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„Man denkt, man kommt eh nicht dran“: Vanessa Bludau und Fabian Wagner aus Holzkirchen haben die Transplantation schon hinter sich.

Eine Geschichte, die Mut machen soll.

Stammzellenspender aus Holzkirchen berichten 

Holzkirchen - Vanessa Bludau (27) und Fabian Wagner (29) aus Holzkirchen haben Stammzellen gespendet. Vielleicht können sie damit zwei an Blutkrebs erkrankten Italienerinnen das Leben retten.

Fabian Wagner, Brille, Bart, hat keine Minute gezögert. „Schließlich ist das die letzte Möglichkeit, einem Menschen das Leben zu retten“, sagt der 29-Jährige. Er kann vielleicht einer Dreijährigen aus Italien helfen, die an Leukämie leidet. „Man muss sich in die Lage der Eltern versetzen. Was die und das Kind alles durchgemacht haben“, meint er. „Da war es das Kleinste auf der Welt, dass ich nach Nürnberg ins Krankenhaus gefahren bin.“ Vanessa Bludau, eine zierliche 27-Jährige mit langen Haaren, sitzt neben ihm und nickt. „Man hat ein gutes Gefühl, wenn man gespendet hat.“ Sie kann eventuell einer Mittfünfzigerin aus Italien das Leben retten.

Die beiden Holzkirchner haben eines gemein: Sie haben Stammzellen für Blutkrebskranke gespendet. Und sie wollen andere dazu ermutigen, es ihnen gleichzutun.

Typisieren ließen sie sich im September 2013. Damals veranstaltete der Faschingsverein De Damischen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Typisierungsaktion auf dem Kartoffelfest, um der sechs Monate alten Emilie zu helfen, die an Leukämie litt (wir berichteten). 484 Menschen ließen sich Blut abnehmen und in einer Spenderdatei registrieren. Zusätzlich wurden rund 20 000 Euro an die DKMS gespendet.

„Man denkt, man kommt eh nicht dran“, sagt Bludau. „Die Wahrscheinlichkeit ist mit einem Lottogewinn zu vergleichen“, meint Wagner. Laut DKMS-Pressesprecherin Julia Runge liegt die Wahrscheinlichkeit, einen „genetischen Zwilling“ zu finden, in guten Fällen bei eins zu 20 000. „Innerhalb einer ethnischen Gruppe ist es etwas einfacher.“ In schlechten Fällen liegt der Wert bei eins zu mehreren Millionen. Rund 36 000 Menschen im Jahr erkranken deutschlandweit an Blutkrebs, die bekannteste Form ist Leukämie.

Bludau und Wagner landeten einen Treffer. Für sie grenzt es an ein Wunder, dass ausgerechnet sie, die denselben Freundeskreis haben, innerhalb kurzer Zeit angeschrieben wurden. Runge hingegen findet das gar nicht so unwahrscheinlich. Die Spenderdateien seien weltweit gut vernetzt.

Wie dem auch sei. Erst kam der Brief mit der Info, dass man in der engeren Auswahl landete. Dann die Blutabnahme beim Arzt. „Man hätte jederzeit nein sagen können“, erklärt Bludau. Die beiden haben sich nie gedrängt und stets gut informiert gefühlt. Sie zogen das durch – bis zur Transplantation. „Die meisten denken, dass einem da was aus dem Rücken entnommen wird“, sagt Wagner. Deshalb würden viele schon eine Typisierung scheuen.

Bei der Transplantation gibt es zwei Methoden. Der Spender könne angeben, welche ihm lieber sei, erklärt Runge. Allerdings hänge das auch vom Krankheitsbild ab. Laut DKMS wird in rund 20 Prozent der Fälle Knochenmark entnommen. Dabei werden dem Spender Stammzellen durch eine Punktion des Beckenkamms entfernt. Unter Vollnarkose. Das hat Wagner im Juni gemacht. „Danach fühlte es sich wie ein Muskelkater an.“ Anschließend hatte er Eisenmangel. Die Ärztin riet ihm, ein Steak zu essen. Die zweite Methode, die in 80 Prozent der Fälle zum Tragen kommt, wendeten die Ärzte Ende Mai bei Bludau an. Hier werden Stammzellen aus dem fließenden Blut gewonnen. „Ähnlich wie bei einer Dialyse“, sagt Runge. „Das Schlimmste sind die Spritzen“, sagt Bludau. Einige Tage zuvor muss sich der Patient einen Wachstumsfaktor spritzen, um Knochenmark ins Blut zu schwemmen. Nach dem Eingriff war Bludau nur ein wenig schwindlig.

Drei Monate nach der Transplantation erfahren sie voraussichtlich, ob die Therapie anschlägt. „Es wäre sehr interessant, das Mädchen eines Tages kennenzulernen“, sagt Wagner. Weil beide Empfänger in Italien leben, wird das schwierig. „Italien ist ein Land, das die Aufhebung der Anonymität nicht erlaubt“, erklärt Runge. Innerhalb Deutschlands sei das einfacher. Beide Seiten müssen schriftlich einwilligen, dass sie den Kontakt suchen. Manchmal entstehen sogar Freundschaften zwischen den genetischen Zwillingen.

Die kleine Emilie hingegen hat ihren Zwilling nie gefunden. Sie ist kurz nach ihrem ersten Geburtstag gestorben, sagt Thomas Grassinger vom Faschingsverein, der mit ihrer Familie befreundet ist und die Aktion damals initiierte. Für viele andere Menschen gibt es derweil Hoffnung. Auch, weil es Menschen wie Bludau und Wagner gibt.

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