+

"Man sollte mit größerer Sorgfalt arbeiten"

Gemeinderat zerpflückt Arbeit der eigenen Kämmerei

Otterfing – IT-Kosten, die plötzlich von 10.000 auf 40.000 Euro ansteigen und eine falsche Planung beim Wasserverbrauch: Der Vorsitzende des Otterfinger Rechnungsprüfungs-Ausschusses stellt der Kämmerei ein schlechtes Zeugnis aus.

Die Feststellung der Jahresrechnung ist prinzipiell eine Formalie. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Gemeinderats checkt, ob die Kämmerei Ein- und Ausgaben gut im Griff hatte und die Vorgaben des Haushalts eingehalten wurden. Die Otterfinger Rechnungsprüfer nahmen sich zuletzt das Zahlenwerk von 2015 vor – und waren nicht ganz zufrieden, was ein vergleichsweise ungewöhnlicher Vorgang ist. „In der Summe ist alles in Ordnung“, sagte Michael Falkenhahn (SPD), Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses jetzt im Gemeinderat, „aber es gab Auffälligkeiten, über die man reden muss.“ Umzusetzen hat diese Hinweise ein neuer Kämmerer: Stefan Gehentges (57) übernahm den Posten von Vorgängerin Birgit Jaskolla, die nach drei Jahren im Amt in die freie Wirtschaft wechselt (wir berichteten).

Falkenhahn mahnte besonders eine bessere Übersichtlichkeit des Zahlenwerks an. So sei in 2015 unnötigerweise ein „Defizit“ von über 500 000 Euro entstanden, weil ein zugesagter Zuschuss der Regierung schon als Einnahme verbucht worden war, aber erst verspätet ausgezahlt wurde. Ein durchaus üblicher Vorgang. „Hier war die Kämmerei zu optimistisch“, stellte Falkenhahn fest, „man sollte bei solchen Vorgängen mit größerer Sorgfalt arbeiten.“ Um als Gemeinderat einen regelmäßigen Überblick über die aktuelle Finanzlage zu erhalten, mahnte der Ausschuss vierteljährliche Soll-Ist-Aufstellungen der Kämmerei an. „Der Gemeinderat sollte immer wissen, welche Tendenzen es gibt“, betonte der Ausschussvorsitzende.

Ungereimtheiten entdeckte der Ausschuss zudem bei der Abrechnung der IT-Kosten (Datenverarbeitung) für die Gemeindeverwaltung. Die Pauschale in Höhe von 10 000 Euro habe nicht gereicht, sodass 30 000 Euro an zusätzlichen „Regiekosten“ für die beauftragte Firma fällig wurden. „Wir sind davon ausgegangen, dass auch solche Sonderkosten vom Wartungsvertrag gedeckt sind“, sagte Falkenhahn. Sollte dies nicht der Fall sein, sei der Wartungsvertrag zu ändern.

Auch bei der Wasserabrechnung habe die Kämmerei zuletzt keine glückliche Hand bewiesen, fuhr Falkenhahn fort. Der wetterbedingt ungewöhnlich hohe Verbrauch von 2014 habe zu der irrigen Annahme geführt, diese Ansätze auch für 2015 zu verwenden. „Diese Werte waren aber deutlich zu hoch angesetzt.“ Insgesamt gelte es, so Falkenhahn, „genau hinzuschauen, ob es weitere Haushaltsstellen gibt, die überprüft werden müssen“.

Obschon die Rechnungsprüfer im Gremium mahnend den Zeigefinger hoben, segnete der Gemeinderat die Jahresrechnung 2015 letztlich einstimmig ab – und entlastete damit den Leiter der Gemeindeverwaltung, Bürgermeister Jakob Eglseder. Die formalen Auffälligkeiten führt der Bürgermeister auf technische Neuerungen zurück. „Vielleicht liegt das alles daran, dass wir in der Kämmerei die EDV-Programme umgestellt haben“, vermutet der Rathauschef. Er ist überzeugt, dass der neue Kämmerer die Probleme schnell in den Griff bekommt: „Das ist ein sehr erfahrener Mann.“

avh

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Fest für Metal-Fans ist angerichtet 

Otterfing – Es ist angerichtet für Heavy Metal-Fans: In Otterfing findet am Samstag das erste Trveheim-Festival statt. Headliner sind die Briten von Demon, eine …
Das Fest für Metal-Fans ist angerichtet 

Lkw-Parkplatz an A8 bleibt in Warteschleife

Otterfing – Der Planfeststellungsbeschluss für den Lkw-Parkplatz an der A 8 lässt weiter auf sich warten. Ob die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets den Standort …
Lkw-Parkplatz an A8 bleibt in Warteschleife

Auffahrunfall auf der A 8 Richtung Salzburg - Stau bis zur A 99

Otterfing - Auf der Autobahn A8 hat sich zwischen Otterfing und Holzkirchen ein Auffahrunfall mit mehreren Fahrzeugen ereignet. Ein riesiger Stau war die Folge. Die …
Auffahrunfall auf der A 8 Richtung Salzburg - Stau bis zur A 99

Bauwünsche am Ortsrand Palnkam

Otterfing – Für zwei Wohnbau-Vorhaben bohrt die Gemeinde Otterfing ihren Bebauungsplan Palnkam auf. Direkt am Ortsrand sollen anstelle einer Kfz-Gewerbehalle zwei …
Bauwünsche am Ortsrand Palnkam

Kommentare