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Mach's gut, altes Mädchen: Die Holzkirchner Drehleiter tritt ihre letzte Fahrt an.

Die Ablösegebühr ist beachtlich

Drehleiter der Feuerwehr wird zum Museumsstück

Holzkirchen – Sie hat treue Dienste geleistet, war ein gute Kameradin – und wird jetzt auch nicht einfach verschrottet: Die alte Drehleiter der Feuerwehr bekommt einen würdigen Austrag.

Karl Eßl kramte im Münzenfach seines Geldbeutels. Der Vorsitzende des Feuerwehrvereins hätte in der jüngsten Sitzung des Holzkirchner Hauptausschusses gern sofort bezahlt, doch Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) winkte lächelnd ab. Gerade hatte das Gremium einstimmig beschlossen, die alte Drehleiter nicht meistbietend zu verwerten, sondern sie dem örtlichen Feuerwehrverein zu überlassen – für einen symbolischen Euro. Der Verein wiederum überlässt das Sonderfahrzeug als Dauerleihgabe dem Feuerwehrmuseum Waldkraiburg.

„Uns ging’s darum, die Drehleiter vor dem bitteren Schicksal der Verschrottung zu bewahren“, sagt Eßl. Deswegen legte sich der Verein ins Zeug, als die Gemeinde feststellte, dass das Fahrzeug als „Gebrauchtwagen“ kaum zu verwerten war. „Das höchste Angebot lag bei rund 7000 Euro“, berichtet Kämmerer Dominik Wendlinger. Mittlerweile seien aber TÜV und das obligatorische Sicherheits-Zertifikat endgültig abgelaufen. Es blieb die Offerte eines Privatmanns, 3000 Euro zu zahlen, um das Fahrzeug anschließend auszuschlachten.

Diese Lösung schien Wendlinger, der selbst aktiver Feuerwehrmann ist, nicht angemessen. Der Markt habe allein in den vergangenen 16 Jahren fast 300 000 Euro für die Instandhaltung der alten Drehleiter gezahlt. Vor diesem Hintergrund wiege ein möglicher Verschrottungserlös den Erinnerungswert kaum auf. Die Leiter (Baujahr 1987) trage zwar feuerwehr-intern keinen Spitznamen, sei aber eine Generation lang fester Bestandteil der Holzkirchner Truppe gewesen, sagte Eßl. 36 000 Kilometer zeigt ihr Tacho, 1200 Betriebsstunden leistete sie ab. Im November 2015 war ihre Nachfolgerin in Dienst gestellt worden (wir berichteten), der Anschaffungspreis lag bei 612 000 Euro.

Nun hat auch die „Rentnerin“ einen Platz gefunden. „Freut uns, dass die Gemeinde da mitgespielt hat“, sagt Eßl. Der Kauf ist mittlerweile ordentlich abgewickelt, am vergangenen Sonntag holten Vertreter des Waldkraiburger Museums das gute Stück ab. Dort kümmert man sich um Reparatur und Wartung. „Das Fahrzeug trägt aber weiterhin das Wappen Holzkirchens“, betont Eßl. Sollte das erst vor vier Jahren gegründete Museum wider Erwarten in Konkurs gehen, falle die alte Drehleiter automatisch „zu uns zurück“, wie Eßl auf Anfrage von Gemeinderat Josef Sappl senior (CSU) erklärte. In Waldkraiburg steht die Holzkirchner Leiter in illustrer Gesellschaft. Die „Großmutter“, eine Kraftfahrspritze (Baujahr 1923) aus Neuötting, und der „Pink Panther“, ein Pionierwagen der Feuerwehr Bad Kissingen von 1956, haben dort ebenfalls ihren Altersruhesitz gefunden. Bis ins 19. Jahrhundert reichen die Exponate zurück, die Drehleiter-Sammlung umfasst 90 Jahre (1906 bis 1996). Daneben, so verspricht es das Museum im Internet, ist „modernste Feuerlöschtechnik“ hautnah zu erleben.

Nur im Museum soll die Holzkirchner Leiter nicht verstauben. Die Holzkirchner Wehr kann den Oldtimer bei Bedarf holen, etwa um bei einem größeren Jubiläum den Festzug zu bereichern. „Man wird unsere alte Drehleiter ab und zu noch auf der Straße sehen“, verspricht Eßl.

avh

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