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„Midlife-Greis“: Michi Marchner versteht es, seine Zuschauer ins Geschehen einzubinden.

Von Campern und Reihenhäusern

Kulturwoche: Michi Marchner begeistert Publikum

Otterfing - Der Musikkabarettist Michi Marchner begeistert Publikum in der Schulaula mit Wortspielereien.

„Der Camper und die Camperin haben im Camper einen Tramper drin.“ Aha. Wortwitz à la Michi Marchner. Ein kurzer Satz, für sich stehend eigentlich trivial. Aber Marchner schafft es, mit solchen Wortspielereien ganze Geschichten zu erzählen, besser gesagt zu singen, und das ist schon eher genial. Und vor allem komisch und überraschend.

Bei der Otterfinger Kulturwoche amüsierte der Wörterjongleur und Musikkabarettist Marchner seine Zuhörer gute zwei Stunden lang in der Schulaula unter dem Motto „Dichter, Denker, Wortverrenker.“ Ohne Zugaben ließen sie ihn aber nicht gehen. Das Verhältnis zum Publikum war da schon so, als stünde ein alter Bekannter auf der Bühne.

Marchner versteht es eben, sein Publikum ins Geschehen einzubinden, scherzt und plappert mit allen oder mit einzelnen und verrät auch Persönliches. Zum Beispiel, dass er als Kind von München-Schwabing aufs Land verschleppt worden ist, zwar von den eigenen Eltern, aber in ein Reihenmittelhaus. „Ein Reihenmittelhaus am Land“, jammert er. „Das ist das Ende von der sozialen Leiter, da kommt nix mehr.“ Die vom Reiheneckhaus hätten nicht mal mit ihm spielen dürfen. So stand er im Garten, im „sehr kleinen Garten, DIN A3“, und sehnte sich in die Ferne. Mittlerweile reise er ja „in die Ferne, bis ins Rheinland“, und da habe er festgestellt, erzählt Marchner, dass die Rheinländer die Bayern lieben. „Weil wir aus so großen Gläsern Bier trinken.“ Einer habe sogar wegen des Dialekts mal gemeint, „wir Bayern wären ein Naturvolk“. Dem sei aber nicht so. Die Inuit seien ein Naturvolk, die hätten 70 Wörter für Schnee, erklärt Marchner. Und die Oberpfälzer auch: „Die haben 120 Bedeutung für ,Hou‘.“

Marchner macht sich schon mal lustig über andere, aber er nimmt sich selbst nicht aus. Er berichtet von einer Bekannten, die zur extremen Pubertät seines Sohnes gemeint habe, da sei wahrscheinlich doch was Erbliches im Spiel, und er macht den mitleidigen Blick nach, mit dem ihn die Lehrerin des Sohnes beim Elternsprechtag hereinbat. Und er zeigt tapfer seine beginnende Halbglatze mit dem Zusatz, er sei jetzt dann ein „Midlife-Greis“.

So sinniert er über Alltägliches, schafft den Sprung von doppeldeutigen Wortspielereien – „Der Witzigmann ist bekannt geworden, weil man ihn mit Koks erwischt hat. Heute ist das Schnee von gestern“ – hin zum Märchen vom Fischer und seiner Frau. „Da haben uns die Gebrüder Grimm ums Happy End beschissen.“ Der Fischer ziehe nämlich am Ende in sein Loft in der Stadt und werde reich. „Er gründet eine Band: die Fischer-Chöre.“ Marchner reimt Verse wie „wenn die Haare schütter werden, und aus Töchtern Mütter werden“ oder – beim Lied von verstorbenen Musikern – „Roy Black ist rum ums Eck“.

All das verpackt Marchner in Chansons, Blues, Rock und Balladen, begleitet sich selbst auf der Gitarre, manchmal auch am Klavier. So wechseln Lieder und Erzählungen, und immer hält Marchner sein Tempo so, dass man jedes Wort versteht und dem Witz folgen kann. Ein gelungener Abschluss für die Otterfinger Kulturwoche. 

Von Christine Merk 

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