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Seit acht Monaten im Amt: Sportreferent Jörg Wedekind vor der Sportanlage in der Baumgartenstraße.

Interview mit Sportreferent

„Nicht alles im Moarhölzl konzentrieren“

Holzkirchen - Es war ein cleverer Spielzug vom Gemeinderat: Ende 2015 wurde Jörg Wedekind, ein erfahrener Insider, zum ersten Sportbeauftragten Holzkirchens ernannt. Höchste Zeit für ein Gespräch. 

Herr Sportreferent, Sie schauen fit aus. Heute schon ein Work-out hinter sich?

Wedekind: Schön wär’s. Ich arbeite zurzeit dran, dass der Rücken nicht zu sehr zwickt. Fitnessstudio oder so ist nicht so mein Ding, eher schwinge ich mich aufs Mountainbike, jetzt auch angenehm E-unterstützt. Und ich habe mich breit schlagen lassen, bei unseren Basketballern die 3. Mannschaft zu trainieren.

Leistungssport auf die alten Tage?

Wedekind:  Aber hallo, wir wollen aufsteigen. Alle Altstars der Holzis sind da versammelt. Mike Brunner, der Trainer der Ersten, tanzt nach meiner Pfeife. Wenn das nicht super ist.

Basketballer sind Sie seit Jahren, Sportreferent erst seit ein paar Monaten. Gab es Überraschungen auf den ersten Metern?

Wedekind:  Es hat mich schon verwundert, wie viel Sport und aktive Bewegung in der Gemeinde ohne Vereinsbindung funktioniert. Leider gibt es in Holzkirchen zu wenig Plätze, wo Jugendliche über zwölf Jahren einfach so sporteln oder auch kicken können. Der Hartplatz an der Baumgartenstraße ist zu den reglementierten „Öffnungszeiten“ meist überbelegt, die Plätze an der Haidroad sind für den TuS reserviert. Und klassische Bolzplätze gibt es gar nicht. Hoffentlich werden bald die Sportplätze an der Probst-Sigl-Straße geöffnet, die durften ja bisher nur für Schulsport genutzt werden.

Was sehen Sie als das drängendste Sportproblem Holzkirchens?

Wedekind:  Es muss mehr Austausch geben, zwischen den Vereinen und mit der Gemeinde. Mir würde ein regelmäßiger Stammtisch gut gefallen. Jeder wurschtelt für sich alleine, das muss nicht sein.

Wie würde sich das konkret umsetzen lassen?

Wedekind:  Ein erstes, kleines Projekt ist fast schon fertig. Den Vereinsraum in der Gymnasiums-Turnhalle haben die Sportvereine aus Hartpenning, Föching und Holzkirchen zusammen mit dem Judoteam Oberland zu einem Verkaufsraum mit kleiner Küche ausgebaut. Alle Kosten haben sie selbst getragen. Mir war wichtig, dass sie nicht zur Gemeinde gerannt sind, um die Hand aufzuhalten. Das alles war organisatorisch nicht leicht, aber ein schöner Beginn, sehr motivierend.

Hat der Holzkirchner Fußball an der „Haidroad“, mitten im Ortsgebiet, noch eine Zukunft?

Wedekind:  Wenn die sportliche Entwicklung so weitergeht, mit immer mehr Nachwuchs-Teams, wird es eng. Die Saison ist kurz, der Rasen wird stark strapaziert. Obwohl an der Haidroad mit Manfred Hantl der Weltmeister des grünen Rasens tätig ist, wäre jedes Jahr zweimal eine Sanierung nötig, die 10 000 Euro kostet. Man muss sich vorstellen, dass das Gelände seit 40 Jahren intensiv bespielt wird. Eine Sanierung dort ist wie eine Vitaminspritze für einen 90-Jährigen: Tut gut, trägt aber keine Zukunft.

Seit Jahrzehnten gibt es Pläne, draußen im Moarhölzl ein Sportzentrum zu bauen. Warum wird daraus nichts?

Wedekind:  Es ist Sache der Gemeinde und die hat andere wichtige Aufgaben zu lösen. Der Verkehr, die Geothermie – das alles kostet. Ein großes Sportzentrum wäre ja auch verbunden mit teurer Straßenanbindung, einem Kreisverkehr, einer Unterführung. Außerdem fehlen für den großen Wurf noch Grundstücke. Ich verstehe, dass die Gemeinde nicht mit der Planung beginnen wollte, ohne alle Flächen zu haben, sonst wäre sie preislich erpressbar.

Manchmal hat man den Eindruck, die Fußballer wollen auch gar nicht wirklich raus.

Wedekind:  Da ist was dran, die emotionale Bindung zur „Haidroad“ ist riesig. Aber bei aller Nostalgie: Es ist wie bei einer Familie, die wächst. Mag die alte Wohnung noch so schön sein, irgendwann braucht man was Größeres.

Also doch ins Moarhölzl?

