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Präsent und eindrücklich: Die Schauspielerinnen Lydia Starkulla, Kristina Günther-Vieweg und Antje Hobucher (v.r.) entführen als Schwestern Brontë das Holzkirchner Publikum in ein spannendes Kapitel der Literaturgeschichte im vorviktorianischen England.

Theater-Premiere „Die Nächte der Schwestern Brontë“ in Holzkirchen

Emanzipation im Schutz der Nacht

Holzkirchen – Abtauchen in ein vergangenes Jahrhundert, als drei Frauen gesellschaftliche Zwänge ihrer Zeit überwinden: Das Ensemble Peripher feierte jetzt im Fools-Theater im Holzkirchner Kultur im Oberbräu Premiere mit dem Stück „Die Nächte der Schwestern Brontë“. Eine sehr sehenswerte Inszenierung.

Vor allem durch die hohe Schauspielkunst schafft es das Ensemble, die Gäste mit in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zu nehmen, in die Welt der Sprache und der Geschichten der drei britischen Schriftstellerinnen Brontë. Eine gelungene Mischung aus Szenerie und Historie. 

Das Bühnenbild ist schlicht. Drei Schreibtische, drei Stühle, ein paar Utensilien auf jedem Tisch und im Hintergrund weiße Tücher, die der Inszenierung als Wand und Leinwand dienen. Die drei Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë treffen sich auf dem Dachboden ihres Elternhauses im englischen Haworth. Dort inspirieren sie sich, sie träumen, tauschen sich aus – und schreiben. Das Haus liegt fernab der Zivilisation, die Nachbarn sind die Toten auf dem Friedhof und ein düsteres Moor. Die Schwestern müssen Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen und träumen von Karrieren als Schriftstellerinnen. Aber in der damaligen Zeit war eine Karriere als weibliche Autorin ausgeschlossen. Also legten sie sich männliche Pseudonyme zu und verfassten Gedichtbände wie Romane, die auch heute noch bekannt sind. „Agnes Grey“, „Wuthering Heights“ und „Jane Eyre“ sind nur einige der literarischen Meisterwerke. Kein Wunder beschäftigen sich die Werke der drei Schwestern meist mit der Gleichberechtigung und den Geschichten kluger Frauen. 

Das Theaterstück aus der Feder von Susanne Schneider ist vor allem deswegen so hinreißend, weil immer wieder kleine Szenen aus dem Leben der Schwestern gespielt werden und dann ein Szenerie-Wechsel stattfindet. Die Schauspielerinnen lesen dann geschichtliches wie literarisches Gut über und von den Brontë-Schwestern vor, so dass der Besucher nicht nur einen kleinen Ausschnitt erhält, sondern ganz grob das gesamte Leben und Schaffen der Brontë-Schwestern kennenlernt. 

Dabei spielt Lydia Starkulla die schwermütige Emily, die das düstere Moor liebt und sich gerne Gedanken über die Toten auf dem nahegelegenen Friedhof macht. Eine brillante Leistung, Sprache und gesamtes Spiel ein Schmaus auf höchstem Niveau, nach dem das anspruchsvolle Stück auch dringend verlangt. Ihre Kollegin Kristina Günther-Vieweg mimt die verliebte und romantische Anne. Auch sie spielt überzeugend und mitreißend. Wenn sie vom Frauenschwarm Whiteman träumt und ihren Mund zu einem imaginären Kuss formt, bedarf es keiner Worte. Die dritte im Bunde, Charlotte, wird gespielt von Antje Hobucher. Sie ermutigt Emily Gedichte zu verfassen, zieht Anne wegen ihrer Verliebtheit auf und ist die quirligste der drei Schwestern. Auch Hobucher überzeugt durch ihr professionelles Spiel und eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz. 

Drei fantastische Darstellerinnen, eine gelungene Stückauswahl und viel Einblick in die Zeit des 19. Jahrhunderts und das Leben und Schaffen der bekannten Schriftstellerinnen: Die äußerst sehenswerte Inszenierung bietet einen Theaterabend, wie er im Buche steht.

Weitere Vorstellungen finden statt am Samstag, 4. Juni, um 20 Uhr sowie im Herbst wieder am Donnerstag und am Samstag, 27. und 29. Oktober. Karten zu 15 Euro (ermäßigt 13, Kinder bis 14 Jahre sechs Euro) gibt es für den Juni-Termin bereits im Vorverkauf auf der Internetseite des Kulturhauses.

Kathrin Suda

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