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Der Zusammenstoß: Folge aus einer Verkettung von Fehlern.

Untersuchungsbericht zu Flugunglück Warngau

Deshalb musste Hannes H. sterben

Warngau - Bei einem Flugunglück in Warngau starb im September 2010 ein 47-jähriger Pilot. Sechs Jahre später hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nun ihren Untersuchungsbericht veröffentlicht.

Die Piloten Alex S. (l.) und Hannes H. kurz vor dem Unfall. Hannes H. kam ums Leben.

Es sollte ein schöner Formationsflug werden, bestaunt von gut 6000 Zuschauern. Mit Doppelloop, Kleeblatt-Formation und Fassrolle. Doch fünf Minuten nach dem Start passiert am Himmel das Unfassbare: Plötzlich rast Alex S., der Flügelmann, mit seiner Maschine von oben auf das Flugzeug seines Partners Hannes H., des Formationsführers, zu. Um 16.49 Uhr kollidieren die beiden Flugzeuge. Der Flieger des 47-jährigen Hannes H. aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gerät in Sturzflug – und prallt auf den Boden. Der Mann stirbt. Sein Freund kann notlanden, bleibt unverletzt.

Erst jetzt hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) den Untersuchungsbericht zu dem Flugunglück veröffentlicht, das am 18. September 2010 in Warngau passierte. Der Motorfliegerclub Warngau hatte die Veranstaltung damals auf dem Flugplatz ausgerichtet, der südlich von Warngau (Kreis Miesbach) neben der B 318 liegt.

Germout Freitag, Pressesprecher der BFU, erklärt, warum der Bericht erst knapp sechs Jahre später vorliegt: „Es ist nicht die Regel, dass es so lange dauert“, meint er. Zum einen seien die Untersuchungen für Warngau sehr aufwendig gewesen. Zum anderen seien die Kapazitäten der BFU knapp – auf 17 Untersucher kommen laut Freitag deutschlandweit pro Jahr circa 2000 gemeldete Ereignisse.

Die Untersuchungen „ergaben keine Hinweise auf technische Defekte“, heißt es in dem Bericht. Und: „Das Wetter hatte keinen Einfluss auf den Unfallhergang.“ Nachdem die Faktoren Maschine und Umwelt als Ursache ausscheiden, bleibe eigentlich nur noch der Faktor Mensch übrig, erklärt Freitag. Das Wort „Schuld“ allerdings möchte er nicht in den Mund nehmen, das zu beurteilen liege nicht in der Zuständigkeit seiner Behörde.

Die Schlussfolgerungen der BFU lauten: „Der Flugunfall ist darauf zurückzuführen, dass der linke Flügelmann nach Verlust des Sichtkontaktes zum Formationsführer versuchte, sich in der Formation neu zu positionieren und dabei mit dem Formationsführer kollidierte.“ Alex S. habe es also an „regelkonformen Verhalten“ gemangelt, er hätte „die Formation nach links verlassen müssen.“ Während des Fluges sei außerdem der Formationsführer für die Luftraumeinteilung zuständig und hätte das Ende des Vorführluftraumes erkennen – und rechtzeitig das Kommando zum Beenden geben müssen.

Die Piloten Alex S. (l.) und Hannes H. kurz vor dem Unfall. Hannes H. kam ums Leben.

Auch andere Faktoren waren mitursächlich. Die BFU wertet es als beitragend, dass „die beiden Piloten trotz eigener Feststellung des zu klein bemessenen Vorführluftraumes keine Konsequenzen für den Umfang und die Durchführbarkeit des Flugprogramms gezogen hatten“, heißt es. Den Piloten sei spätestens nach der Schlussbesprechung (Briefing) bewusst gewesen, dass eben dieser Raum zu klein war. Eine Absage, so die Untersuchung, wäre besser gewesen.

Außerdem habe sich der Veranstalter das Flugprogramm nicht vorfliegen lassen, bemängelt die BFU. Aus ihrer Sicht fehlte zudem die Festlegung eines Verfahrens, das den Piloten gestattet, in besonderen Fällen auch außerhalb dieses eng begrenzten Luftraumes operieren zu können. Ohne Sanktionen zu kassieren. Laut Freitag hatten beide Piloten zu wenig Erfahrung.

Das Unglück steckt Alois Wiefarn, Vorsitzender des Motorfliegerclubs Warngau, noch tief in den Knochen. „Wir wollten bloß eine wunderbare Veranstaltung durchführen.“ Und: „Wir sind uns keiner Schuld bewusst“, betont er. „Wenn da zwei Flugzeuge zusammenstoßen, kann man vom Boden aus wenig machen.“ Der Verein habe sich das Programm vorab auf Video angeschaut, bestätigt Wiefarn. Alles andere sei ein Kann gewesen, kein Muss. Das geht auch aus den Unterlagen hervor. Sein Kollege Bernd Dietrich war damals sogar bei dem Briefing dabei. „Es war nicht die Rede davon, dass der Luftraum zu klein ist“, sagt er. Beim genannten Vorfall hat das Luftamt Südbayern zwar die Veranstaltung an sich genehmigt, erklärt ein Sprecher der Regierung von Oberbayern. Details über den Vorführluftraum seien darin aber nicht Gegenstand.

Unklar ist, wie es weiter geht, ob es noch Konsequenzen für Beteiligte gibt. Andrea Grape, stellvertretende Pressesprecherin bei der Staatsanwaltschaft München II, sagt: „Der Bericht der BFU liegt uns nicht vor.“ Derzeit sei kein Ermittlungs- oder Vorermittlungsverfahren anhängig. Der zuständige Referent prüfe die Angelegenheit. Es sind also noch viele Fragen ungeklärt.

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