Wedekind:   Vielleicht für die Fußballer. Aber die Idee, alle Sportstätten von Fußball über Tennis bis zu Leichtathletik, im Moarhölzl zu konzentrieren, die ist nicht mehr zeitgemäß. Jetzt geht es darum, verschiedene Plätze für Sport-„Cluster“ zu finden, also Standorte für jeweils ein sinnvolles Bündel von Sportstätten.

Ein Beispiel?

Wedekind:  Zum Beispiel bieten der RSLC und Grün-Weiß Triathlon-Training an, für das sie sich eine 400-Meter-Bahn wünschen. Leider wurde die Chance vertan, sich dafür am neuen Gymnasium eine Option offen zu halten. Jetzt gibt es die Idee, eine „Finnenbahn“ zu konzipieren. Das ist eine Laufbahn, die mit Rindenmulch ausgelegt ist, sie soll Waldboden simulieren, ist aber metergenau abgesteckt. Warum so etwas nicht an der Baumgartenstraße andenken, wo es ohnehin schon die Laufrunde gibt. Auch Freizeitsportler könnten den Parcours nutzen. Über so etwas müssen wir nachdenken.

Das Eisstadion ist ein beliebter Treffpunkt, aber technisch in die Jahre gekommen. Zudem plant die Gemeinde gegenüber ein Wohngebiet, das aber erst dann kommt, wenn das laute Eisstadion verschwunden ist. Muss das Stadion raus?

Wedekind:  Ein Eisstadion an der Nordspange, in der Nähe des Gymnasiums – warum nicht so eine Vision spinnen? Ende September ist ein Gespräch mit allen Sportvereins-Vorsitzenden geplant, da will ich das mal ansprechen. Ein neues Eisstadion müsste überdacht sein und ließe sich im Sommer eventuell sogar für Veranstaltungen nutzen.

Gehen wir ins Wasser und weg vom Vereinssport: Viele Holzkirchner wünschen sich ein Freibad.

Wedekind:  Ich zähle dazu. Im Zusammenhang mit der Geothermie sehe ich reelle Chancen, in der Alten Au ein Warmfreibad hinzuzubekommen. Ohne viel Kokolores, aber dank der Geothermie-Wärme auch in der Vor- und Nachsaison schwimmbar, ohne zu erfrieren. Würde mir gut gefallen.

Holzkirchen ist vergleichsweise reichlich mit Turnhallen gesegnet. Reicht das Angebot?

Wedekind:  Wir haben zehn Halleneinheiten zur Verfügung, drei Dreifachhallen und eine Einzelhalle. Es wäre weiterer räumlicher Bedarf da, aber momentan sind alle Vereine zufrieden.

Kein Wunder, die Gemeinde verlangt für ihre Hallen kein Geld.

Wedekind:  Und das sollte so bleiben. Einige sagen zwar: Was nichts kostet, ist nichts wert. Aber die soziale Leistung der Vereine, insbesondere die Nachwuchsarbeit, ist im Grunde unbezahlbar.

Die Freien Wähler fordern seit Jahren ein Sportstätten-Konzept der Gemeinde. Eine sinnvolle Idee?

Wedekind:  Die Vereine wünschen sich so ein Konzept, weil es Perspektiven aufzeigt. Die Gemeinde ihrerseits bekäme eine ortsplanerische Richtschnur. Es würde weiterhelfen, wenn wir alle wissen, welche Grundstücke wo zur Verfügung stehen, wo es in die Ortsentwicklung passt – auch um Binnenverkehr einzusparen. Ich würde so ein Konzept gerne anschieben.

Zwischen TuS und der Gemeinde herrschte zuletzt nicht das beste Einvernehmen. Die einen sagen, sie bekommen zu wenig Unterstützung. Die anderen ärgern sich über solche Vorwürfe. Ist es gelungen, die Wogen zu glätten?

Wedekind:  Ja schon, aber es ist schwierig. Nach der Schmidpeter-Ära ist die neue Führung bemüht, sich neu zu positionieren. Ich hoffe, wir sind da auf einem guten Weg. Die Gemeinderäte sollen wieder glauben können, was der TuS sagt.

Das Sportereignis des Jahres liegt hinter uns. Hat Sie bei den olympischen Spielen in Rio etwas besonders beeindruckt?

Wedekind:   Wie alle habe ich mich von unseren Beachvolleyballerinnen faszinieren lassen. Und was unsere Teams bei Olympia geleistet haben, war wirklich phänomenal. Teamgeist schlägt Talent, daran glaube ich.

Welchen Sportler würden Sie gerne mal treffen?

Wedekind:  Mit Thomas Müller würde ich mich gerne mal austauschen. Mich interessiert, wie er es geschafft hat, ein Multimillionär und Fußballstar zu werden und trotzdem so natürlich, locker und frech zu bleiben. Vielleicht würde er mir bei einer Runde Golf verraten, wie er so tickt.


Das Gespräch führte

Andreas Höger

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