Amtsgericht verurteilt Senegalesen

Arrest für Asylbewerber (21)

Miesbach/Valley – Im Streit mit einem Sudaner (18) ist ein Senegalese (21) im Dezember in München so rabiat geworden, dass dem Kontrahenten sogar ein Zahn brach. Der 21-Jährige, der inzwischen in der Asylunterkunft in Valley wohnt, ist deshalb nun am Amtsgericht Miesbach verurteilt worden.

Lernen, wie es in unserer Gesellschaft abläuft: Das muss laut dem Miesbacher Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid ein 21-jähriger Senegalese. Der junge Mann, der seit Januar 2015 in der Valleyer Asylunterkunft lebt, hatte einem 18-jährigen Flüchtling aus dem Sudan im Dezember des vergangenen Jahres in München einen Kopfstoß versetzt und dessen Jacke zerrissen. Deshalb musste er sich nun vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten. Dort schilderte er den Vorfall so verworren, dass sowohl Schmid als auch die Staatsanwaltschaft ihm keinen Glauben schenken konnten.

„Ich war in München beim Fußball spielen mit meinen Freunden“, erzählte der Angeklagte. Dann soll sein Opfer ins Spiel gekommen sein. „Er hat mich beleidigt und mich mit der Faust geschlagen, weil ich ihn nicht mitspielen lassen wollte“, sagte der Senegalese aus. Er will den Angriff seines Kontrahenten aber nur abgewehrt und deshalb mit seinem Kopf ins Gesicht des Sudaners geschlagen haben. So fest, dass ein Zahnbruch und Verletzungen im Mundbereich die Folge waren. Den Kopfstoß gab der Beschuldigte also immerhin zu; angefangen haben wollte er aber nicht. 

Der Geschädigte erklärte die ganze Situation im Anschluss genauer. Dass es bei dem Streit darum gegangen sei, er habe Fußball mitspielen wollen, stimmte offenbar schon mal nicht. Es ging lediglich um einen Sitzplatz in einem Wettbüro. Das konnte auch ein Security-Mitarbeiter des Münchner Wettbüros bestätigen. Dort war der Sudaner auf einem Stuhl gesessen. Der Senegalese kam auf ihn zu und forderte mit leicht aggressivem Unterton den Sitzplatz des 18-Jährigen vor dem Automaten ein. Letzterer sah jedoch nicht ein, warum er das Feld räumen sollte. Dann gesellte sich ein Freund des Angeklagten hinzu und wollte den Streit mit dem Sudaner vor dem Laden klären. Nur verbal. 

Als der Senegalese mitbekommen hatte, dass die beiden sich anbrüllten, rannte er hinaus. Womöglich wollte er seinen Kumpel schützen, bevor das Ganze noch eskaliert wäre, wählte dafür jedoch die völlig falschen Mittel: Er rammte dem Sudaner seinen Kopf ins Gesicht. Obwohl er mit der Auseinandersetzung eigentlich schon gar nichts mehr zu tun hatte. Im Eifer des Gefechts riss er zudem die Jacke des Sudaners in Stücke.

Diese vorsätzliche Körperverletzung mit Sachbeschädigung hätte auch eine wesentlich höhere Strafe zur Folge haben können, wäre der Valleyer nicht Ersttäter gewesen. So sah es zumindest die Staatsanwaltschaft. Sie plädierte letztlich dafür, dem 21-Jährigen 40 Sozialstunden sowie die Teilnahme an einem sozialpädagogischen Trainingswochenende aufzuerlegen. 

Sozialstunden waren Richter Schmid jedoch zu wenig. Er verurteilte den Angeklagten zu einem einwöchigen Arrest. In Sachen pädagogisches Trainingswochenende schloss er sich dem Vortrag der Staatsanwaltschaft an. „Da war bei Ihnen schon viel Aggression dabei“, sagte Schmid in Richtung des Senegalesen.

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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