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Gunnar Matysiak stellt noch bis Anfang Juni in Holzkirchen aus. 

Gunnar Matysiak stellt in Holzkirchen aus

Ein Künstler im fruchtbaren Unruhestand

Holzkirchen – Einst gab er dem "Rennschwein Rudi Rüssel" als Illustrator ein Gesicht. Heute ist Gunnar Matysiak im Ruhestand. Oder besser: im Unruhestand - es gibt wieder eine Ausstellung.

Denn der Maler, Grafiker und Illustrator ist produktiv wie nie. Jetzt zeigt er Werke aus drei Schaffensphasen in einer Ausstellung in Holzkirchen.

Jetzt geht es erst richtig los. „Ich fühle mich wie ein Student, im Aufbruch“, sagt der 69-jährige Künstler Gunnar Matysiak. Wenn es sich andere Ruheständler in ihren Sesseln bequem machen, greift der renommierte Künstler aus Holzolling zum Bleistift und legt los. An Ideen mangelt es ihm nicht. „Zum Glück habe ich jetzt endlich Zeit“, freut sich der Werbegrafiker im Ruhestand. Er lud jetzt zu seiner Vernissage „Von der Realität zum Surrealismus“ in die Galerie des Autohauses Steingraber in Holzkirchen. Eine vielseitige und überraschenden Werkschau eines großen Künstlers. 

Er gab Rudi Rüssel, dem Rennschwein aus Uwe Timms Kinderbuchklassiker, ein Gesicht, er illustrierte und zeichnete für viele Werbekampagnen verantwortlich. Jetzt ist der 69-jährige Künstler im Ruhestand und hadert nicht eine Sekunde damit. „Ich schaffe jetzt in drei Wochen so viel wie früher in einem Jahr“, sagt Matysiak. „Gar nicht auszudenken was alles in den nächsten Jahren entstehen kann.“ 

Der Blickfang der Ausstellung ist zweifelsohne der riesige Baum. Von der Ferne betrachtet, wirkt er wie eine Fotografie. Tritt man näher an das wuchtige Werk heran, sieht man die feinen Striche, die durch Gunnar Matysiaks Hand entstanden. Vor rund 40 Jahren hatte er bei einem Freund die Illustration eines Baums betrachtet. „Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich wollte immer einen Baum malen“, erinnert er sich. Aber ein Kleinformat kam nicht in Frage. 1,65 mal 1,65 Meter misst das Bild. Die Blätter am Baum sind unzählig. Buschig, riesig und saftig grün ist der Baum. Der Stamm fest und dick, die Äste unter den vielen Blättern bedeckt. Mehr als neun Monate arbeitete der Künstler an diesem Bild. „Das Thema Baum ist damit für mich abgehakt. Ich male keinen zweiten, das steht fest“, sagt Matysiak schmunzelnd. 

Die 26 Exponate der Schau stammen aus den 1970er, 1990er und 2010er Jahren. Teilweise knüpft er heute an seiner eigenen Kunst früherer Jahre an. „Besonders die Menschen, die im Sand versinken habe ich aufgenommen.“ Heute arbeitet der Künstler mit einer anderen, modernen Technik. War es in den 70er Jahren die Offset-Lithografie, bearbeitet er seine Werke heute mit dem Computer. Er malt einzelne Elemente, koloriert sie mit Wasserfarben, Airbrush und Bleistift. Am Computer setzt er die Einzelteile später zusammen und kann Größe, Farbe und Anordnung variieren. Hingucker sind alle seine Bilder, egal aus welcher Schaffensepoche sie stammen. 

Das Bild „Fossegrimm“ aus den 70ern zeigt einen Mann mit löwenähnlichen Zügen. Wulstige Lippen, Haare, die in alle Himmelsrichtungen abstehen, ein gelockter Bart und ein drahtiger Körper. Die Augen blicken leer, wie die eines gesättigten Löwen, der gerade eine Antilope verspeist hat und sich zur Ruhe legt. Um 2010 entstand das Bild mit dem Namen „Cocoon“. Drei Menschen krönen einen Strauch. Sie sind verwurzelt und zu einer Blüte zusammengewachsen. Ihre Gesichter sehen leidend aus, ihre Augen sind geschlossen. Am Erdboden zischeln sich Schlangen an, in der Luft nimmt ein Vogel Maß für eine Landung auf den menschlichen Körpern. Surreal, mit vielen kleinen Nebenschauplätzen, laden sie zum Interpretieren ein. „Ich weiß gar nicht mehr, was ich mir in den 70er Jahren beim Malen gedacht habe“, sagt der Künstler. „Ich freue mich wenn die Betrachter eigene Ideen haben.“ Gunnar Matysiaks Meisterwerke sind eigen und erinnern doch in ihrer Präzision an die Werke Salvador Dalis. Eine Ausstellung, die für Kunstfans ein Muss ist. Hochklassig, interessant und vielseitig.

Zu sehen ist Gunnar Matysiaks Ausstellung noch bis Samstag, 2. Juli, in der Galerie des Autohauses Steingraber im Holzkirchner Gewerbegebiet: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr.

Kathrin Suda

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