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„Bislang hat sich keiner beschwert“: Peter Potansky (r.) und seine Nachbarn (v.l.) Nicholas Waegner, Eva Pfeiffer, Annemarie Orlando, Rita Schupp und Rosina Bernhard wehren sich gegen den Straßenausbau.

Ärger in der Karwendelstraße 

Anwohner protestieren gegen Ausbau

Holzkirchen - Weil private Flächen in öffentliche ragen, müssen Eigentümer in Karwendel- und Guffertstraße in Holzkirchen Rückbauten vornehmen. Auch ein Ausbau der Fahrbahn ist geplant. In einem Schreiben an den Gemeinderat protestierten Anwohner nun gegen die Pläne.

Peter Potansky ist sauer. „Es ist zwar richtig, dass auf Gemeindegrund gebaut wurde“, räumt der 75-Jährige ein. Aber all das sei vor vielen Jahrzehnten passiert, sein eigenes Haus steht seit 37 Jahren in der Karwendelstraße. Man habe sich damals bei den Grundstücksgrenzen am Bestand orientiert. Er spricht von einer Art „Gewohnheitsrecht“. Und: „Bislang hatte sich kein Mensch beschwert.“ 

Bis zu jenem Beinahe-Unfall, über den sich ein Anwohner bei der Gemeinde beklagt hatte, und der den Stein ins Rollen brachte. Wie berichtet, kam im Zuge dessen heraus, dass an der Karwendelstraße Ecke Guffertstraße in Holzkirchen private Grundstücke in öffentlichen Grund ragen. Diesen fordert die Gemeinde zurück, zugleich will sie die Straße ausbauen. Diese Pläne gehen einigen Anwohnern gegen den Strich. In einem Schreiben an den Gemeinderat machen sie ihrem Ärger nun Luft. Über 20 Unterschriften haben Potansky und seine Mitstreiter gesammelt. Eine Partei überlege sogar, einen Anwalt einzuschalten. 

„Alle Anwohner der Straße sind sich einig, dass ein solcher Ausbau absolut überflüssig, ja nachteilig ist“, heißt es in dem Schreiben. Bisher habe die Straße allen Anforderungen genügt. „Es ist nie ein Unfall vorgekommen, Kinder konnten auf der Straße sicher spielen.“ Auch die Schneeräumung, die wegen der zu erwartenden milden Winter sowieso nur noch ein geringeres Problem sein wird, habe stets geklappt. Ein Ausbau würde neuen Verkehr anziehen. In anderen Gemeinden würden solche Anwohnerstraßen verengt, um Durchgangsverkehr zu verhindern und die Geschwindigkeit zu drosseln. 

Das gewachsene Straßenbild würde in Mitleidenschaft gezogen, die Hecken und Bäume sollen bleiben. „Es darf ohnehin gewachsenes Grün nicht leichtfertig beseitigt werden.“ Dies sei im Sinne des Naturschutzes. Potansky müsste sein Grundstück um drei Meter zurücksetzen, Bäume und eine Holzhütte entfernen. Natürlich geht es auch ums Geld. Die Anwohner würden es nicht hinnehmen, dass gewählte Vertreter Entscheidungen treffen, die Gemeindefinanzen und damit den Steuerzahler „unnötig und in unsinniger Weise belasten.“ Sie seien zudem nicht bereit, eine Umlegung der Ausbau-Kosten auf die Anwohner zu akzeptieren. Potansky befürchtet, dass bis zu 90 Prozent umgelegt werden. Das wäre bei 350 000 Euro Gesamtkosten - ohne die genauen Bedingungen zu kennen - auf jeden Fall ein Haufen Geld. Viel zu teuer.  

Das Fazit: „Wir bitten die Gemeinderäte, die offensichtlich unbegründete Entscheidung für den Ausbau der Straße zurückzunehmen, die Straße in ihrem gegenwärtigen Zustand zu belassen und damit statt dem Ansinnen eines einzelnen Querulanten nachzugeben, den Willen der Bürger zu respektieren.“ 

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) versucht die Wogen zu glätten. „Wir müssen prüfen, ob die Kosten umgelegt werden“, erklärt er. „Das ist eine komplexe rechtliche Grundlage.“ Unter gewissen Voraussetzungen müssten die Kosten sogar umgelegt werden. Natürlich sei ihm bewusst, dass höhere Summen für manche schwer zu stemmen seien. „Wir müssen ernsthaft prüfen, ob der Ausbau dringend nötig ist.“ 

Löwis spricht von einer Zwickmühle. Zum einen hätten die Anwohner – die bereit gewesen wären, den Grund zu kaufen – gefragt, wozu die Gemeinde die Flächen überhaupt brauche. Heißt aus seiner Sicht: Baut die Gemeinde die Straße nicht aus, passt es ihnen nicht, macht sie sich an den Ausbau, auch nicht. Unabhängig davon wolle man am Rückbau festhalten. Ohne Not wolle die Gemeinde keine Bäume abholzen. Die Engpässe beim Schneeräumen seien nunmal erwiesen. 

Potansky hofft, dass sich die Gemeinderäte umstimmen lassen. Und: „Wir wissen nicht, wer sich im Rathaus beschwert hat“, bedauert er, denn: „Wir würden gerne mit ihm sprechen.“

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