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Nachmieter gefunden: Sascha Castor richtet im ehemaligen Juwelier Ernst ein Body-Street-Studio, das EMS-Technologie anbietet, ein. Rund um den Oskar-von-Miller-Platz hatten zuletzt einige Geschäfte geschlossen.

Ortskern Holzkirchen

Juwelier Ernst: Body Street-Studio zieht ein 

Holzkirchen - Einige Geschäfte im Holzkirchner Ortskern mussten schließen. Für viele Läden gibt es inzwischen aber Nachmieter. Die Gemeinde will dem Einzelhandel helfen und vor allem den Verkehr minimieren.

Es war ein letztes Aufbäumen: Vor Kurzem hatte die Buch- und Schreibwarenhandlung Hummelberger in Holzkirchen mit ihrer Fenster-Plakatierung für Aufsehen gesorgt. Die Aufschrift: „Wir müssen unser Geschäft schließen.“ Ein Dank an die Kunden, „die uns die Treue gehalten haben, trotz Amazon, HEP und Wahnsinns-Autoverkehr.“ Wie berichtet, musste das Geschäft vor wenigen Wochen zumachen. Nach 113 Jahren in Familienbesitz. Bürgermeister Olaf von Löwis bedauert das, und er sagt zu den Vorwürfen, die da im Schaufenster prangten: „Das Internet ist ein Problem, auf das wir keinen Einfluss haben.“ Das HEP sei nunmal da. Lediglich beim Verkehr könne die Gemeinde Linderung verschaffen.

Genau auf diesen Punkt konzentriere sich die Kommune nun, um die Nöte des Einzelhandels in den Griff zu bekommen. Die Gemeinde stehe mit den Einzelhändlern, Ortsentwicklerin Manuela Skorka und Verkehrsexperte Ralf Kaulen in Dialog. Auch bei der Gemeinderatsklausur im Herbst schlage das Thema auf. Wichtigstes Ziel: „Den Verkehr wegbringen“, sagt Löwis. Außerdem seien die Gehwege im Ortskern viel zu schmal – und laden nicht gerade zu einem Einkaufsbummel ein. Auch die Parksituation müsse man überdenken. Ganz so einfach sei es jedoch nicht, Maßnahmen durchzusetzen, weil die Münchner Straße eine Staatsstraße und die Gemeinde hier nicht zuständig ist.

Wie berichtet, hatten rund um den Oskar-von-Miller-Platz mehrere Geschäfte geschlossen, aus unterschiedlichen Gründen. Ella Young Fashion, Schuhlinse, Klangheimat, Juwelier Ernst. Auch den nicht weit entfernten Blumenladen am Marktplatz, den Christina Heiler führte, hatte es erwischt. Genauso wie die Adler-Apotheke an der Münchner Straße. Inzwischen gibt es laut der Standortförderin im Rathaus Nachfolger. Bei Ella Young Fashion zog etwa die Modeboutique Simode ein, aus Schuhlinse wurde ein Immobiliengeschäft, für die Räume der Apotheke fand sich ein Antiquitätenhändler. Auch der Blumenladen sei ihres Wissens vermietet. Löwis nimmt das Ladensterben sehr ernst, wobei man in der Marktgemeinde eher von einer Fluktuation sprechen müsse: „Holzkirchen ist betroffen, aber das Problem ist noch lösbar“, denkt er.

Ein weiteres Café zur allgemeinen Belebung des Ortskerns wäre zusätzlich wünschenswert, meint Löwis. Einen reinen Biergarten am Herdergarten – wie im Bürgergutachten gewünscht – sehen viele Einzelhändler eher negativ, berichtet er. Sinnvoller erscheine es, die Idee mit einer Gaststätte zu verknüpfen, wo die Gäste draußen sitzen.

Die Standortförderin blickt positiv in die Zukunft: „Ich denke, wir haben keine schlechten Voraussetzungen.“ Gut wäre es, wenn die Einzelhändler „mit einer Stimme sprechen würden“. Es müsse ja nicht ein Gewerbeverband sein, eine lose Verbindung würde reichen. Ihr ist es wichtig, dass die Qualität der Nachmieter passt. Allerdings halte sich der Einfluss der Gemeinde auf die Art des Gewerbes in Grenzen, sie könne generell nur vermittelnd tätig werden. Der Rest ist Sache der privaten Eigentümer.

Dass nicht immer alle mit allen Nachmietern einverstanden sind, zeigt derweil ein Blick auf die Ladenfläche des ehemaligen Juweliers Ernst. Wie berichtet, hatten die Geschwister Egmont und Angelica Ernst Ende Januar ihr Juweliergeschäft nach 21 Jahren geschlossen. Laut Egmont Ernst ist nun ein Nachfolger für die Immobilie, die in Familienbesitz ist, gefunden. In die Räume zieht ein Body-Street-Studio, das EMS-Technologie betreibt, kurz für elektrische Muskelstimulation. Sann Hartmann, Inhaberin von Sport For Fun, die ihr Geschäft um die Ecke betreibt, ist wenig begeistert: „Ich selbst habe seit vier Jahren direkt in der Innenstadt ein EMS-Studio und alles rund um dieses Thema“, schreibt sie unserer Zeitung. Mehr wie diese Konkurrenz hätte man ihr nicht vor die Nase setzen können, meint sie.

Ernst hält dagegen: „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt er. „Der Kunde kann auswählen.“ Es habe mehrere Interessenten gegeben. Das Studio passe gut zum Objekt. „Wir freuen uns sehr, dass er nach Holzkirchen gefunden hat.“ Damit meint er Betreiber Sascha Castor (29) aus Unterschleißheim. Body Street funktioniere über ein Franchisesystem, erklärt dieser. Er selbst bringe Erfahrung mit. „Wir machen Personaltraining für Leute, die wenig Zeit haben.“ Und für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Am 16. September öffnet das neue Studio seine Türen.

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