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Grüne Wiese wird Bauplatz: Auf dieser Fläche nördlich des Sport-Scheck-Baus will Bergzeit seinen neuen Firmensitz in die Höhe ziehen.

Bergzeit-Pläne im Otterfinger Gewerbegebiet

Nachbar wehrt sich gegen "Monsterbau"

Otterfing - Ein Nachbar wehrt sich: Stefan Weitl feuert aus allen Rohren gegen den geplanten Neubau des Sportartikel-Händlers Bergzeit im Otterfinger Gewerbegebiet. Er beklagt insbesondere unzureichenden Lärmschutz. Der Gemeinderat zeigte sich unbeeindruckt und treibt die Änderung des Bebauungsplans voran. Bergzeit will heuer mit dem Bau beginnen.

Es ist das letzte, große Grundstück im Gewerbegebiet: Rund 14 000 Quadratmeter erwirbt Bergzeit von der Gemeinde (Kaufpreis: rund zwei Millionen Euro), um darauf einen repräsentativen Firmensitz und ein großes Versandlager zu errichten (wir berichteten). Bis dato ist das Unternehmen im benachbarten Scheck-Gebäude eingemietet.

Der Neubau trägt insbesondere dem boomenden Online-Handel Rechnung: Laut Geschäftsführer Maximilian Hofbauer können in den Regalen des mächtigen Logistik-Baus rund 100 000 Produkte auf weltweiten Versand warten. Täglich sollen bis zu 7000 Pakete rausgehen. Wie es in der Betriebsbeschreibung heißt, ist im Regelbetrieb mit täglich 18 Lkw- und fünf Transporterfahrten zu rechnen. 

Stefan Weitl vermisst in dieser Planung „zugunsten eines bevorzugten Investors“ jede Rücksicht auf Nachbarn und Gemeindegefüge. Er selbst baute vor wenigen Jahren nördlich angrenzend an das künftige Bergzeit-Grundstück ein Gebäude, in dem Kleinbetriebe und Existenzgründer, aber auch Wohnungen untergebracht sind. Der jetzt geplante „Monsterbau“, so sein Vorwurf, ziehe mehr Verkehr nach Otterfing. 

Sehr ausführlich hinterlegte er im Zuge der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung, die durch die Änderung des Bebauungplans nötig wird, seine diversen Bedenken – vom Brandschutz über die Abwasserbeseitigung bis zu Verkehrs- und Lärmbelästigung. Zusätzlich schaltete er einen Fachanwalt ein. Bauamtsleiter Heinz Hirz hatte dazu Erwiderungen formuliert, der Vortrag in der jüngsten Sitzung dauerte zwei Stunden. CSU-Gemeinderätin Susanne Weitl, die Frau des Beschwerdeführers, war wegen persönlicher Befangenheit von der Beratung ausgeschlossen.

Laut Lärmschutzgutachten und Einschätzung des Landratsamts reichen „organisatorische Maßnahmen“, um die angrenzende Bebauung zu schützen. Nachts sind Lieferverkehr und Ladetätigkeiten verboten. Weitl indes zweifelt die Expertise an; er fordert baulichen Lärmschutz, etwa in Form einer Wand oder gar einer Einhausung der rund um das Bergzeit-Gebäude führenden Lieferstraße.

Nach Einschätzung von Weitls Anwalt entspricht die nähere Umgebung dem Charakter eines Mischgebiets, was schärferen Lärmschutz bedinge. Tatsächlich ist die Wohnnutzung beträchtlich, laut Gemeinde sind im Bebauungsplangebiet allein acht Kinder gemeldet. Weitl sieht zudem nicht berücksichtigt, dass er auf seinem zweiten, noch unbebauten Grundstück auch bis zu zwei Wohnungen plant.

Bei all diesen Wohnungen handle es sich um keine normale Wohnnutzung, betonte Hirz, „sondern nur um Betriebswohnungen, die einem Gewerbe zugeordnet sein müssen“. Die Gemeinde werde bald alle Wohnungen diesbezüglich überprüfen. Plane Weitl weitere Wohnungen, müsse er nachweisen, dass die Immissions-Belastung den Vorgaben entspricht. Laut Hirz besteht am Charakter eines Gewerbegebiets kein Zweifel, zumal bereits einige Großbauten realisiert worden seien.

Das von Weitl kritisierte wilde Parken im Gewerbegebiet bestätigte indes Stefan Burgmayr (FWG). „Wir werden das stärker kontrollieren“, kündigte Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) an.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat, die Änderung des Bebauungsplans ein zweites Mal öffentlich auszulegen. Weitl will nicht klein beigeben. Laut Landratsamt reichte er eine Petition im Landtag an, um die baurechtlichen Umstände des Bergzeit-Baus überprüfen zu lassen. (avh)

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