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Abtreppungen und gezackte Ränder sollen laut gemeindlicher Solaranalagensatzung vermieden werden. Es muss eine rechteckige Fläche sein. Deshalb muss Wolfgang Ströbele seine Photovoltaik-Anlage zurückbauen. 

Gemeinde fordert Rückbau

Weil die Ränder Zacken haben: Solaranlage muss weg

Holzkirchen - Die Gemeinde fordert, dass das Ehepaar Ströbele die PV-Anlage auf seinem Haus zurückbaut. Weil diese der Solaranlagensatzung widerspreche. Die Eigentümer wehren sich.

Wolfgang Ströbele (52) versteht die Welt nicht mehr. „Wo alle auf regenerative Energie machen, kommen die mit ihrer Solaranlagensatzung daher“, schimpft er. Diese sei altmodisch in Zeiten der Energiewende. „Wir haben alles andere versucht, als ein hässliches Haus zu bauen.“ Was ihn noch mehr ärgert: „Manche kriegen Extrawürste, manche nicht.“

Eigentlich waren die Ströbeles stolz auf ihr Niedrigenergiehaus 

Vor gut zwei Monaten zog Ströbele mit seiner Frau Anke in den Neubau im Holzkirchner Ortsteil Erlkam. Es handelt sich offiziell um ein Niedrigenergiehaus samt Photovoltaik-Anlage und Luft-Wasser-Wärme-Pumpe. Die Ströbeles erzeugen damit Strom und Wärme für den Eigenbedarf, 30 Prozent dürfen maximal eingespeist werden. Ziel ist ein maximaler Eigenverbrauch. Jetzt fordert die Gemeinde sie auf, die PV-Anlage abzubauen. Dagegen wehrt sich das Ehepaar. „Wir waren schon beim Anwalt.“ Auch der Nachbar sei betroffen.

Im September kam Post von der Gemeinde

Die Ströbeles bekamen im September Post von der Gemeinde. „Sie haben auf Ihrem Neubau eine Solaranlage angebracht, die im Widerspruch zu den Festsetzungen der gemeindlichen Solaranlagensatzung steht“, heißt es im Schreiben. Begründung: Laut Satzung sollen Solaranlagen als „zusammenhängende klar definierte rechteckige Flächen ausgebildet werden“. Abtreppungen und gezackte Ränder „insbesondere um Kamine, Dachflächenfenster und entlang von Dachgraten, wie bei Ihrem Bauvorhaben jetzt ausgeführt, sollen vermeiden werden“, so die Gemeinde. 

Im Übrigen wurde die Satzung mit der Baugenehmigung zugeschickt. Die Folge: „Wir bitten Sie, die unzulässige Solaranlage bis spätestens Ende November 2016 zurückzubauen beziehungsweise satzungskonform auszuführen“, steht in einem weiteren Schreiben. „Nach Ablauf der eingeräumten Frist werden wir den Vorgang ohne weitere Aufforderung an die Bauaufsichtsbehörde beim Landratsamt weiterleiten.“

Hausbesitzer wehren sich

In zwei Schreiben an die Gemeinde rechtfertigten Anke und Wolfgang Ströbele ihre Anlage. Demnach hätten sie sich bemüht, die Satzung einzuhalten. Leider sei dies für den Punkt „Abtreppung und gezackte Ränder sollen vermieden werden“ nicht möglich gewesen. „Im Interesse einer einheitlichen Optik der Dachfläche haben wir aber gemeinsam mit den Nachbarn auf eine absolut symmetrische Gestaltung geachtet.“ 

Darüber hinaus sei ihr Vorschlag, im Interesse einer homogenen Optik, anthrazitfarbene Ziegel anzubringen, abgelehnt worden. Die PV-Anlage sei elementarer Bestandteil der Heizungsanlage und der Eigenstromversorgung. Im Falle einer Reduzierung der Module auf eine rechteckige Fläche, wäre der Abdeckungsgrad des Energiebedarfs erheblich geringer. 

Neueste Technik im Namen der Energieautarkie - das passt der Gemeinde nicht

Man habe im Namen der Energieautarkie die neueste Technik auf dem Markt verbaut. Investitionskosten: 70.000 Euro. Es gab Fördermittel des Landes Bayern und der KfW. „Wir kriegen eine öffentlich geförderte Anlage, und eine andere öffentliche Stelle ist dagegen“, bemerkt er. Die Ströbeles hoffen auf eine Ausnahme von der Satzung, darauf, dass die Gemeinde „ökologische und innovative Energiekonzepte“ unterstützt. „Gerade vor dem Hintergrund der eigentlich von öffentlichen Stellen angestrebten Energiewende eignet sich das gesamte Bauvorhaben eher als Musterbeispiel für eine optisch und konzeptionell gelungene Anlage.“

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) bemerkt, dass der Gemeinderat sich heuer im Mai explizit für die Satzung aussprach, nachdem die Grünen-Fraktion deren Aussetzung gefordert hatte. Auch wenn PV-Anlagen grundsätzlich der richtig seien, „haben wir Angst vor Präzedenzfällen“. Die Gemeinde habe nur bei „marginalen Abweichungen“ ein Auge zugedrückt“. Natürlich gebe es auch „blöde Grenzfälle“. Es wäre besser gewesen, so Löwis, wenn der Planer vorher die Details mit der Gemeinde abgesprochen hätte. „Es gab andere Fälle, wo Solaranlagen rückgebaut werden mussten“, sagt ein Bauamtsmitarbeiter. Ob die Ströbeles ihre Anlage tatsächlich rückbauen müssen, ist offen. „Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.“

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