Entscheidung im Sommer: Ob in Holzkirchen (wie hier in Sauerlach) nach Thermalwasser gebohrt wird, hängt maßgeblich von der großen Politik ab. Foto: Marcus Schlaf
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Entscheidung im Sommer: Ob in Holzkirchen (wie hier in Sauerlach) nach Thermalwasser gebohrt wird, hängt maßgeblich von der großen Politik ab.

Erneuerbare-Energien-Gesetz

Geothermie: Heraus aus der Schockstarre

Holzkirchen - 16 Millionen Euro stehen bereit, ebenso die Bohrfirmen. Doch das Geothermie-Projekt Holzkirchen hängt weiter in der Schwebe. Die Würfel fallen im Sommer, wenn ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft tritt. Gebohrt werden könnte theoretisch im nächsten Winter - wenn die Politik mitspielt.

Die Branche ist verunsichert. Der Fehlschlag von Gelting hat die südbayerischen Geothermie-Projekte in eine Schockstarre versetzt. Unweit von Geretsried (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hatte das Unternehmen Enex 4500 Meter tief gebohrt, aber zum Entsetzen der Investoren zu wenig Thermalwasser gefunden. Sowohl die Investoren als auch die Versicherung (Münchner Rück) mussten zweistellige Millionenbeträge in den Wind schreiben.

Die Münchner Rück soll auch das Holzkirchner Projekt versichern. Das Debakel von Gelting - einem Projekt, das dem Holzkirchner Vorhaben sehr ähnlich ist - hat den Versicherer vorsichtiger werden lassen. „Es gibt zwar eine Zusage“, sagt Albert Götz sen., der sich im Auftrag der Marktgemeinde um die Geothermie kümmert, „aber klar ist, dass die Versicherung teurer wird.“ Das wiederum belastet den Finanzierungsplan. „Die Gemeinde muss sehr genau darauf schauen, dass sich das am Ende rechnet.“

Hier setzt Bürgermeister Josef Höß auf die Hilfe der bayerischen Staatsregierung. Man brauche gar keine Zuschüsse, sagt Höß, „uns wäre schon sehr geholfen, wenn der Staat eine Bürgschaft übernimmt“. Dem Land Bayern stehe es gut zu Gesicht, zumindest einen Teil des Fündigkeit-Risikos zu tragen. „Geothermie liefert grundlastfähige Energie - und es gibt hier in Holzkirchen keinerlei Widerstand der Bevölkerung.“ Da sich der Freistaat vom Ausbau der Windkraft distanziere, biete die Geothermie doch eine große Chance, die Energiewende doch noch hinzubekommen. „Wir haben im südbayerischen Molassebecken das geologische Glück, so etwas verwirklichen zu können“, sagt Götz, „der Staat könnte sich mehr anstrengen, hier zu helfen.“ Zudem handle es sich um ein kommunales Projekt, „da geht es nicht ums Geldverdienen“.

Mittlerweile haben die Geothermie-Standorte im Oberland (Holzkirchen, Gelting, Königsdorf, Weilheim, Bernried) eine Allianz geschmiedet. Gemeinsam versucht man, das politische Brett zu bohren. Bei der Versicherungsfrage soll der Freistaat helfen, bei der Einspeisevergütung muss die Große Koalition in Berlin das neue EEG hieb- und stichfest in Kraft setzen. 25 Cent je Kilowattstunde, garantiert auf 20 Jahre - so viel muss es mindestens geben. „Eine große Rendite ist ohnehin nicht mehr drin“, sagt Götz. „Wir warten auf eine klare Aussage des Bunds“, sagt der Bürgermeister. Bis Ostern soll der Entwurf des neuen EEG stehen, im Sommer rechnet Götz mit Gesetzeskraft. „Die Zeit müssen wir gut nützen, um auch die Versicherungsfrage zu lösen.“

Dann könnte es relativ schnell gehen. Im Haushalt der Gemeinde sind etwa 16 Millionen Euro für die Bohrungen reserviert. „Erfreulich ist, dass auch die Firmen immer noch bereit stehen“, sagt Götz. Wenn der Gemeinderat zustimmt, könnte im Winter 2014 / 2015 gebohrt werden.

In Gelting ist die Bohrfirma mittlerweile weitergezogen. Es gibt zwar Hoffnung, mit einer Ablenkbohrung doch noch erfolgreich zu sein; aber derzeit ist niemand bereit, die nötigen zehn Millionen Euro dafür vorzustrecken. „Enex hat in Gelting wirklich Pech gehabt“, sagt Götz. Technisch setzte man dort darauf, die Abbrüche im wasserführenden Malmkarst nicht direkt anzupeilen. Die Hoffnung, überall im Malm genug Flüssiges zu finden, erwies sich aber als trügerisch. Diesen Fehler würde man in Holzkirchen nicht machen, sagt Götz. „Wir planen, die Abbrüche direkt anzubohren - auch wenn damit die Bohrung komplizierter wird.“

Trotz des Geltinger Rückschlags: Götz glaubt an die großen Chancen der Geothermie. Der Bürgermeister ist vorsichtiger. „Die Chancen waren sicher schon einmal besser“, sagt Höß, „ich sehe sie derzeit bei 50:50.“

avh

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