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Die Entwicklung am Altstandort wird schwierig. 

Rechtlich frei – politisch gebunden

Sportzentrum: Wie geht es weiter?

Otterfing - Die Bindungsfrist ist abgelaufen: Ein Jahr war der Gemeinderat an den Bürgerentscheid gebunden, der die Entwicklung eines Sportzentrums am Nordring vorschrieb. Das Ergebnis ist ernüchternd. Während sich der Gemeinderat neu sortiert, glauben die Initiatoren des Bürgerentscheids unbeirrt, dass der Altstandort zu halten ist.

Der Auftrag fiel deutlich aus: 1580 Wahlberechtigte (fast 72 Prozent) stimmten beim Bürgerentscheid im März 2015 dafür, ein neues Sportzentrum „angemessen und finanzierbar“ am alten Standort Nordring zu entwickeln. Im Umkehrschluss durfte man daraus ableiten, dass die von Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) verfolgten Pläne eines Sportzentrums an der Kreuzstraße von einer demokratischen Mehrheit nicht unterstützt wurden. 

Sportkommission, Sportausschuss und Gemeinderat nahmen sich des Auftrags an. Planer und Gutachter wurden beschäftigt. Ergebnis: Ein umfassender Neubau am Nordring käme zu teuer (über 17 Millionen Euro) und wäre kaum mit dem Lärmschutz vereinbar (wir berichteten). Vertreter des Landratsamts rieten davon ab, den Altstandort weiter zu verfolgen. „Schade um die verlorene Zeit und die eingesetzten Steuermittel“, sagt der Bürgermeister; er schätzt den finanziellen Aufwand für Bürgerbegehren, Planung und Gutachten auf rund 60 000 Euro. Ist der Altstandort damit aus dem Rennen und beginnt die Suche nach einem alternativen Platz – am Ende gar an der Kreuzstraße? Nicht unbedingt, aber vielleicht doch. 

Der Gemeinderat verordnete sich eine Denkpause, im Oktober will das Gremium bei einer Klausur einen neuen Fahrplan abstimmen – ergebnisoffen. Kommunalrechtlich ist das Gremium nicht mehr an den Bürgerentscheid gebunden. Angesichts des deutlichen Votums wäre es aber politisch fragwürdig, jetzt ohne weiteres das vermeintliche „Gegenmodell“ Kreuzstraße als großen Wurf zu betreiben. 

Denkbar ist eine zeitlich gedehnte Stufenlösung: Nach und nach, je nach Dringlichkeit und Kassenlage, die Sportstätten verlagern, basierend auf einem abgestimmten Masterplan. Die Fußballer etwa, die am Nordring an Sonn- und Feiertagen (13 bis 15 Uhr) und abends (nach 20 Uhr) Ruhezeiten einzuhalten haben, könnten den Anfang machen. Ob sich außer der gemeindeeigenen, aber so umstrittenen Außenbereichsfläche an der Kreuzstraße ein geeignetes Areal findet, müsste sich zeigen, gilt aber als wenig wahrscheinlich. 

Mehrzweckhalle und Otterfinger Hof am Altstandort blieben zunächst in Betrieb. Unter Umständen ließen sich die alten Fußballplätze stufenweise als Bauland (eventuell für Einheimische) vermarkten, was wiederum den finanziellen Grundstock für weitere Verlagerungen oder Sanierungen bilden könnte. Könnte, hätte, würde – alles Spekulation. Ein neues Sportzentrum, wo auch immer, nur aus dem laufenden Haushalt und ohne Rücklagen heraus zu finanzieren, dürfte für Otterfing schwer zu schultern sein. „Ohne Gegenfinanzierung scheitert jedes Projekt“, prophezeit der Bürgermeister. 

Man müsse nicht immer an teure Verlagerungen denken, sagt Josef Killer, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens. „Wir haben am alten Sportzentrum doch alles, was wir brauchen“, sagt Killer, „man müsste das nur sinnvoll sanieren und maßvoll erweitern.“ In der Sondersitzung habe er Florian Brand, den Fachbereichsleiter Umweltschutz im Landratsamt, so verstanden, dass der Altanlagen-Bonus erhalten bleibe, wenn die bestehenden Baukörper nur saniert würden. Mit den Fußballern könne man Ruhezeiten vereinbaren, „dann wäre auch diese Kuh vom Eis“. Falls nötig und bezahlbar, kann sich Killer eine zusätzliche reine Sporthalle im Norden des Geländes vorstellen, wo sich jetzt Parkplätze befinden. Das Parkproblem ließe sich eventuell durch ein Parkdeck à la HEP in Holzkirchen in den Griff bekommen. Der Planer hatte ein separates Parkdeck durchgerechnet und dafür drei Millionen Euro veranschlagt. 

Auch Killer ist gespannt, welchen Kurs der Gemeinderat nun nach Ablauf der Bürgerentscheids-Bindefrist einschlägt: „An der Stimmungslage in der Bevölkerung hat sich seit der Abstimmung wenig verändert.“ Es gelte, Prioritäten und ein zeitliches Raster festzulegen sowie ein Budget aufzustellen. „Seit 15 Jahren bringt man in Sachen Sportzentrum nichts auf die Füße“, sagt Killer, „es muss jetzt was passieren.“

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