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Neue Landmarke für Holzkirchen: Dieser 60 Meter hohe Bohrturm wird ab Februar 2016 in der Alten Au seine Arbeit beginnen. Die Gemeinde bestellte das gleiche Bohrteam, das von 2007 bis 2009 für das Sauerlacher Geothermie-Projekt der Stadtwerke München arbeitete.

Gemeinderat hat wichtige Aufträge erteilt

Geothermie Holzkirchen: Die Reise ist gebucht

Holzkirchen - Die Reise ist gebucht: In der Alten Au beginnen noch im September die Vorbereitungsarbeiten für das Geothermie-Projekt der Marktgemeinde Holzkirchen. Ab Februar 2016 soll sich der Bohrer drehen, der das Reiseziel in 5000 Metern Tiefe anvisiert. Die wichtigsten Aufträge vergab der Gemeinderat am Donnerstag – mit finanziell erfreulichen Ergebnissen.

Der von der Gemeinde bestellte Bohrturm ist ein alter Bekannter in der Region. Der 60-Meter-Riese stand vom Sommer 2007 bis August 2009 vor den Toren Sauerlachs, im Dienste eines Geothermie-Projekts der Stadtwerke München. Wie in Sauerlach wird die Firma Itag aus dem niedersächsischen Celle die Bohrarbeiten besorgen. „Die Firma hat schon etliche erfolgreiche Bohrungen hinter sich“, sagt Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke und Geschäftsführer der Geothermie Holzkirchen GmbH, „und sie haben Erfahrung in der Region.“ 

Die Bestellung des Bohrturms samt Team ist einer der „Königs-Aufträge“, die der Holzkirchner Gemeinderat in einer Sondersitzung am Donnerstag vergeben hat. Zur Abstimmung kam ein ganzes Paket. „Alle Gewerke, die einen längeren Vorlauf brauchen“, sagt Götz. Dazu zählen etwa auch die Verrohrung und die Übergangs-Stücke, wenn sich die Bohrung verjüngt. Die Stahlrohre (Casinge) liefert ein deutscher Hersteller. Es habe auch Angebote aus China gegeben, sagt Götz. „Aber der günstigste Anbieter ist nicht immer auch der wirtschaftlichste.“ Es zählen auch Qualitätsgarantien, Erfahrung, Verfügbarkeit oder Liefertreue. 

Die Entscheidungen seien einstimmig gefallen, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Erfreulich für das Budget des Projekts: Die Leistungen konnten insgesamt günstiger eingekauft werden als gedacht. Götz schätzt den Vorteil auf zehn Prozent. 

Trotzdem bleibt das Projekt ein finanzieller Kraftakt. Die Gemeinde stellt aus ihrem Haushalt rund 10,7 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Summe ist nach Ansicht von Experten nötig, um die erste Bohrung niederzubringen – was im Frühjahr 2016 vollendet sein soll. Falls nach einer Bohrstrecke von 5600 Metern – die Bohrung wird in der Tiefe abgelenkt – der Malmkarst so angebohrt werden kann, dass 140 Grad heißes Thermalwasser in einer Schüttung von mindestens 65 Litern pro Sekunde zur Verfügung steht, dürfen die Korken knallen. Dann ist klar, dass die Energie sehr wahrscheinlich gewinnbringend genützt werden kann. 

Erst in dieser zweiten Phase greifen Darlehen in einer Höhe von 28,6 Millionen Euro, die ein Bankenkonsortium zur Verfügung stellt. Die Geothermie Holzkirchen GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Gemeindewerke Holzkirchen, war bisher bereits mit der Planung des Projekts beauftragt; nunmehr übernimmt diese GmbH auch Bau und Betrieb. Die Personalstruktur ist identisch mit den Gemeindewerken: Götz fungiert als Geschäftsführer, der Bürgermeister als Chef des Aufsichtsrats, der ausschließlich aus Gemeinderäten besteht. Das Investment der Gemeinde wird über die Gemeindewerke zur Geothermie GmbH durchgeleitet. Die Darlehen besorgt eine andere Gemeinde-Tochter, die GEA, eine Anstalt des öffentlichen Rechts. „Die GEA bekommt fast so günstige Zins-Konditionen wie die Gemeinde selbst“, sagt Löwis, „eine GmbH müsste mehr Zinsen zahlen.“ 

Der Bohrplatz in der Alten Au erstreckt sich auf rund 6000 Quadratmeter. Laut Götz werden derzeit Versorgungsleitungen verlegt, dann beginnen die Rodungsarbeiten und die Einrichtung des Bohrplatzes. 

Noch immer ist angepeilt, das Kraftwerk bis Ende 2017 am Netz zu haben, um den optimalen EEG-Vergütungssatz abgreifen zu können. „Wir planen das Kraftwerk jetzt schon, um keine Zeit zu verlieren“, sagt Götz. Sollte man das sehr ehrgeizige Ziel 2017 verfehlen, wäre das zwar schmerzlich, sagt der Bürgermeister, „aber deswegen stürzt die Wirtschaftlichkeit nicht ab“. Auch Götz betont, dass dem Tempo nicht alles untergeordnet wird: „Qualität steht im Vordergrund, sonst verlieren wir womöglich später im Betrieb die Wirtschaftlichkeit.“

Von Andreas Höger

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