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Michael Dalder.

Michael Dalder fliegt zur Preisverleihung nach New York

Pulitzerpreis für Warngauer

Warngau - Was der Oscar für Filmschaffende ist, ist der Pulitzerpreis für Medienmenschen. Am Donnerstag wird er zum hundertsten Mal verliehen. Unter anderem an den Warngauer Fotografen Michael Dalder (46).

Das Siegerbild entstand in jener Nacht, auf einer Tour mit den Passauer Schleierfahndern. Michael Dalder postierte sich auf einer Anhöhe, von der aus man sehen konnte, wie Flüchtlinge zu Fuß vom österreichischen Kollerschlag über die Grenze ins bayerische Wegscheid marschierten. Die Aufnahme zeigt eine langen Reihe von Menschen, die zu Fuß einem Polizeiauto hinterhergehen. Es ging damals darum zu dokumentieren, wie es nach der „Schwimmwesten-Problematik“ für die Flüchtlinge weiter ging. „Das Bild zeigt den ersten Schritt, wie man mit Flüchtlingen bei uns umgeht“ beschrieb er es im April in einem Interview mit der Hessenschau. „Einerseits sind sie irgendwie bei uns willkommen, andererseits lässt man sie zu Fuß laufen.“

Für dieses Bild erhält Dalder mit sieben Fotografen-Kollegen der Nachrichtenagentur Reuters für Bilder zur Flüchtlingsthematik die Auszeichnung in der Kategorie „Aktuelle Fotoberichterstattung“. Jetzt machte sich der Warngauer für die Ehrung auf den Weg nach New York.

„Es muss wohl formell ein sehr großer Akt sein“, sinniert der 46-Jährige, als er daheim vor gepackten Koffern sitzt und sich langsam vielleicht doch so etwas wie Aufregung einstellt. Auch, wenn er sich an das Gefühl, Pulitzer-Preisträger zu sein, schon ein paar Monate gewöhnen konnte.

Traditionell werden diese im Frühling verkündet. Den 18. April hat er noch gut im Kopf. Er war beim Sport, als er vom Preis erfuhr. Völlig baff sei er gewesen und sich der Tragweite überhaupt nicht bewusst. Während er erst mal duschen ging, gingen daheim die ersten Gratulationen von Kollegen ein, die via Livestream die Bekanntgabe der Gewinner verfolgt hatten. „Bis zum nächsten Tag hatte ich 300 SMS, und das Telefon stand nicht mehr still“, erinnert er sich.

Das entscheidende Bild hatte der für Süddeutschland zuständige Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters mit zwei weiteren Motiven nach einem Aufruf seines Washingtoner Büros eingereicht, wo der Chef das Paket mit 16 Fotos schnürte. Die beiden anderen Bilder waren ebenfalls auf Tour mit den Passauer Schleierfahndern entstanden. Sie zeigen vom Blaulicht erhellte Gesichter in stockfinsterer Nacht.

Dem spontanen Wunsch, einigen mit seinem Wagen den Weg zu erleichtern, musste er widerstehen, weil er sich dann der Schleuserei und Schlepperei schuldig gemacht hätte. Mit Flüchtlingen beschäftigt sich der gebürtige Hesse, der 1997 für Reuters nach München kam und nicht erst durch die Heirat mit einer Regensburgerin längst „in Bayern sozialisiert ist“. In ihrer Wahlheimat Warngau engagieren sich die Dalders im Helferkreis.

Gefragt, was ein Jahr nach der Aufnahme des preiswürdigen Fotos das aktuelle Bild zur Flüchtlingsdebatte wäre, überlegt er. Die Schleierfahnder, mit denen er erst kürzlich erneut unterwegs war, machen wieder ihren üblichen Dienst. Flüchtlinge kämen kaum mehr. Mittlerweile ist das Thema „ganz, ganz breit gefächert“. Die Facetten reichen vom Anfang gelungener Integration, über Zukunftsängste und Straftaten bis zu Momenten großen Glücks. Einen solchen darf Dalder morgen nach einem Frühstück mit den Kollegen bei der Preisverleihung erleben.

Heidi Siefert

Der Pulitzer-Preis

Der Pulitzerpreis wird seit 1917 jährlich von der Pulitzer-Journalisten-Schule an der New Yorker Columbia Universität verliehen. Der in 22 Kategorien vergebene Journalismus-, Literatur- und Kulturpreis ist neben der „School of Journalism“ ein Vermächtnis des Verlegers Joseph Pulitzer (1847 – 1911). Er sah die Presse als moralisches Regulativ, stand für saubere, schonungslose Berichterstattung und trat für eine fundierte Journalistenausbildung ein. Die Preisträger kürt eine Jury aus Verlegern, Publizisten und Schriftstellern. Wichtigste Kategorie ist „Public Service“, Dienst an der Öffentlichkeit. Hier gibt es neben einem Geldpreis von rund 10 000 US-Dollar die 14-karätige Pulitzer-Goldmedaille. Die Auszeichnung für „Aktuelle Fotoberichterstattung“ teilen sich die Reuters-Fotografen mit einem Team der New York Times.

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