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„Hallo Lebensretter“: Marco Birner aus Oberfranken (l.) hat Lorenz Popp aus Otterfing Stammzellen gespendet.

"Hallo Lebensretter"

Leukämie: Otterfinger (28) trifft seinen Stammzellenspender

Otterfing - Lorenz Popp (28) aus Otterfing erkrankte an Leukämie. Jetzt geht es ihm wieder gut dank eines Stammzellenspenders. Die beiden haben sich nun kennengelernt. 

Die E-Mail an den fremden Zwilling war für Lorenz Popp (28) aus Otterfing der emotionalste Moment. „Weil ich gar nicht wusste, was ich schreiben soll“, sagt er. Trotzdem klickte er auf versenden, in der Betreffzeile stand „Hallo Lebensretter.“ Der Adressat heißt Marco Birner, der 40-Jährige lebt in Stadtsteinach, einer Stadt im oberfränkischen Landkreis Kulmbach. Ihm hat Popp sein Leben zu verdanken. Denn Birner hat dem 28-Jährigen, der an Leukämie erkrankte, Stammzellen gespendet. Jetzt haben sich die beiden kennengelernt. 

Die Diagnose erwischte Popp vor über drei Jahren eiskalt. „Davor war ich kerngesund.“ Kurz davor war er auf einer hochalpinen Skitour unterwegs. Am Anfang fühlte es sich an wie eine normale Grippe. Mit Fieber und Schluckbeschwerden. Als diese nicht mehr aufhören wollte, ging Popp zum Hausarzt, später ins Krankenhaus. Nach der Blutabnahme sagte eine Fachärztin sofort: „Das sieht aus wie eine Leukämie.“ Es stand schlecht um ihn. 

Dann ging alles sehr schnell. „Ein paar Stunden später wurde mir die erste Chemotherapie appliziert“, erinnert sich der Otterfinger. „Es war ein völlig surreales Gefühl“, sagt Popp. „Weil man nicht damit rechnet und denkt, man wäre jung und unverwundbar.“ Bald stellte sich heraus, dass die Chemotherapie alleine nicht reicht. Ein Stammzellenspender musste her. Zunächst hatten die Ärzte seine Schwester im Blick, auch wenn hier die Übereinstimmung nicht ganz so groß war. Schon wenige Monate später kam die Nachricht, dass der „genetische Zwilling“ gefunden ist: Birner. 

Kurz darauf folgte die Transplantation. „Die war das Unspektakulärste dabei.“ Wie eine Infusion. „Vor Weihnachten wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen.“ 

Heute gehe es ihm gut, er macht Bergtouren und schloss sein Studium für Bioverfahrenstechnik ab. In den ersten zwei Jahren sei die Rückfallquote am häufigsten. Momentan kommt Popp ohne Medikamente aus, wird regelmäßig untersucht. „Nach fünf Jahren spricht man von Heilung.“ 

Seinen Lebensretter hatte er nicht vergessen. Nach einer Sperrfrist bekam Popp Zugang zur Spenderdatenbank, das gehe nur in beiderseitigem Einvernehmen. Die beiden trafen sich nun an einer Autobahnraststätte in Franken. Popp war gerade in der Gegend, unterwegs zu einem Familienfest. „Meine Eltern kommen ursprünglich aus Franken.“ Man hatte viel gemeinsam, sich viel zu erzählen.

Der erste Moment sei sehr emotional gewesen. Tränen flossen, Popps Eltern waren sehr gerührt. Popp überreichte seinem Lebensretter einen Blumenstrauß und Wein aus der familieneigenen Winzerei. „Ich finde es super, dass er gespendet hat“, sagt Popp. „Es ist eine wahnsinnig mächtige Waffe für unheilbare Krankheiten.“ Sein Spender freute sich ebenfalls über das Treffen. „Ich habe mich in den vergangenen Monaten oft gefragt, wie es dem Stammzellenempfänger wohl gehen würde“, sagt Birner gegenüber der Bayerischen Rundschau. Daher habe er gehofft, irgendwann einmal zu erfahren, wer seine Stammzellen bekommen hat. 

Diese ganze Geschichte, so schlimm sie auch war, sei nun ein Teil seines Lebens, sagt Popp. „Ich habe das schnell angenommen.“ Er wollte immer weitermachen, nie aufgeben. Popp hat dem Krebs die Stirn geboten.

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