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Landwirte holen die erste Mahd nähe Weyarn ein. Ob konventionell oder bio: Die Ökomodell-Region bietet allen Landwirten im Landkreis neue Vermarktungs-Chancen. Jeder kann Ideen einbringen.

Nach Kritik an der Ökomodellregion

Behörden-Chef warnt Bauern: "Kleine Betriebe geben auf"

Valley – Die Ökomodellregion musste viel Kritik einstecken, vor allem von konventionellen Landwirten. Genau an die appelliert jetzt Landwirtschaftsamts-Direktor Stefan Gabler: Regionale Vermarktung könnte deren letzte Chance sein.

Im Valleyer Gemeinderat stand Landwirtschaftsamts-Direktor Stefan Gabler als Mitglied des Lenkungsausschusses der Ökomodellregions-Managerin Marika Kinshofer bei der Präsentation zur Seite: mit einem leidenschaftlichen Appell gerade auch an die konventionellen Bauern.

Die Landwirtschaft, insbesondere die konventionelle Milchviehhaltung, ist im Umbruch. Kleine Betriebe geben auf, weil sie ihre Produktionskosten nicht mehr senken können. Übrig bleiben riesige Betriebe mit industriellen Abläufen, bei denen das Bild von der Kuh auf der Wiese nur auf dem Etikett existiert. Die Entwicklung wird auch die Region nicht verschonen, meint Gabler: „Die Mehrheit unserer Betriebe im Landkreis wird am Weltmarkt nicht existieren können.“ Denn dafür seien die hiesigen Betriebe mit ihren durchschnittlich 23 Kühen zu klein. „Wenn wir nichts machen, werden wir einen Strukturwandel erleben.“ Dafür seien Ideen gefragt, die die Wertschätzung bei den Verbrauchern steigern. „Ich setze große Hoffnungen in die Ökomodellregion, dass man mit den Verbrauchern spricht, dass man über Landwirtschaft spricht.“ Ob bio oder konventionell, spiele da erst einmal keine Rolle, obschon Ökolandbau eine Möglichkeit sei, weil die Nachfrage hierzulande das Angebot übersteigt – und weiter wächst.

Der Leiter des Landwirtschaftsamts konzentrierte sich in seinem Vortrag zwar auf sein Fachgebiet. Er betonte allerdings auch, dass die Ökomodellregion auch anderen Disziplinen offen stehe – nur müssten die selbst tätig werden. „Wir müssen viel weiter denken als an Landwirtschaft“, appellierte Gabler, „auch ein Schreiner könnte zum Beispiel mit heimischem Holz arbeiten und dann mit der Ökomodellregion werben. Die Ideenbörse ist offen.“

Einige konkrete Ideen sind auch bereits in der Mache. So will der Arbeitskreis Blühflächen aus dem Miesbacher Oberland wieder ein Paradies für Insekten machen.

Sein Appell galt auch skeptischen konventionellen Landwirten, die sich offenbar bislang nicht mitgenommen fühlten, zumal die beiden Landwirte im Lenkungsausschuss – Bauernverbands-Kreisobmann Johann Hacklinger und der Warngauer Bürgermeister Klaus Thurnhuber – ihre Betriebe auf bio umgestellt haben. „Ich erwarte, dass sowas in die Breite geht, wir müssen uns in diesem Ding wiederfinden können“, sagte im Gemeinderat etwa der konventionelle Landwirt und Bauernverbands-Ortsobmann Josef Huber (Valleyer Liste). „Sie können ja was entwickeln, wo Sie dahinterstehen“, rief Gabler ihn auf. Das ist im Projekt Ökomodellregion Programm, stellte Gabler einmal mehr klar: „Weder Frau Kinshofer noch der Lenkungsausschuss können die Ökomodellregion mit Leben füllen – da sind alle gefragt.“ Bio- und konventionelle Landwirte ebenso wie etwa Handwerker, Gastronomen, Einzelhändler oder auch Vereine und Organisationen.

Allerdings tun sich kleine Landwirte damit nicht ganz leicht. Johann Beil (CSU), ebenfalls Bauer, zeigte sich zwar aufgeschlossen. Aber: „Ich sehe für mich wenig Chancen, da irgendein Produkt einzubringen“, erklärte er. „Und ich kann auf meiner Fläche nicht auf bio umstellen.“ Dafür sei sie zu klein.

Dass es zwingend bio sein müsse, sei gar nicht gesagt, betonte Gabler: „Dem Verbraucher ist regional wichtiger als bio.“ Man müsse den Konsumenten klar machen, dass sie mit regionalen Produkten nicht nur den Inhalt an sich kaufen: „Wer einen Liter Milch kauft, kauft unsere Landschaft gleich mit.“ Weil er damit die hiesige kleinteilige Landwirtschaft unterstütze, die Landschaft im Oberland erhalte, von der ja auch der Tourismus lebe.

Die bisherigen zwölf Projekte der Ökomodellregion bekommen allmählich konkrete Züge. Man sei in Gesprächen mit Handelsketten, um in deren Filialen in der Region Ständer mit Produkten aus der Ökomodellregion Miesbacher Oberland einzuführen, berichtete Kinshofer; die Ökomodellregions-Managerin koordiniert und unterstützt die Projekte auf dem Weg zur Umsetzung. Dazu zählen etwa die Genussrechte beim Leitzachtaler Ziegenhof ebenso wie die Pläne für einen Schlachthof für Miesbacher Weiderinder, die Schaffung von Blühflächen und Apfelsaft von Streuobstwiesen. Ein Flyer mit Anbietern ist ebenso im Entstehen wie eine „Schmankerlstraße“ zu Anbietern in der Region.

Katrin Hager

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