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Auch Radfahrer nutzen gerne die Bayerische Oberlandbahn (BOB) für Ausflüge. Tendenz steigend.

Ungewöhnlicher Vorschlag der GDL

Gewerkschaft will BOB-Radl-Chaos per Diagramm lösen

Holzkirchen - Kommt die Sonne raus, ist die BOB rappelvoll. Auch mit Radfahrern. Die GDL will das Problem per Diagramm lösen - die BOB winkt dankend ab.

Das Chaos bricht am ersten Tag der Sommerferien aus: Eine Bayerischen Oberlandbahn (BOB) ist heillos überfüllt,rund 300 Fahrgäste plus 20 Räder drängen sich darin. Der Zug wird in Gmund zwangsgestoppt, sogar Beamte der Landes- und Bundespolizei greifen ein. Radfahrer sollen aussteigen. In Schaftlach geht der Horror weiter. Die Empörung ist groß.

Uwe Böhm, Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Bayern, möchte vermeiden, dass sich solche Szenen wie heuer Anfang August in Gmund wiederholen. „Die GDL hat ein Interesse daran, dass Lokomotivführer und Zugbegleiter nicht in Konfliktsituationen geraten“, erklärt er. „Die Kapazitäten in den Zügen sind nicht beliebig erweiterbar.“ Er setzt eher auf Aufklärung und bessere Information der Fahrgäste.

GDL will Fahrgäste aufklären

Deshalb schlägt er nun ein Säulendiagramm vor, das anzeigt, zu welchen Spitzenzeiten besonders viele Passagiere mit und ohne Rad mit der BOB fahren. Dieses soll auf Flyern in Zügen oder Schaukästen in Bahnhöfen aushängen. Mit dem Appell: „Nutzt den Zug besser nicht zu Spitzenzeiten.“ Denn: „Wenn das Verhältnis zwischen den Fahrradfahrern im Oberland und den Kapazitäten in den Zügen bekannt ist, dann sorgt das vielleicht für etwas mehr Verständnis“, hofft Böhm. Ansonsten sei es einem Fahrgast mit Ticket schwer zu vermitteln, dass er nicht einsteigen darf. Zusätzlich wünscht er sich, dass die BOB kurzfristig Meldungen über lokale Medien absetzt. Natürlich sei auch ihm klar, dass bei plötzlich einsetzendem Regen dann trotzdem alle zu den Züge stürmen. „Die eierlegende Wollmilchsau wird es nicht geben.“

Fahrrad-Club will "Sache an der Wurzel packen"

Um ein solches Diagramm zu erstellen, müsse man die Radfahrer aber erst mal zählen. Hier erhofft er sich Hilfe vom Allgemeinen DeutschenFahrrad-Club (ADFC), den er bereits kontaktierte. Frank Wessel, Landesbeauftragter für Fahrrad und öffentlichen Verkehr beim ADFC, hat das schon länger beobachtet: Immer mehr Leute packen bei schönem Wetter ihr Fahrrad in den Zug, um einen Ausflug in die Berge zu machen. „Der Trend wächst“, sagt er. Das führe gerade auf Strecken wie der der BOB, die eher auf den „gemütlichen Verkehr“ ausgerichtet seien, zuweilen zu Engpässen. 

Schließlich könne man ja einen Trampelpfad auch nicht plötzlich als Autobahn nutzen. „Die BOB hat technische Grenzen, die sie nicht aus eigener Kraft bewältigen kann.“ Insofern dürfe man ihr das mit Gmund nicht vorwerfen. Zum Beispiel seien die Ausweichstellen auf eingleisigen Strecken oft nicht lang genug, um Züge beliebig zu verlängern. Daher sucht er den Kontakt zu einer höheren Stelle – der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). „Wir wollen die Sache an der Wurzel packen.“

Die Idee vom Diagramm gefällt Wessel gut. „Wir haben da schon Bestrebungen, was zu machen.“ Von manuellen Stichprobenzählungen hält er wenig. Viel zu ungenau. Ende September besuche er daher die Fachmesse InnoTrans in Berlin. Da wolle er sich bei einem Hersteller über Geräte schlau machen, die auch Räder zählen können, was bislang nicht möglich sei. Danach wolle er die BOB informieren.

Anna Graser, bei der BOB zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, macht da nicht viel Hoffnung, auch wenn das in Gmund sehr unglücklich gelaufen sei: „Das ist nicht ohne Weiteres umsetzbar“, sagt sie zur Zähltechnik. Und gar nicht nötig. Die BOB, die sich nach dem Vorfall in Gmund entschuldigte und unter anderem mit verstärkten Zügen und Personal nachjustierte (wir berichteten), habe ihre eigenen Methoden. „Wir gucken auf das Wetter,“ sagt sie. „Wird es gut, dann rüsten wir auf.“ Die Mitarbeiter an Board würden melden, wenn es zu voll wird. „Intern gibt es viele kleine Rädchen, die ineinandergreifen“, sagt Graser.

Auch Böhms Säulendiagramm stößt auf wenig Resonanz. „Wir bedanken uns für alle Anregungen“, sagt sie. Allerdings setze die BOB auf die eigene Homepage. Da könne man schneller reagieren als auf ausgedruckten Diagrammen. Die BOB scheint vorerst zufrieden mit der Situation. „Jetzt haben wir das recht gut im Griff“, sagt Graser. „Toi, toi, toi.“

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