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Großer Moment: Professor Hilmar Sturm (v.l.) und Victoria Nandico und Getraud Deller übergeben das Bürgergutachten an Bürgermeister Olaf von Löwis.

Bürgergutachten übergeben

Der Herdergarten steht an erster Stelle

Holzkirchen - Ein grüner Herdergarten mit Biergarten, weniger Autos im Ortskern und mehr Platz für Radler und Fußgänger und Möglichkeiten, den Verkehr um Holzkirchen zu leiten. Diese Punkte rangierten ganz oben im Bürgergutachten, das der Gemeinderat jetzt erhielt. Ein Auszug.

Für Gertraud Deller ist die Sache klar: „Ich fände es gut, wenn es einen Biergarten geben würde“, sagt die 82-Jährige und deutet raus. „Am besten hier im Herdergarten.“ Den könne man ohnehin grüner gestalten. Victoria Nandico, 15, setzt andere Prioritäten: „Man bräuchte einen durchgehenden Radweg an der Münchner Straße“, sagt sie.

Mit Hilmar Sturm von der Gesellschaft für Bürgergutachten haben die beiden Holzkirchnerinnen nun Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) im Gemeinderat das Bürgergutachten übergeben. Dieses hatten 43 zufällig ausgewählte Bürger in einem Workshop im April erarbeitet, Deller war die älteste Teilnehmerin, Victoria die jüngste. Das Bürgergutachten ist ein Element des Integrierten Mobilitätskonzepts der Gemeinde. Es besteht zudem aus dem Verkehrsgutachten von Ralf Kaulen und dem Ortsentwicklungskonzept von Manuela Skorka. Vor der Übergabe des 48-seitigen Gutachtens stellte Sturm die Eckdaten vor. In Fünfergruppen hatten die Teilnehmer mithilfe der Experten acht Arbeitseinheiten: Siedlung und Landschaft, Fußverkehr und Grünzüge, Radverkehr, Öffentlicher Verkehr, Kfz-Verkehr, Öffentlicher Raum, Ruhender Verkehr und Ortsteile bearbeitet. Nur wenn eine Gruppe ein Thema als wichtig erachtete, konnten Bürger Punkte auf Bereiche verteilen, die ihnen relevant erschienen.

Herdergarten

„Der Herdergarten kommt deutlich an erster Stelle“, sagte Sturm. Dieser soll nach Ansicht der Bürgergutachter ein grüner Platz werden, mit Biergarten, Bänken und Teich. Parkplätze sollen in einer Tiefgarage verschwinden.

Grünzüge

Generell sind Grünzüge beliebt. Die Rede ist von einem „Grünen Ring“ um Holzkirchen, der alle Grünflächen verbindet. „Dass es sie geben soll, ist eine starke Empfehlung“, heißt es. „Schutzgebiete und Naherholungsgebiete wie der Kogel sollen nicht angetastet werden“, so Sturm.

Fußgänger

Die Achsen vom Marktplatz zu HEP und Bahnhof sollen für Fußgänger sicherer werden. „Das Zentrum ist zentral“, sagte Sturm. Einen breiten Raum nahmen Zebrastreifen, Schulwege und Eisenbahnunterführungen ein. An Ampeln will man mehr Grünzeiten für Fußgänger.

Radfahrer

Auch die Hauptverkehrsachsen für Radler im Ortskern müssen verbessert werden. Vor allem an Münchner, Tegernseer, Rosenheimer, Miesbacher und Roggersdorfer Straße. „Es soll etwas für Alltagsradler entstehen“, sagte Sturm. Ein Radlring ins Gewerbegebiet Nord spielte auch eine Rolle.

Kfz-Verkehr

„Dass der Marktplatz vom Durchgangsverkehr befreit werden soll, brachten manche Teilnehmer ganz am Anfang ein“, so das Gutachten. Grundsätzliches Ziel sei, weniger Autos und mehr öffentlichen sowie Rad- und Fußverkehr zu haben. Beliebt war die Idee einer autofreien Zone und einer Fußgängerzone vom Markt- zum Oskar-von-Miller-Platz, gar durch einen Tunnel. „Der ist zu teuer“, sagte Sturm. Geschwindigkeitsreduzierung stand hoch im Kurs. Eigentlich sollte das Thema Umgehungsstraßen nicht diskutiert werden, sagte Sturm. Weil es nicht in Holzkirchen beschlossen werde könne und lange Realisierungszeiträume berge. „Trotzdem wurde es hoch bepunktet.“ Neben den bekannten Umgehungen war eine Föchinger im Gespräch. Eine weitere Idee, die Löwis gefiel: Den Kreisel am McDonald’s auflösen oder so gestalten, dass die Autos eher auf die Nordumfahrung als durch den Ort fahren.

Öffentlicher Verkehr

Will man Autos vermeiden, muss man Bürger dazu bringen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. „Hier ist die wichtigste Verbesserung ein geänderter Fahrplan“, heißt es im Gutachten. Die BOB sollte bis ein Uhr nachts fahren. Zudem gelte es, Bus- und Zugfahrpläne besser aufeinander abzustimmen. Der Wunsch nach einer Bahnhaltestelle außerhalb Holzkirchens im Gewerbegebiet Nord wurde laut. Den Ortsbus würden Bürger gern gratis nutzen. Einige forderten einen Bus-Shuttle zur Schule. Auch die Idee eines Pendlerparkplatzes am Ortseingang, wo ein Shuttle-Bus Leute abholt, kam auf.

Ruhender Verkehr

Parkplätze schaffen und reduzieren – letzteres vor allem am Marktplatz – hielten sich punktemäßig die Waage. Man könne sie ins Industriegebiet verlagern, forderten Bürger. Auch ein Park-Leitsystem, eine Zentralisierung auf sieben Parkplätze sowie ein Parkhaus am Bahnhof wurden positiv gesehen.

Ortsteile

Obwohl die Ortsteile ihre Eigenheiten behalten sollen, hat es laut Sturm folgenden Tenor gegeben: „Wir brauchen eine Wir-Holzkirchner-Mentalität“.

So geht’s weiter

„Mich hat nicht überrascht, dass das Zentrum im Zentrum steht“, sagt Löwis. Und dass sich was am Herdergarten tun soll, hätten die Experten vorbereitet. Positiv überrascht habe ihn das Engagement der Bürger. „Das war richtig harte Arbeit.“ Kaulen und Skorka weben das Gutachten nun in ihre Expertisen ein. In einer Klausur im Oktober bringe der Gemeinderat eigene Anregungen ein. Ende 2016 wird ihm das fertige Mobilitätskonzept vorgelegt. Dann entscheidet der Gemeinderat über die Umsetzung einzelner Maßnahmen.

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