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Lisi Kalb (3.v.r.) ist derzeit für vier Monate in Ecuador, um im Rahmen des Freiwilligendienstes zu helfen. Auch eine Mutter (r.) und deren Familie leiden unter den Folgen des Erdbebens.

Hilfe aus der Heimat

Warngauerin sammelt für Ecuador

WArngau - Die Warngauerin Lisi Kalb (22) sammelt für Erdbebenopfer in Ecuador. Ein Spendenkonto ist bereits eingerichtet

Das kleine Land an der Westküste Südamerikas, direkt am Äquator, ist rund 10 000 Kilometer Luftlinie von Warngau und Wall entfernt. Doch für Lisi Kalbs Familie und Freunde in ihrer Heimat ist Ecuador plötzlich ganz nah – und damit auch die Katastrophe, die hierzulande längst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Vor gut einem Monat traf ein schlimmes Erdbeben der Stärke 7,8 Ecuador. Es kostete 650 Menschen das Leben, fast 28 000 wurden teils schwer verletzt. Seither registrierten die Seismografen weit mehr als 800 Nachbeben, davon ein halbes Dutzend sehr starke. Fast 10 000 Gebäude wurden in Ecuador beschädigt oder zerstört, viele Menschen sind obdachlos. 

Lisi Kalb ist mittendrin. Die 22-Jährige ist derzeit für vier Monate in Ecuador, um im Rahmen des Freiwilligendienstes in einem Kinderheim in Santo Domingo zu helfen. Kalb selbst fehlt nichts. Aber die Folgen der Beben für die Bevölkerung erlebt sie täglich mit. „Die Menschen in Ecuador halten unglaublich zusammen, und viele Wasser-, Essens- und Kleiderspenden sind schon in den Krisengebieten angekommen“, schreibt Kalb per E-Mail, „aber es gibt noch immer viele kleine Dörfer, zu denen es die Hilfe noch nicht geschafft hat.“ Deshalb hat sie sich nun gemeinsam mit weiteren freiwilligen Helfern, die derzeit ebenfalls in dem Kinderheim arbeiten, zusammengetan und sammelt Spenden in ihrer Heimat. 

Die Spenden, die Kalbs Aufruf erzielt, kommen über die Warngauerin direkt bei einer Familie an, die die 22-Jährige aus ihrer Arbeit im Kinderheim kennt. Zwei Schwestern, neun und zwölf Jahre alt, leben dort seit einem Jahr. Sie mussten damals von ihrer Mutter und vier weiteren Geschwistern fort, weil ihr Großvater bei ihnen lebte, der sie misshandelte, erzählt Kalb. Die Mutter zeigte den Großvater, ihren Vater, an. Er sitzt inzwischen in Haft. Und eigentlich hätten die beiden Schwestern aus dem Kinderheim nun zurück in ihre Familie kommen sollen. Doch dann kam das Erdbeben. 

Für die Mutter der beiden ist damit alles noch schwerer geworden, als es ohnehin schon war. Weil der Vater der Kinder tot ist, hält sie sich und die Kinder mit dem Verkauf von Kokosnüssen über Wasser. Von den vier Dollar am Tag – wenn es gut läuft – kann sie sich und die Kinder gerade mal ernähren; etwas anzusparen ist schlicht nicht möglich. Doch nun braucht sie Geld, schnell: Denn seit den Erdbeben steht sie obdachlos da. 

Das Haus, in dem sie mit ihren Kindern lebte, ist zerstört. Auf Unterstützung von ihrer Familie braucht sie nicht zu hoffen: Sie hat sich von ihr abgewandt, weil sie ihren eigenen Vater ins Gefängnis gebracht habe. „Sie ist komplett auf sich alleine gestellt“, weiß Kalb. Weil sie kein Haus mehr hat, muss sie nun versuchen, die letzten Habseligkeiten vor Plünderung zu schützen. „Sie hat sich mittlerweile mit ihrer Nachbarin zusammengetan, sie passen nun gegenseitig auf ihre Wertsachen auf“, erklärt Kalb. „Somit kann sie wenigstens wieder teilweise ihrer Tätigkeit nachgehen.“ Umgerechnet 1300 Euro kostet ein einfaches Holzhaus. Für jemanden in dieser Situation eine schier utopische Summe. Aber vielleicht zu stemmen, wenn in der Heimat mehrere kleinere Beträge zusammengetragen werden. Die freiwilligen Helfer des Kinderheims in Santo Domingo haben dafür ein gemeinsames Spendenkonto eingerichtet. 

Auch die Theatergruppe Waller Brettlhupfer, bei der Kalb sonst selbst mit auf der Bühne steht, schiebt die Spendenaktion mit an. 300 Euro spendet der Verein für den Hausbau. Die Spenden mit dem entsprechenden Verwendungszweck kommen direkt bei Kalb an. „Ich bin noch bis Mitte August in Ecuador und arbeite bis Mitte Juli in dem Heim“, erklärt sie. „Das bedeutet, dass ich den kompletten Bau des Hauses und hoffentlich auch die Wiedereingliederung in die Familie miterleben darf.“

Von Katrin Hager

Spendenkonto

Spenden sind unter dem Verwendungszweck „Kalb – Spende Ecuador“ auf folgendes deutsches Konto möglich: Kontoinhaber Ecuadorspende Dirk Janßen, IBAN DE96 2802 0050 1003 4767 00, BIC OLBODEH2XXX (Kontonummer 1003476700, Bankleitzahl 28020050).

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