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„Eine ganz andere Klanglichkeit“: Diese entlockt Dirigent Joachim Tschiedel dem Orchester Accademia di Monaco im Oberbräu-Festsaal in Holzkirchen.

Accademia di Monaco

Wuchtiges Konzert auf alten Instrumenten

Holzkirchen - Ein wuchtiges Konzert auf alten Instrumenten hat jetzt das Orchester Accademia di Monaco im Holzkirchner Oberbräusaal gegeben.  

In Teil zwei geht es ohne Worte. Dafür mit einem beherzten Ruck über die Saiten. Satt. Laut. Flirrend. Der zweite Teil des Konzerts von Accademia di Monaco, das jetzt im Oberbräu-Festsaal in Holzkirchen stattfand, ist intensiver als der erste. Wuchtiger. „An Dramatik kaum zu überbieten“, sagt Dirigent Joachim Tschiedel. An den Schluss hat er reichlich Moll platziert. Joseph Schmitts Sinfonie in g-Moll. Und Johann Christian Bachs Sinfonie in g-moll. Mozart habe mit sechs Jahren auf Bachs Schoß gesessen, erzählt er. Vierhändig hätten die beiden Klavier gespielt. Bach sei der Komponist gewesen, den Mozart Zeit seines Lebens am meisten geschätzt habe. Sein väterlicher Freund.

„Mozart: Vorbilder – Freunde – Weggefährten“: Damit gastierte Accademia di Monaco vor eineinhalb Jahren schon einmal im Holzkirchner Oberbräu. Frisch formiert, gerade mal ein halbes Jahr alt. Damals waren die Zuhörer genauso angetan wie heute, erinnert sich Zuhörerin Sofie Schneider. Für sie stand außer Frage: Dieses Orchester will sie noch einmal live erleben. Sie schüttelt den Kopf und blickt mit runzelnder Stirn in den Saal. Dreiviertel der Stühle sind leer, „echt schade. Dabei sind das super Musiker“, meint sie. „Da braucht man sich um brillanten Nachwuchs keine Sorgen machen.“ Dass historische Instrumente zum Einsatz kämen, höre sie heraus, behauptet Schneider. Und grinst. Zumindest habe der Gedanke, dass da auf Darm- statt auf Stahlsaiten gespielt wird, seinen eigenen Charme. Tschiedel bestätigt das. Barock und Wiener Klassik bekämen „eine ganz andere Klanglichkeit als auf modernen Instrumenten“.

Vor einem emotionalen Glanzpunkt des Abends erzählt er, Mozart habe Flöten mäßig gemocht. „Was man eigentlich gar nicht verstehen kann, wenn man Beatriz so spielen hört“, schiebt er nach. In der Tat. Mozart scheint eine Menge Gefühl in sein Andante für Orchester und Flöte gelegt zu haben. Weich schwebt die Flöte im wogenden Streichermeer. Lauter und leiser. Mit typischem Triller. Die Zuhörer jubeln und klatschen Solistin Beatriz Soares begeistert zu. Und zum Schluss also Bach. In g-Moll. Einer Tonart, „mit der Komponisten im 18. Jahrhundert eine ganz bestimmte Dramatik verbunden haben“, so Tschiedel. Da flattern Bögen über Saiten. Es sieht zuweilen so aus, als ob Tschiedel kopfüber ins Orchester tauchen möchte. Wie schon bei der Sinfonie von Schmitt. Der sei Zeitgenosse von Mozart gewesen, habe dessen Werke verlegt, erzählt Tschiedel. Er geht geschmeidig in die Knie. Hüpft sachte. Fährt mit ausholenden Armbewegungen Klanglinien nach. In die letzten Klangtropfen fällt Zwischenapplaus. Dann steigt tiefe Melancholie auf. Emily Deans (Solistin) Violine tänzelt hell darauf herum. Wälzt und windet sich im feinen Klangbett, das das Orchester ihr bereitet. Um im nächsten Moment tief durchzuatmen. Es klingt wie ein wehmütiger Mensch.

Sie holten sich Profis dazu, sagt Tschiedel. Die mitspielen oder andere coachen, „das ist unser Konzept“. Wie berichtet, ist das Orchester eine Symbiose aus Studierenden und Profimusikern. Einmalig in Deutschland. Zumindest auf alten Instrumenten. Für den jungen Spitzennachwuchs zwischen Masterstudium und ersten Schritten in den Beruf sei das Orchester gegründet worden. Dass das Kultur im Oberbräu ihnen eine Plattform gebe sei „nicht selbstverständlich“,

 sagt Tschiedel, der übrigens selbst stellvertretender Leiter des Masterstudienganges Musiktheater an der Theaterakademie 

August Everding ist. 

Von Johanna Wieshammer  

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