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Die Bautafeln an der Einmündung zur B 318 gegenüber den Salzsilos in Holzkirchen zwingen Autofahrer dazu, langsam zu fahren und auf den Vordermann zu achten. Die Zahl der Unfälle sank laut Polizei.

Klingt komisch, funktioniert aber

Bautafeln an B 318 versperren die Sicht - und verhindern Unfälle

Holzkirchen - Die Sichtblenden an der Einmündung zur B 318 auf Höhe der Holzkirchner Spinne haben offenbar Wirkung gezeigt. Die Zahl der Unfälle ist laut Polizei gesunken.

Schön waren sie nie, diese großen leeren Bautafeln an der Einmündung zur B 318 gegenüber den Salzsilos in Holzkirchen. Zwischenzeitlich hatten Unbekannte sie sogar mit unflätigen Graffiti beschmiert. „Das hat die Straßenmeisterei Hausham weggemacht“, erklärt Gerhard Brandl, Pressesprecher im Landratsamt. Die Täter wurden nie gefunden. Doch auch wenn die Tafeln, die dem Autofahrer die Sicht versperren, schon keinen Schönheitspreis gewinnen, dann vielleicht wenigstens einen für Nützlichkeit.

Wie Ernst Größwang, Verkehrsexperte der Polizei Holzkirchen, erklärt, haben die Sichtblenden, die seit Herbst 2015 an der Stelle stehen, Wirkung gezeigt. Im Jahr 2014 gab es ihm zufolge an der Einmündung insgesamt 18 Unfälle. Davon 13 kleinere Auffahrunfälle, wobei der Hintermann auf der Zufahrt in den Vordermann krachte. Fünf Mal handelte es sich um Vorfahrtsunfälle mit Fahrzeugen auf der B 318. Dabei wurden Personen verletzt. Insgesamt zehn Unfälle passierten von Januar bis Ende Oktober 2015 – also bevor es die Sichtblenden gab. Sieben davon waren Auffahrunfälle, bei drei gab es Verletzte. Die Situation verbesserte sich mit den Bautafeln: Von November 2015 bis 15. August 2016 sank die Zahl der Unfälle auf sechs, wobei nur bei einem Verletzte zu verzeichnen waren. „Auf den ersten Blick haben die Schilder also Einiges bewirkt“, sagt Größwang.

Wie berichtet, hatte die Maßnahme mit der Unfallkommission zu tun, in der Landratsamt, Polizei sowie Straßenbauamt sitzen. Sie erörtert Unfallschwerpunkte und bringt Lösungen. Schon Jahre zuvor stellte man an besagter Einmündung ein Stoppschild auf. Die Situation verbesserte sich insofern, dass Auffahrunfälle weniger schlimm verlaufen als Vorfahrtsunfälle, bei denen höheres Tempo im Spiel ist. Die Kehrseite: Die Zahl der Auffahrunfälle stieg – weil die Sicht zu gut war. Denn beim Runterfahren konnten die Fahrer von Weitem den Verkehr auf der B 318 erkennen. Sie schielten zu sehr nach links und übersahen leicht den Vordermann, der stoppen muss. Um die Stelle sicherer zu machen, stellte die Straßenmeisterei zusätzlich Bautafeln auf. Sie zwingen den Autofahrer dazu, nach vorne zu schauen und langsam zu fahren.

„Das soll keine Dauerlösung sein“, Brandl. Auf lange Sicht sei eine Alternative geplant – etwa eine Bepflanzung, ein Wall oder Zaun. „Heuer wird wohl nichts mehr passieren“, meint Brandl. Aber vielleicht schon 2017. Denn es soll schnell gehen – und die endgültige Lösung wollen die Verantwortlichen nicht abwarten. Diese könnte mit dem Ausbau der B 318 kommen, die von zwei auf vier Spuren vergrößert wird (wir berichteten). Für das erste Teilstück besteht Baurecht, es verläuft von der Anschlussstelle bis zur Einmündung in die MB 9. Der zweite Abschnitt reicht von der MB 9 bis zur geplanten Südspange. In diesem Bereich liegt die Einmündung. Das Projekt steht im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) im „vordringlichen Bedarf“. Der BVWP legt fest, welche Projekte in den nächsten 15 Jahren Vorrang haben. Das kann also dauern. Und das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen.

Zügiger geht es mit dem ersten Stück voran. „Das Vorhaben wird 2018 realisiert“, berichtet Christian Rehm, Straßenbauamtsleiter im Staatlichen Bauamt Rosenheim. Die Bauarbeiten ziehen sich bis ins Jahr 2019. Im Zuge des Ausbaus fällt die Ampel-Kreuzung zwischen der B 318 und der MB 14 auf Höhe der Autobahnmeisterei weg. Stattdessen schleift ein Brückenbauwerk südlich davon den Verkehr von Föching und dem Gewerbegebiet ein. Eine Lärmschutzwand schützt Bewohner der Autobahnsiedlung.

Unklar sei derzeit, wann die Rodungsarbeiten starten, sagt Rehm. Hierfür seien vorab weitere Grundstücksverhandlungen nötig. Die Bauvorbereitungen starten den nächsten Wochen und Monaten. Zum Beispiel werde dabei die Ausführungsplanung erstellt, auch über die Verkehrsführung während der Bauzeit müsse man sich Gedanken machen. Offen seien die exakten Kosten, die der Bund trage. Bislang waren rund 8,7 Millionen Euro veranschlagt.

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