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Ziemlich steil: Die neue Rampe am Holzkirchner Marktplatz.

Gemeinderat redet sich in Rage

Gemeinderats-Debatte um Marktplatz-Rampe eskaliert

Holzkirchen - Die Rampe am Marktplatz ist zu einem Politikum geworden. Ist sie tatsächlich zu steil, wie das Forum Inklusion feststellte? Ein Gemeinderat reagierte empört.

Der Befund kam für alle Beteiligten überraschend: Die im Jahr 2014, nach mehrjähriger Vorplanung gebaute Rampe am Holzkirchner Marktplatz soll zu steil ausgefallen sein. Das Forum Inklusion hatte bei einer Ortsbegehung im Mai – anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung – diesen „Missstand“ festgestellt und auf eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen gepackt, die Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) überreicht bekam.

Pikant dabei: Als Sprecherin des Forums fungiert Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD). In dieser Funktion hatte sie angemerkt, dass Rollstuhlfahrer auf der zu abschüssig ausgefallenen Rampe beim Runterfahren die Kontrolle verlieren könnten.

Was sie nicht erwähnte: Die Gemeinde hatte die steilere Ausführung bewusst in Kauf genommen. Ein Umstand, an den Hans Kellner, Leiter des Bauamts Technik, jetzt im Hauptausschuss erinnerte. „Es war einfach nicht genug Platz da.“ Vorgeschrieben seien für solche Rampen sechs Prozent Steigung, zudem nach sechs Metern ein Podest zum Ausruhen. Nur acht Prozent seien aber technisch machbar gewesen.

Nach Absprache mit Anton Grafwallner, dem Behindertenbeauftragten des Landkreises, habe die Gemeinde die steilere Variante gebaut. Kosten: 150 000 Euro. Kellner: „Es hieß, lieber diese Rampe als überhaupt keine.“ 

Dass Dasch auf diesen Umstand nicht hingewiesen hatte, ärgerte Josef Sappl maßlos. „Eine Watschn für alle Beteiligten“, schimpfte er und wurde laut, „wir werden hingestellt, als würden wir das Geld zum Fenster raus werfen.“ Die Liste mit den 16 Verbesserungs-Vorschlägen für bessere Barrierefreiheit sei teilweise an den Haaren herbeigezogen. „Wenn man partout was finden will, findet man auch was“, redete er sich in Rage. 

Dasch reagierte zunächst gefasst. Die Idee dieses Testtags sei gewesen, Stolperstellen für die Barrierefreiheit in praktischer Anwendung ausfindig zu machen: „Es handelt sich nicht um Forderungen, sondern um Hinweise aus der Bevölkerung.“ Fraktionskollegin Irmi Ammer sprang ihr bei: „Die Bevölkerung hat das Recht zu sagen, was noch fehlt. Und wir haben das demütig anzuhören.“ Die Schimpftirade Sappls sei völlig deplatziert.

Dasch wies darauf hin, dass sie sich „als Privatperson engagiert habe“. Die Vorwürfe Sappls und die Diskussion nagten sichtbar an ihr. „Ich bin sehr getroffen“, gestand sie, um kurz darauf den Saal zu verlassen. 

CSU-Sprecher Christoph Schmid versuchte, die Wogen zu glätten. „Das Ganze ist eigentlich ein Sturm im Wasserglas.“ Die Rampe in der Form sei „alternativlos“ gewesen. 

Sebastian Franz (CSU) schlug als sachliche Lehre aus der Debatte vor, den gut funktionierenden Runden Tisch Fahrrad mit der Kompetenz für Fußgänger auszustatten: „Vielleicht springen Verbesserungen für Fußgänger heraus.“ 

avh

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