Nach zerstörerischem Streifzug durch Holzkirchen

Eine Nacht Randale: Amtsgericht fällt Urteil gegen Trio 

Holzkirchen – Nach vier langen Prozesstagen ist am Amtsgericht Miesbach nun das Urteil gegen einen Reichersbeurer (21) sowie zwei 19 und 20 Jahre alte Holzkirchner gefallen.

Binnen sechs Monaten müssen die drei jungen Männer jeweils 210 Euro an die rund 14 Geschädigten entrichten, von deren Autos sie die Außenspiegel abgerissen haben sollen, entschied Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid in seinem Urteil. Auch am Parkdeck der Oberland-Realschule hatte das Trio offenbar gewütet, dort wurden Lichtleisten sowie Blitzableiter herausgerissen und teilweise zertreten. Der 20-jährige Holzkirchner muss obendrein wegen einer vorsätzlichen Körperverletzung im Dezember 2015 vor einem Tölzer Nachtclub seinem Opfer 300 Euro Schmerzensgeld bezahlen und einen Freizeitarrest verbüßen. Den Arrest hatte auch die Staatsanwältin gefordert – nebst sozialer Dienste sowie einer Alkoholberatung für alle drei jungen Männer, denn die Taten geschahen unter erheblichem Alkoholeinfluss. 

Zweifel, dass das Trio auf der Anklagebank für die Sachbeschädigungen verantwortlich ist, hatte die Staatsanwaltschaft nicht, nachdem der Reichersbeurer am Tag nach dem zerstörerischen Streifzug bei der Vernehmung durch die Polizei Täterwissen offenbart habe. Betrunken, wie er zwischenzeitlich verlautbaren lassen hatte, sei er bei dieser Aussage nicht gewesen, das hatte ein Alkoholtest bestätigt. „Er wusste genau, wie die Spiegel verbogen und abgerissen wurden“, ergänzte die Staatsanwältin. Das Geständnis des Reichersbeurers solle sich nicht strafmildernd auswirken, da Verteidiger Holger Hesterberg die Polizei-Aussage seines Mandanten an einem der vorherigen Verhandlungstage widerrufen hatte.

Der Rechtsanwalt des 19-jährigen Holzkirchners, Nikolaus Zornek, sah die Sache ganz anders und forderte Freispruch für seinen Mandanten. „Dass mein Mandant in die Sache verwickelt ist, kann von niemandem so wirklich bewiesen werden.“ Der Reichersbeurer habe bei seiner Vernehmung auch kein Täterwissen gehabt: „Es wurden ihm Dinge vorgehalten, die er dann bestätigen sollte – mehr nicht.“ Insgesamt fehlte Zornek auch der Nachweis, welcher der drei jungen Männer was getan haben soll. 

Andreas Hlavaty, Verteidiger des 20 Jahre alten Holzkirchners, schloss sich dieser Meinung an. „Zwei Zeugen behaupteten zudem, dass mein Mandant zum Tatzeitpunkt mit ihnen unterwegs war. Wie also soll er die Taten begangen haben?“ Einen Tatnachweis sehe er gegen seinen Mandanten ebenfalls nicht, da der Reichersbeurer bei der Polizei nur ausgesagt habe, dass die anderen beiden selbst sagen sollten, was sie gemacht hätten. Für die vorsätzliche Körperverletzung in Bad Tölz seien soziale Dienste die richtige Maßnahme. 

„Tatorte sowie -nachweise sind nicht wirklich nachzuvollziehen“, fand auch der Verteidiger des Reichersbeurers. „Wer was gemacht hat, wurde auch nicht herausgearbeitet.“ Die Schadenersatzzahlung in Höhe von 400 Euro an einen Holzkirchner, an dessen Auto die Windschutzscheibe eingeschlagen wurde, habe sein Mandant nur geleistet, „weil er wusste, dass in der Nacht irgendetwas passiert war – was genau, wusste er jedoch nicht“. Die Fingerabdrücke des 21-Jährigen am Parkdeck der Realschule würden auch nichts beweisen. „Er könnte Lichtleisten, die schon am Boden lagen, zertreten haben, was aber dann keine Sachbeschädigung ist.“ Freispruch sei daher die einzige Möglichkeit. 

Der Amtsgerichtsdirektor sah das anders. „Ich bin davon überzeugt, dass die Aussage bei der Polizei der Wahrheit entspricht“, sagte Schmid. Wenn der Reichersbeurer etwas nicht getan habe, „warum sollte er dann einen Schaden begleichen?“ Der 21-jährige sei schon auf dem richtigen Weg gewesen, seinen Fehler einzugestehen, „die Verteidigung wählte jedoch einen anderen Weg und widerrief die Aussage“, so Schmid. Zu den Zweifeln daran, dass der 20-jährige Holzkirchner überhaupt beteiligt gewesen sei, sagte Schmid: „Bei der Polizei sagte der 21-Jährige aus, dass der 20-Jährige dabei war. Deshalb besteht für mich auch kein Zweifel, dass er dabei war.“ 

Die Taten des Trios nannte Schmid „nicht gravierend, sondern einfach eine Dummheit, die im Suff passiert ist."

hph

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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