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Ein weiß-blauer Himmel war der Rosserer-Wallfahrt rund um Allerheiligen heuer beschieden.

Wallfahrt der Rosserer in Warngau 

Leonhardi wie aus dem Bilderbuch

Warngau – Ein Festtag wie aus dem Bilderbuch: Die Leonhardifahrt in Warngau lockte heuer rund 50 Gespanne und viele Einzelreiter nach Allerheiligen. Unter den Zaungästen waren auch Besucher aus Rheinland-Pfalz und sogar New York.

Leonhardi, das muss man erlebt haben. Darin ist sich Familie Schmitt einig. Sie urlaubt derzeit im Oberland. Auch wenn sie aus dem „tiefkatholischen“ Rheinland kommt, so etwas „gibt es bei uns nicht“. Vor der barocken Wallfahrtskirche Allerheiligen steht die Familie mit großen Augen und beobacht, wie ein beeindruckender Tross bunt geschmückter Rösser vorbeizieht. Tochter Leah (4) zuckt zusammen. Laut ist es hier. Peitschen schnalzen, Glocken schellen. Die Blaskapelle Oberwarngau schickt imposante Klänge von ihrer Kutsche. Und die Rösser kommen Leah bedenklich nahe. Ein Kaltblut, das vor einen Zweispänner gespannt ist, scheut sogar und steigt direkt vor ihr kurz auf. Kein Wunder, bei diesem Tumult. 

An die 50 Gespanne, dazu diverse Einzelreiter holten sich heuer den Segen – „mehr als sonst“, sagt Josef Huber, der den Festtag als Vorsitzender des Leonhardikomitees organisierte. Die Vereine zeigten ihre Fahnen. Diesmal, dank Sonnenschein, ohne Schutzhülle. Der Bilderbuch-Oktobertag lockte reichlich Zaungäste zu Leonhardi, darunter viele Kinder. 

Alles sah heuer besonders malerisch aus, „a richtig scheena Lehards“, konstatiert Bürgermeister Klaus Thurnhuber, als er nach Gottesdienst und Kutschfahrt mit Landrat Wolfgang Rzehak samt Familie und Nachbar-Bürgermeistern im Gasthof Zur Post isst. Im Ortskern, vor Gasthof und Eisdiele, genossen Wallfahrer und Gäste die Sonne. Leonhardikomitee-Vorstand Huber ist hochzufrieden: Alles verlief reibungslos und ohne Zwischenfälle. 

Während von der Kirche her „Großer Gott, wir loben dich“ wehte, mengte sich ein „beautiful“ ins Bairische, das an Leonhardi natürlich dominierte. Diane Dewey aus der Nähe von New York hatte von der B 318 aus eine Menge parkender Autos entdeckt und sich gedacht, „dass da irgendwas Wichtiges los ist“. So geriet sie unversehens mitten hinein in die gelebte bayerische Tradition. Sie bewunderte geflochtene Mähnen, urige Truhenwagen und festliches Dirndlgewand aus der Nähe und ließ sich erklären, was es mit Leonhardi auf sich hat: Der Heilige Leonhard von Limoges gilt als Schutzpatron des Viehs, insbesondere der Pferde. 

Leonhardi in Warngau: Das sind die Bilder

Nachdem der Brauch in Warngau mehr als 80 Jahre lang eingeschlafen war, wurde er 1983 vom eigens gegründeten Leonhardikomitee aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Seither ist die Warngauer Leonhardiwallfahrt ein Musterbeispiel altbayerischer Brauchtumspflege und zieht jedes Jahr am vierten Oktobersonntag Rosserer aus den umliegenden Ortschaften an. Zwei Kilometer lang zogen sie um die Kirche Allerheiligen herum, insgesamt drei Mal, wie es der Brauch ist. Von seinem Podest vor der Kirche aus segnete Pfarrer Gottfried Doll die Teilnehmer und Pferde.

Johanna Wieshammer

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