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Letzter Schliff: Hani Faisal aus Kairo mit einer seiner monumentalen Skulpturen.

Symposium setzt heuer auf Kalkstein

Granitsponsor abgesprungen: Bildhauer improvisieren

Hohendilching - Kalkstein statt Granit: Weil der Sponsor für die teuren Blöcke abgesprungen ist, muss das Internationale Bildhauersymposium in Hohendilching improvisieren. Trotzdem ist viel geboten.

Bevor nicht der erste Schlag gesetzt ist, ist beim Internationalen Bildhauersymposium nichts in Stein gemeißelt. Anders als ihr bevorzugtes Material müssen die Organisatoren vom Verein Kunstdünger bis zum Schluss flexibel sein. Schließlich stemmen sie das zweiwöchige Projekt größtenteils in Eigenleistung. Heuer wackelten kurz vor Schluss sogar die Felsen in der Brandung. „Da ist uns der Sponsor der Granitblöcke abgesprungen“, erzählt Bildhauer Tobel, der ab Sonntag, 3. Juli, bereits zum vierten Mal mit seiner Frau Christiane Ahlhelm und zehn Helfern auf die Skulpturenlichtung an der Mangfall in Hohendilching einlädt.

Doch Tobel hatte Glück. Seine Gäste ließen sich weichklopfen – und weichen nun auf Kalkstein aus. Nur bei Josef Pleier biss Tobel auf Granit. Der Bildhauer aus Böbing will einen Stein im Goldenen Schnitt spalten. „Das geht so exakt nur mit Granit“, erklärt Tobel. Also griff er schweren Herzens in die ohnehin knapp gefüllte Kasse und kaufte Pleier den gewünschten Block. Im Gegenzug arbeitet der 57-Jährige ohne Honorar – wie auch die beiden internationalen Gäste.

Neben Tobel und Pleier werden vom 3. bis 16. Juli auch Hani Faisal aus Ägypten und Saeid Ahmadi aus der Ukraine an der Anderlmühle hämmern und schleifen. Im vergangenen Jahr waren sogar fünf Bildhauer zu Gast. „Heuer wollten wir es lieber wieder ein bisschen kleiner und konzentrierter“, sagt Tobel. Dafür werkeln erstmals zwei Schüler-Praktikanten von der Montessori-Oberschule in Freimann mit.

Bei den Profis habe man diesmal auf Installationskünstler verzichtet und ausschließlich Leute eingeladen, die bleibende Werke schaffen – und damit auch dauerhafte Werte für die Lichtung. Denn eines hat sich bei der vierten Auflage des Symposiums nicht geändert: Sponsoren sind traditionell rar gesät.

„Wir decken nach wie vor viel durch ehrenamtliche Arbeit ab“, erklärt Tobel. Hinzu kämen teils großzügige Geld- und Sachspenden von Einzelpersonen. Besonders freut Tobel, dass endlich auch der Landkreis an Bord ist. Nicht nur ideell, sondern auch finanziell, wie er betont. „Das ist das richtige Signal“, findet er. In anderen Ländern würden die Symposien nämlich meist komplett von den ausrichtenden Städten oder großen Firmen bezahlt. Dafür kann sich Tobel sicher sein, dass seine Bildhauer ausschließlich ihm zuliebe nach Valley kommen. „Das ist schon eine Wertschätzung“, sagt er.

Auch heuer hat er wieder Kollegen gefragt, die ihm persönlich verbunden sind. Nur da könne er sicher sein, dass es bei der zweiwöchigen Zusammenarbeit keine Probleme gibt. Darüber hinaus müssten ihre Werke an die Mangfall passen. Doch auch da macht sich Tobel keine Sorgen. So wird Faisal, Professor für Skulptur an der Universität Kairo, eine Art Sonnenuhr anfertigen. Dazu inspiriert hat ihn der altägyptische Stil von König Echnaton aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Mit Kalkstein anstatt mit Granit zu arbeiten, sei für Faisal kein Problem gewesen.

Gänzlich unberührt von der Granit-Not ist der gebürtige Iraner Ahmadi. Er hat eine Eiche bei Tobel bestellt. Daraus schnitzt der 46-Jährige eine seiner humorvollen Figuren. „Figürliche Arbeiten sind eigentlich immer am schwierigsten“, erklärt Tobel. Mit Spannung verfolgt er dann, wie sich die erste Skulptur dieser Art an der Mangfall einfügt.

Tobel selbst wird übrigens seinem Konzept treu bleiben und „irgendwas in einen Stein reinschneiden“, meint er schmunzelnd. Selbstverständlich in Kalkstein statt in Granit. Als Gastgeber ist er Flexibilität gewohnt.

Das Programm

Die Eröffnung des vierten Internationalen Bildhauersymposiums in Hohendilching startet am Sonntag, 3. Juli, mit einem Weißwurst-Frühstück um 11 Uhr. Dabei werden die Bildhauer sich und ihre Projekte vorstellen. Um 13 Uhr können sich die Gäste unter der Führung von Klaus Koch auf eine zweieinhalbstündige Wanderung auf dem „Weg der Steine“ begeben.

  • Die Werkphase beginnt dann am Montag, 4. Juli. Bis einschließlich Samstag, 16. Juli, hämmern und schleifen Tobel, Saied Ahmadi, Hani Faisal und Josef Pleier an ihren Stein- und Holzblöcken. Wochentags zwischen 10 und 17 Uhr können ihnen interessierte Besucher dabei über die Schultern schauen.
  • Beim „Skulptur-Special“ am Samstag, 9. Juli, können die Gäste ab 15 Uhr an einer Führung über die Lichtung teilnehmen, mit den Künstlern ins Gespräch kommen und Steine sogar selbst bearbeiten.
  • Die Finissage am Samstag, 16. Juli, um 16 Uhr setzt den Schlusspunkt unter das diesjährige Bildhauer-Symposium. Bei einem Rundgang durch die Skulpturen, die Saxophonist Gerhard Wagner musikalisch begleitet, präsentieren die Künstler ihre fertigen Werke. Nach den Grußworten von Schirmherr und Landrat Wolfgang Rzehak sowie Valleys Bürgermeister Andreas Hallmannsecker klingt die Veranstaltung mit Brotzeit, Wein und Musik aus.
  • Ein bis zwei Schulklassen werden täglich die Bildhauer besuchen. „So viele wie noch nie“, sagt Tobel. Der Nachwuchs darf dabei nicht nur die Künstler mit Fragen löchern, sondern sich auch selbst an Stein und Ton austoben.

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