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Geste des Respekts: Gottesdienstbesucher in der St. Laurentius in Holzkirchen in stehender Haltung. Das drückt zugleich die Bereitschaft aus, sofort loszulaufen, um das Evangelium zu verkünden.

Wann muss man in Kirche stehen, sitzen, knien?

Pfarrer hat genug von verwirrten Gläubigen: Ab jetzt gibt's klare Regeln

Holzkirchen - Kirchgänger sind sich oft unsicher. Pfarrer Gottfried Doll (48) führt daher einheitliche Regeln ein. Im Gespräch erklärt er welche und warum.

Herr Pfarrer Doll, wissen viele Gläubige heutzutage gar nicht mehr, wann man im Gottesdienst stehen, sitzen und knien muss?

Doll: Die regelmäßigen Kirchgänger wissen schon noch Bescheid. Weil wir zum Teil aber sehr verschiedene und häufig wechselnde Seelsorger hatten, die das verschieden interpretierten, wird das in den Kirchen sehr unterschiedlich gehandhabt. Ab kommendem Wochenende wollen wir in den Kirchen unseres Pfarrverbands eine einheitliche liturgische Haltung einführen, die unsere Seelsorger während der Gottesdienste erklären. Auch, weil wir durch den Zusammenschluss von Holzkirchen und Warngau jetzt ein Pfarrverband sind.

Ist es denn so schlimm, wenn das jeder anders handhabt?

Doll:  Mein Eindruck ist, dass die Leute gerne darüber Bescheid wissen, wann sie was im Gottesdienst tun sollen.

Gerade bei Hochzeiten, wo auch Nicht-Kirchgänger die Messe besuchen, gibt der Pfarrer oft ein Zeichen, winkt unsichere Zuhörer zum Aufstehen hoch und so weiter. Machen Sie das auch?

Doll:  Nein, in den Gottesdiensten in der Regeln nicht. Ich bin ja schließlich kein Regisseur (er lacht).

Kommen diese Regeln von ganz oben?

Doll:  Ja. In der Tradition bis zum Zweiten Vatikanischen Konzils las der Pfarrer die Messen auf Latein vor. Weil viele Leute kein Latein verstanden, zogen sie sich oft in ihr privates Gebet zurück, etwa mit Rosenkranz. Dabei kann man knien. Seit dem Konzil sind die Messen auf Deutsch. In diesem Zuge gab das Konzil auch neue Regeln für die Körperhaltung vor.

Warum ist die Körperhaltung überhaupt so wichtig?

Doll:  Jede Körperhaltung drückt etwas Bestimmtes aus. Stehen symbolisiert den befreiten Christen, es drückt zugleich die Bereitschaft aus, sofort loszulaufen, um das Evangelium zu verkünden. Außerdem ist es eine Geste des Respekts. Wenn man jemanden begrüßt, steht man ja auch auf.

Und das Sitzen drückt was aus?

Doll:  Das ist zum Ausrasten gedacht, für das bequeme Zuhören zum Beispiel bei der Predigt.

Was will ein knieender Christ sagen?

Doll:  Wie gesagt dient es dem privaten Gebet. Es ist aber auch Ausdruck der Ehrfurcht und der Demut gegenüber dem Schöpfer. Daher kniet man bei der Wandlung.

Können Sie unbedarften Gottesdienstbesuchern grobe Eckdaten mit auf den Weg geben?

Doll:  Beim Einzug des Altardienstes stehen die Gläubigen bis zum Ende des Tagesgebets. Zu den Lesungen dürfen sie sich hinsetzen, beim Evangelium wieder aufstehen. Während der Predigt sitzt man, für das Glaubensbekenntnis und die Fürbitten stehen wir wieder auf. Bei der Gabenbereitung – also während Pfarrer und Ministranten aktiv sind – setzen sich die Besucher. Bei der Wandlung knien alle, wenn sie das „Geheimnis des Glaubens“ bekennen, stehen sie wieder auf – bis zur Kommunion. Zum Schlussgebet stehen alle, auch wenn sie den Segen empfangen.

Was ist der schlimmste Fehler, den man dabei begehen kann?

Doll:  Man kann in dem Sinne nichts falsch machen.

Trotzdem, wo kann man all diese Regeln notfalls nachlesen?

Doll:  Die stehen in der Allgemeinen Einführung in das Römische Messebuch. Das ist quasi die Betriebsanleitung für den Gottesdienst.

Gibt’s Ausnahmen? Drückt Gott auch mal ein Auge zu?

Doll:  Wenn sich jemand aus gesundheitlichen Gründen zum Beispiel nicht mehr hinknien kann, muss er das natürlich nicht. Die Gesundheit ist da wichtiger als der Gruppenzwang. Darüber hinaus soll natürlich jeder auch die Freiheit behalten, selbst über seine Körperhaltung zu entscheiden.

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