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Die Ratschkathl erzählt: Agnes Kraus führt als Kathl durch die „Holzkirchner Gschichtn“ und lässt vergangene Zeiten lebendig werden.

Neue Ortsführung erzählt die "Holzkirchner Gschichtn"

Die Ratschkathl nimmt Sie mit ins Holzkirchen von früher

Holzkirchen – Eine Ratschkathl packt aus: Mit den „Holzkirchner Gschichtn“ entführt Agnes Kraus bei Ortsführungen in den Marktflecken - vor gar nicht allzu langer Zeit.

Sie ist zwar nach 40 Jahren immer noch eine Zugezogene. Aber mit ihrem ratternden Leiterwagerl mit allerlei Krimskrams kommt sie ganz schön rum in Holzkirchen – und schnappt hier und da Interessantes, Amüsantes oder auch mal Pikantes auf. Sie tratscht für ihr Leben gern und heißt auch noch Kathl: Holzkirchen bekommt eine waschechte Ratschkathl. Sie führt künftig durch den Ort und lässt die Teilnehmer teilhaben an den „Holzkirchner Gschichtn“. 

Agnes Kraus hat ihrer Figur selbst Leben eingehaucht

Die Kathl gab es eigentlich nicht. Aber Schauspielerin Agnes Kraus, die im Kultur im Oberbräu quasi zum festen Inventar gehört, schlüpft in ihre Rolle. Mehr noch: Sie hat die Figur entwickelt und ihr Leben eingehaucht. Die Kathl ist verwitwet, ihr Mann war äußerst wirtschaftsfördernd – in den 18 Wirtshäusern, die es einmal in Holzkirchen gab. 

Vom Heldentenor bis zum Fridhofspaganini

Jetzt zieht sie durch den Markt mit ihrem Wagerl voller Kuriositäten und Devotionalien, mit denen sie handelt, um sich über Wasser zu halten – und zu denen sie den Teilnehmern der Führung so einiges erzählen kann. Vom Heldentenor Loisl Burgstaller etwa, der anfangs bei Auftritten seine Feuerwehr-Hose trug, weil er keine andere hatte, und der seine Wurzeln bei der Liedertafel nie vergaß. 

Oder vom Friedhofs-Paganini, der gern am Alten Friedhof fiedelte – aber leider nicht besonders gut. Oder von der Marä, die mit dem Wagerl voller Flaschen aus den beiden Kracherlfabriken im Ort für einen Scherbenhaufen am Kramlberg sorgte. Geschichten aus dem Alltag von einst, von denen alte Holzkirchner noch berichten können. 

Quer durch den Ort im Abendlicht - mit Verpflegung

So geht es abends, wenn der Verkehr nicht mehr so stark ist, eineinhalb Stunden lang von der einen Nische zum nächsten Eck. Vom Bahnhof am Jennerwein-Haus vorbei, wo es einst ein Eisenbahnerbad gab, an der Münchner Straße entlang, über den Kramlberg mit der Konditorei und seinem Standgericht, über den Friedhof zum Franzetti, wo mal ein Bierkeller war, weiter über die innere Münchner Straße mit dem Priller-Haus und der Weinhandlung zum Marktplatz und über die Alte Post zum Kultur im Oberbräu. An fünf Stationen werden den Teilnehmern kulinarische Schmankerl serviert. Und es öffnen sich sonst verborgene Geheimnisse – etwa der Keller mit Geheimtür eines Zauberers des Magischen Zirkels. 

Nicht gemacht für Geschichtsfiesler

Der Streifzug ist nicht gemacht für „Geschichtsfiesler“, sagt Kraus. Das war auch nicht der Anspruch dahinter. Der Fools-Verein, der als Veranstalter hinter der Führung steht, und Kraus wollten die Teilnehmer nicht mit Daten und Zahlen bewerfen, sondern einen Einblick ins historische Holzkirchen mit seinen liebenswerten Bewohnern geben. 

„Es geht nicht nur darum, wann etwas gebaut worden ist, sondern wer da gelebt hat“, erklärt Kraus. „Das Spielerische bleibt viel besser haften“, meint Vorsitzender Alexander Harlander. Und: „Die Geschichten würden verschwinden, wenn man sie nicht weitererzählt.“ 

Die Geschichten, die die Kathl auf der Tour zum Besten gibt, sind alle verbrieft an den echten Holzkirchner Stammtischen. Vor allem in der Alten Post hat Kraus recherchiert. „Erst haben alle gesagt: Da fällt mir nix ein“, erinnert sie sich. Doch wenn einmal einer anfing zu erzählen, kam eins zum andern, und es hörte nicht mehr auf zu sprudeln. Die Kathl hat ihr Wissen vom Hörensagen – da will Kraus ihrem Publikum, respektive den Führungsbesuchern nichts vormachen. Die genauen Namen der Protagonisten lässt sie meist aus. Schließlich mag nicht jede Familie mit kuriosen Erlebnissen und Eigenheiten der Vorfahren in Zusammenhang gebracht werden. 

Die Straße als Bühne ist für Kraus übrigens kein unbekanntes Terrain. Seit mehr als 20 Jahren ist sie in München mit ähnlichen Führungen unterwegs, entführt etwa ins wilde Schwabing Anfang des 20. Jahrhunderts. Doch dass so etwas in kleineren Orten angeboten wird, ist selten. Wenn das Konzept in Holzkirchen gut ankommt, steht weiteren Führungen auch zu anderen Themen nichts im Weg, sagt Harlander: „Es gibt noch viel Futter für weitere Touren.“

Termine und Buchungen

An folgenden Terminen ist der Streifzug „Holzkirchner Gschichtn“ angesetzt: jeweils freitags am 8. Juli, 12. August und 23. September; der 3. Juni ist bereits ausgebucht. Start ist jeweils um 19.30 Uhr am Bahnhof (nicht bei starkem Regen). Das Ticket kostet 14 Euro für Erwachsene, sechs Euro für Kinder. Eine Anmeldung ist erforderlich (mindestens sechs, höchstens 20 Teilnehmer) an der Theaterkasse des Kulturhauses: mittwochs bis freitags 16 bis 18 Uhr, mittwochs auch 10 bis 12 Uhr. Auch Buchungen zum Wunschtermin sind möglichInfos gibt es auf der Internetseite. Für Senioren, die nicht gut zu Fuß sind, gibt es am Mittwoch, 29. Juni, ab 14 Uhr eine Vorstellung bei „Kaffee, Kuchen und Kultur“ im Fools-Theater (Karte inklusive Kaffee und Kuchen: zehn Euro). Der Vorverkauf läuft an der Theaterkasse und auf der Homepage des Kulturhauses.

Katrin Hager

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