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Frische Kraft aus Südtirol: Stefano Chiari leitet jetzt die Produktion der Frischeküche.

Frischeküche Holzkirchen

Suche nach dem richtigen Rezept 

Holzkirchen - Ein neuer Küchenchef und ein prominenter Krisen-Spezialist: Zwei Neuzugänge sollen helfen, die Frischeküche aus den roten Zahlen zu manövrieren. Im Sommer wird die neue Spitze dazu ein Konzept vorlegen. Gut möglich, dass Gemeinde und Landkreis erneut investieren müssen, um das Unternehmen endlich auf eine wirtschaftliche Basis zu stellen.

Gunter Untersperger war Chefkoch der ersten Stunde. Seit dem Start der Frischeküche im August 2014 fungierte er als Küchenchef, jetzt warf er das Handtuch. Gesundheitliche Probleme hätten ihn dazu bewogen, sagt Vorstand Eva-Maria-Schmitz, die für das operative Geschäft zuständig ist. Sie räumt aber auch ein, „dass es nicht so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat“. Bis auf weiteres hat der Südtiroler Stefano Chiari die Produktionsleitung übernommen. Insgesamt sind damit zehn Vollzeit-Stellen besetzt. „Personell passt das jetzt“, sagt Schmitz.

Über eineinhalb Jahre fungierte Schmitz als alleiniger Vorstand des Kommunalunternehmens (KU), das zu gleichen Teilen der Marktgemeinde Holzkirchen und dem Landkreis Miesbach gehört. Schmitz kommt von der „Holzkirchner“ Seite: Als eine der Standortförderinnen im Rathaus wurde sie von der Gemeinde in die Frischeküche delegiert, ein Extra-Gehalt gibt es dafür nicht. Laut Satzung muss das KU zwar zwei Vorstände haben. Der Landkreis verzichtete zuletzt aber darauf, „seinen“ Posten zu besetzen. 

Das hat sich zum 1. Mai geändert: Wolfgang Salewski komplettiert die Doppelspitze, er soll sich um die Finanzen kümmern. Sein Auftrag: Das bisher defizitäre KU so aufzustellen, dass der Betrieb wenigstens kostendeckend läuft. „Er ist ein ausgewiesener Experte für wirtschaftliche Effizienz“, sagt Landrat Wolfgang Rzehak. Auch Bürgermeister Olaf von Löwis, der als Verwaltungsrats-Vorsitzender des KU fungiert, setzt Hoffnungen in die „unternehmerisch denkende und handelnde Persönlichkeit“ Salewskis. 

Zuletzt hatte sich das jährliche Frischeküche-Defizit auf rund 400 000 Euro summiert, zu tragen von Landkreis und Gemeinde. Vor allem im Kreistag mehrten sich die kritischen Stimmen. „Unser Ziel bleibt die Schwarze Null“, sagt Löwis, „die Frischeküche muss sich selber tragen.“ Die Doppelspitze Schmitz/Salewski bekam vom Verwaltungsrat den Auftrag, bis Mitte des Jahres ein Konzept zu erarbeiten, wie und wann dieses Ziel zu erreichen ist. „Vielleicht müssen wir noch einmal Geld in die Hand nehmen“, sagt Löwis. 

Von Fehlplanung mag zwar niemand reden. Doch längst ist klar, dass Ausstattung und Dimension der Großküche am Holzkirchner Bahnhof nicht der angedachten Kapazität entsprechen. Von täglich bis zu 2000 Portionen war die Rede, auf mindestens 1500 sollte die Anlage ausgelegt sein. Wie sich im laufenden Betrieb zeigt, sind aber praktisch kaum mehr als 1000 Portionen zu schaffen. Laut Löwis ist nicht zuletzt die Spülmaschine zu schwach. Man prüfe, wie es zu solchen Missverständnissen habe kommen können. Aktuell werden „nur“ 850 Essen an Kitas und Schulen geliefert – zu wenig, um den Betrieb kostendeckend zu führen. 

Könnte es eine Lösung sein, einen privaten Betreiber zu suchen? Ein Unternehmer, der sich mutmaßlich strengen Qualitätsvorgaben unterwerfen müsste, würde das unternehmerische Risiko tragen und im besten Fall sogar Pacht zahlen. „Wir werden in unserem Konzept alle Alternativen aufzeigen“, sagt Vorstand Schmitz. An ein solches Privatisierungs-Modell glaubt Löwis nicht. Denn die drei Millionen Euro, die das Gebäude kostete, werde man sehr wahrscheinlich nicht auf einen privaten Betreiber umlegen können. „Und damit würden wir einen Anbieter subventionieren.“ Ein Unternehmer würde günstig an eine Küche kommen, die mit Steuergeld gebaut wurde. 

Teil der Lösung soll auf jeden Fall sein, ab dem nächsten Schuljahr auch das lukrative Kioskgeschäft in den Holzkirchner Schulen (Realschule, Gymnasium, FOS) der Frischeküche zu überlassen. Den bisherigen, privaten Betreibern hatte das Landratsamt – als zuständiger Sachaufwandsträger – zu Ostern in dürren Worten gekündigt (wir berichteten). 

Der Ärger der Betroffenen war groß, sogar einige Eltern intervenierten. Mit den beiden Damen vom Realschul-Kiosk sei mittlerweile eine Kooperation angedacht, sagt Löwis. Schwieriger sei die Situation im Gymnasium/FOS. Auch das neue Kiosk-Geschäft soll Teil des Konzepts sein, das die neue Doppelspitze dem Verwaltungsrat im Sommer präsentieren will. (avh)

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