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Ein fulminantes Quintett: Pianist Freddy Kempf (hinten) samt Streichquartett mit (vorne v.l.) seiner Frau Katja Lämmermann, Birgit Seifart, Dorothea Galler und Franz Lichtenstern im Oberbräu-Festsaal.

Pianist Freddy Kempf begeistert mit Streichern in seiner Wahlheimat Holzkirchen

Klassikkonzert im Champions League-Format

Holzkirchen – Sympathisch und virtuos: Pianist Freddy Kempf setzte jetzt im Oberbräu-Festsaal in seiner Wahlheimat Holzkirchen mit einem Streichquartett Elgar und Schumann in Szene. An der Geige: seine Frau Katja Lämmermann. 

Ein freudiges Raunen ging durch die Reihen, als Freddy Kempf zum Ausklang des Kammermusikabends im Oberbräu-Festsaal Chopin ankündigte. „Meine Kollegen wollen unbedingt, dass ich etwas alleine spiele“ erklärte sich der sympathische Wahl-Holzkirchner, während er die Noten der vorherigen Stücke wegpackte und sich an den Flügel setzte. Ein unverhofftes Extra-Zuckerl, das einen hochkarätigen Konzertabend mehr als gelungen abrundete. 

Sehr gemischt war das Publikum an diesem Abend und schon im Foyer war die gespannte Vorfreude spürbar, was man diesmal vom Stammgast des Holzkirchner Kultur im Oberbräu zu hören bekommen würde. Nach einem Solokonzert im Vorjahr brachte er diesmal vier Streicher mit: seine Frau Katja Lämmermann (Violine) und deren Kollegen vom Münchner Gärtnerplatztheater Birgit Seifart (Violine), Dorothea Galler (Bratsche) und Franz Lichtenstern (Violoncello). Zu fünft verzauberten sie im Nu den Saal, der sich einmal mehr als wunderbarer Rahmen mit außergewöhnlicher Akustik bewährte. Von Beginn an überwältigte die Klangfülle die Zuhörer, die begeistert dem virtuosen Spiel lauschten und dabei Kammermusik im Championsleague-Format genießen durften. Jeder Ton präzise und klar gesetzt, was dem gesamten Klangkörper noch mehr Kraft gab. Nicht von ungefähr wollte der Applaus schon zur Pause nicht enden. 

Gehört hatte man bis dahin Edward William Elgars Klavierquintett a-Moll, Opus 84. Das Besondere am 1919 vollendeten Werk des Nestors der national-englischen Schule des 19. Jahrhunderts: Das Klavier ist als eine von fünf Stimmen angelegt. Ganz selbstverständlich fügt es sich ein in den Reigen der Streicher und gibt gerade beim Moderato Allegro über weite Strecken nur ganz dezent den Hintergrund, um dann wieder fulminant Akzente zu setzen. Der irische Dramatiker und Musikkritiker George Bernard Shaw nannte die Einleitung euphorisch „the finest thing of this kind“ seit Beethovens Coriolan-Ouvertüre. Mal hopst Kempf energisch auf seinem Klavierhocker, ehe sich der Flügel wieder zurück nimmt. Mal brummt Franz Liechtenstein mit dem Cello dazwischen, ehe das Auftaktstück mit einem pointierten Ton endet. Beeindrucktes Flüstern im Saal. Die Musik ist so gefällig wie besonders, und im Nu ist es Zeit für die Pause. 

Danach gibt es das Klavierquintett Es-Dur, Opus 44 von Robert Schumann, dessen Geburtstag sich am Abend des Konzerts zum 106. Mal jährt. Im Programm liest man von einem Schaffensrausch im Herbst 1842, während dessen er an fünf Tagen das Quintett vollendete, das seine Frau Clara von den Eindrücken vor verschlossener Tür als „herrlich“ und „voll Kraft und Frische“ beschreibt. Ihr hatte er es gewidmet, sie selbst sollte das Werk spielen, das die Gattung des Klavierquintetts begründete. Mit einem zufriedenen Lächeln erheben sich die Streicher. Das Publikum ist begeistert und honoriert es mit viel Applaus, als Freddy Kempf („Warum muss immer der einzige Ausländer etwas sagen?“) augenzwinkernd ankündigt: „Wir haben doch noch etwas vorbereitet.“ 

Als Zugabe erklingt eine Sonate aus dem Scherzo von Antonín Dvo(r)ák. Hatte Kempf noch Mühe, dass ihm der Zungenbrecher von Ankündigung fehlerfrei über die Lippen kam, ging es an den Instrumenten virtuos, leicht und fröhlich in die dritte Runde.

Heidi Siefert 

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