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Skandal beim TuS: Was geschah mit dem Geld des Vereins?

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Von: Dieter Dorby

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Holzkirchen - Das ist hart: Andreas Schmidpeter, Vorsitzender des TuS Holzkirchen, soll Unregelmäßigkeiten in der Vereinskasse produziert haben - mit privaten Geschäften.

Der TuS Holzkirchen kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Landesliga-Fußballer in der vergangenen Spielzeit fast abgestiegen wären, steht nun der nächste Ärger ins Haus – und der kann unter Umständen sogar strafrechtlich relevant werden. Betroffen ist TuS-Vorsitzender Andreas Schmidpeter. Der Vorwurf: Unregelmäßigkeiten in der Vereinskasse.

Angefangen hatte alles mit einer Idee zum Vorteil des Vereins. TuS-Vorsitzender Schmidpeter kaufte dem Vernehmen nach über Beziehungen günstig Sportausrüstung ein, um sie dann mit einer Gewinnmarge, aber immer noch preiswert, an Mitglieder und sonstige Interessierte weiterzuveräußern. Der Profit sollte dem TuS zugute kommen.

2012 begann Schmidpeter mit dem Modell. Auf dem Vereinsgelände an der Haidstraße verkaufte er die Waren, die er dort in Containern gelagert hatte. 49.000 Euro soll der Klubchef seitdem vom Vereinskonto für den Wareneinkauf verwendet haben. Zum Teil wurden Waren an andere TuS-Abteilungen verkauft. Diese Erlöse wurden auf das Bankkonto überwiesen und verbucht. Etliche Waren wurden aber auch bar auf dem TuS-Gelände durch Schmidpeter verkauft. Für diese Barerlöse fehlt seit 2012 eine Kassenbuchführung.

Zudem fehlen sämtliche Belege oder Nachweise, die Aufschluss über die tatsächliche Höhe der Barerlöse geben könnten. Denn auch der TuS ist als Sportverein gesetzlich verpflichtet, diese bei wirtschaftlicher Betätigung beizubringen.

Entdeckt wurden die Missstände bei der internen Kassenprüfung im März 2015. In einem schriftlichen Bericht, der der Redaktion vorliegt, monierte Prüferin Evelyn Springs, dass für das sogenannte Equipment-Konto sämtliche Belege aus den Barerlösen fehlen. Zudem wurden keine Barerlöse verbucht und auch nicht eingezahlt. Per Mail sei Schmidpeter von ihr mehrfach aufgefordert worden, die Barerlöse aufzuschlüsseln – keine Reaktion. Erst als Springs am 22. März 2015 per Mail mit dem Anwalt gedroht hatte, gingen zwei Tage später 3720 Euro auf dem TuS-Konto ein – Einnahmen aus Barverkäufen im Jahr 2014. Einzelnachweise fehlen bis heute.

Entsprechend wurden 2014 keine Steuern – weder vom Verein noch von Schmidpeter – abgeführt. Seit 2014 habe der TuS-Vorsitzende die Verkäufe auch auf eigene Rechnung auf dem Vereinsgelände durchgeführt und privat bezahlt. Die Einkäufe soll er aber offenbar teilweise weiter im Namen des TuS getätigt haben. Zudem wurde der Warenbestand nicht in TuS- und Schmidpeter-Eigentum getrennt. Wie viele vom TuS bezahlte Waren für wie viel Geld verkauft wurden – kaum mehr zu rekonstruieren. Da trotz mehrfacher Aufforderung der ehemaligen Vorstandskollegen seit 2012 keine Barerlöse aufgezeichnet wurden, steht neben steuerlichen Verfehlungen auch der Verdacht der Untreue im Raum.

Weil bislang wenig Licht in Schmidpeters Warenverkäufe zu bringen ist, hat Hans Dengler nun eine außerordentliche Sitzung beantragt. Der ehemalige Leiter der Fußballabteilung will die Sache aufgeklärt wissen. In seinem Antrag schreibt er, dass Schmidpeter bereits erklärt habe, dass er bis Pfingsten 2015 zurücktreten und die Waren mit einem fünfstelligen Betrag dem TuS ablösen wolle – nichts davon ist bislang passiert. „Bei vielen Mitgliedern ist zuletzt der Eindruck entstanden, dass zumindest Teile der Vorstandschaft mehr Interesse an einer Vertuschung als an einer lückenlosen Aufklärung zu haben scheinen“, schreibt Dengler in seinem Antrag.

Dem Vernehmen nach soll Schmidpeter bereits vereinsintern zugegeben haben, dass ihm die Sache entglitten sei. Dass er vieles einfach vergessen habe. Dengler moniert dagegen, dass seit März im Grunde nichts passiert ist. So sollte Schmidpeter laut Bericht auch eine Bestandsaufnahme machen: Wareneingänge, Bestand, Verkaufszahlen – bislang liegt nichts vor.

65 Mitglieder haben diesen Antrag unterschrieben – 50 sind laut Satzung nötig, um eine außerordentliche Versammlung einzuberufen. Bis 1. August muss dieser Termin festgesetzt und innerhalb weiterer acht Wochen – also bis 26. September – durchgeführt werden.

Schmidpeter wollte sich gestern dazu nicht äußern. Erst wolle er die Sitzung des Vereinsausschusses am Mittwoch, 29. Juli, abwarten. Sein Kommentar: „Das ist schwer zu erklären.“

Von Dieter Dorby

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