgabe zu finden, werden „Freiwilligen-Messen“ konzipiert. Hier erhoffen sich auch die Integrationsbeauftragten Maria Korell und Franz Lutje neue Helfer. „Es ist eine einmalige Chance, die vielen Ehrenamtlichen einander näher zu bringen und die Kräfte zu bündeln“, sagt Korell. Gemeinde, Organisationen und die Wirtschaft vor Ort sollen an einem Strang ziehen, so steht es im Stammbuch des Projekts „Engagierte Stadt“.

Strathmann will insbesondere die Kontakte zum örtlichen Gewerbe nutzen, um das Projekt über 2017 hinaus zu verstetigen. „Wir haben den Ehrgeiz, die Aktivitäten mit einem Nachhaltigkeits-Fonds dauerhaft finanzieren zu können.“

Von Andreas Höger

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